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We don't love hair: Ein Essay zum Stand der Körperbehaarung

VON LENA GROSSMÜLLER - zuletzt aktualisiert: 27.10.2009 - 18:01

Langsam tröpfelt das heiße Wachs auf nackte Haut. Die Schenkel zucken nur kurz und eine leichte Welle von Gänsehaut überrollt den Körper. Der Tropfen verläuft zäh und es entsteht eine bernsteinfarbene Glasur. Angenehm warm.

Doch das Schauspiel täuscht - von Entspannung keine Spur. Denn sobald der Wachs trocknet, die feinen Härchen in ihm erstarren und der aufgelegte Papierstreifen glatt gestrichen wird, heißt es : „Und jetzt tief einatmen…“

RATSCH!

Ein kurzer Moment Ohnmacht, dann Schmerz. Stechend, ziehend, pochend – alles auf einmal. Unzählige, kleine Blutströpfchen bilden sich auf den Poren, aus denen gerade eben noch Haare wuchsen. Alles ist rötlich wund. Es ist zum Heulen. Doch geheult wird hier nicht, denn der nächste Streifen liegt bereits auf…

Wachsen, Rasieren, Epilieren oder sogar Lasern - fast jede zweite Frau, vor allem im Alter zwischen 18 und 30 Jahren, greift zu einer dieser Haarentfernungsmethoden, so der Bundesverband Deutscher Dermatologen (BVDD). Der Trend geht zu glatter, reiner Haut. War das schon immer so ?

Spulen wir mal zurück. Ursprünglich ist die Körperbehaarung ein Überbleibsel des Fells unserer Vorfahren. Damals schützte die Haarpracht noch vor Wind und Kälte, doch heute ist sie rein praktisch gesehen überflüssig geworden. Die Haarentfernung ist kein neumodischer Trend, sondern eher eine Praxis mit Tradition. Im alten Ägypten galt ein haarloser Körper als Schönheitsideal und bis heute stützt sich der Islam auf die Reinlichkeitsregeln der Fitra, wonach sich Mann und Frau alle 40 Tage enthaaren sollten. So gesehen geht es den Haaren schon lange an den Kragen.

Nur die Hippies haben es für eine kurze Episode geschafft, sich gegen den Enthaarungstrend zu sträuben und Achsel- und Beinhaare nach Belieben sprießen zu lassen. Mittlerweile wünschen sich drei Viertel aller Männer bei ihrer Partnerin einen rasierten Intimbereich, so eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Brazilian Cut ist längst kein Fremdwort mehr. Eine Studie der Universität Leipzig ergab, dass sich 95% der Studenten die Achseln, den Oberkörper und auch den Genitalbereich enthaaren. Also, ganz gleich, was die derzeitigen Barttrends von Brad Pitt oder Joaquin Phoenix prophezeien, der Slogan einer deutschen Kosmetikkette ist das Credo der Stunde: „Lass waxen statt wachsen.“

Dieser Beitrag entstand im Rahmen eines Bloggertreffens zur Ausstellung "We love hair" im NRW-Forum. Weitere Texte finden Sie hier.


 
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