Sofie Bonnen feierte 108. Geburtstag: Ein Leben in drei Jahrhunderten
VON FRANK VOLLMER - zuletzt aktualisiert: 03.08.2007 - 08:41Düsseldorf (RPO). Sofie Bonnen hat gestern ihren 108. Geburtstag gefeiert - damit ist sie die älteste Bürgerin der Stadt. Seit ihrer Geburt 1899 wohnt sie in Düsseldorf, seit 72 Jahren in der Friedrichstadt. Vor fast 100 Jahren fing sie als eine der ersten Frauen bei der Landesversicherungsanstalt an.
Die Klingel stand kaum still gestern am Fürstenwall. Alle paar Minuten stieg ein neuer Gratulant die Treppenstufen in die zweite Etage hoch, um seine Glückwünsche zu überbringen. Das war allerdings auch nur recht und billig - schließlich gab es in dem Altbau nahe der Antoniuskirche ein Geburtstagskind zu feiern. Und nicht irgendeins: Sofie Bonnen wurde gestern 108 Jahre alt. Niemand in ganz Düsseldorf ist älter als Sofie Bonnen. In drei Jahrhunderten, aber nur in einer Stadt hat sie gelebt, seit sie 1899 das Licht der Welt erblickte - in Düsseldorf.
Ihrer Heimat ist sie treu geblieben, ihrer Wohnung auch: Seit 1935 wohnt Sofie Bonnen am Fürstenwall, lange zusammen mit ihrer Schwester Elisabeth Maaßen. Dreimal am Tag kommen Caritas und Verwandte, um mit der alten Dame Wäsche und Toilette zu erledigen und um das Essen vorbeizubringen. „Ich bin dankbar, dass ich hier bleiben kann“, sagt Sofie Bonnen. „Ich nehme keinem einen Heimplatz weg. Was soll ich denn da?“
Sofie Bonnen ist aber nicht erst mit 108 eine ganz besondere Frau. 1915, vor fast einem Jahrhundert, fing sie als eine der ersten Frauen bei der Landesversicherungsanstalt (LVA) an - „weil die Männer ja im Krieg waren“. Dort war sie Sachbearbeiterin für Rentenfragen, bis zum Ruhestand 1957. Der Versicherung verbunden war sie aber schon zuvor: Die Bonnens hatten 1903 im LVA-Gebäude in der Friedrichstadt eine Wohnung bezogen. „Manchmal denke ich schon, ich bin bei der LVA geboren“, scherzt die Jubilarin.
Mit dem Sehen und dem Hören hapert es inzwischen, mit dem Gehen auch, aber geistig ist Sofie Bonnen noch voll da. Das verblüfft auch ihre Besucher immer wieder, zum Beispiel Christel Dierdorf: „Sie weiß einfach alles. Wie macht man das nur mit 108?“ Christel Dierdorf ist selbst schon 80 Jahre alt und hat den Besuchsdienst der Antonius-Gemeinde längst abgegeben. Aber bei Sofie Bonnen schaut sie ab und zu noch vorbei. Die beiden Frauen kennen sich seit fünf Jahrzehnten.
Ein bisschen schwierig war es für die Jubilarin dennoch, die vielen Gratulanten auseinanderzuhalten, hatten sich doch außer der Verwandtschaft auch Freunde, Nachbarn, Gemeindemitglieder von St. Antonius und Vertreter der Stadt angesagt. Sofie Bonnen ertrug den Auftrieb gelassen und mit hintergründigem Humor - gefragt, warum sie denn nie geheiratet habe, meinte sie lächelnd: „Ach ja, als ich damals Beamtin wurde, dachte ich mir: Jetzt bist du ja praktisch schon verheiratet. Und wenn ich all die unglücklichen Ehen sehe, denke ich: Hast du ganz richtig gemacht.“
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