Spielplätze: Ein Platz für Abenteuer
zuletzt aktualisiert: 06.09.2006 - 12:05Neugierig schaut sich die siebenjährige Hannah um. Überall rennen Kinder mit Werkzeug herum oder schleppen Farbeimer. An der Material-Ausgabestelle hat sich jetzt eine kleine Schlange gebildet. Für die Siebenjährige ist es der erste Besuch auf dem Abenteuerspielplatz Düsseldorf-Eller. Die meisten Kinder, die herkommen, sind regelmäßige Gäste. Eller ist einer von vielen Plätzen in NRW, auf denen Kinder ausgelassen toben können. Vom Rheinland übers Münsterland bis nach Westfalen gibt es kaum eine Stadt, die nicht mindestens einen dieser Plätze zum Spielen hat.
Lange Zeit war es still geworden um die "Bauspielplätze“ wie sie in den 70er Jahren betitelt wurden. Jetzt, wo immer mehr Kinder an Übergewicht leiden und die Freiräume besonders in den Städten für sie immer kleiner werden, erleben diese Spielplätze offenbar eine Renaissance. Doch Rainer Deimel, Bildungsreferent vom bundesweit tätigen ABA-Fachverband - Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen - mit Sitz in Dortmund, hört es nicht gern, wenn man von "Bauspielplätzen“ spricht.
"Abenteuerspielplatz ist der bessere Ausdruck. Das trifft die Sache doch vielmehr. Die Kinder können sich auf den Plätzen frei entfalten. Natürlich wird auch gebaut, aber das ist nur ein Teil des Angebots“, erklärt Deimel. Und tatsächlich findet man auch Ziegen, Schafe, Hasen und Meerschweinchen auf dem Platz in Eller. Andernorts gibt es noch Pferde oder Esel.
Abenteuerspielplätze in Düsseldorf
- Eller, Heidelbergerstr. 46, 40229 Düsseldorf
- Oberkassel, Brüggener Weg 8, 40547 Düssldorf
- Garath, Reinhold-Schneider-Straße, 40595 Düsseldorf
- Mörsenbroich, St. Franziskus-Straße 125, 40470 Düsseldorf
Und wenn es nach Rebekka und Patricia ginge, kämen noch Hunde und Katzen hinzu. Die beiden Elfjährigen gehören zu den Stammgästen. Mit ihren Freunden bauen sie gerade eine Bude um. Wie die Hütte am Ende aber mal aussehen soll, darüber machen sich die Jungs und Mädchen weniger Gedanken. "Das kommt schon“, meint Rebekka.
Freiraum für Kinderfantasien und Platz für Bewegung werden nach Feststellung von Pädagogen wieder Thema. "Auf einem Abenteuerspielplatz können die Kinder eine ganze Menge durch Erfahrung lernen“, ist Deimel überzeugt. "Wie sollen Kinder lernen zu fallen, wenn sie nie fallen dürfen? Oder wie sollen sie wissen, dass Feuer heiß und gefährlich werden kann, wenn man sie nicht ihre eigenen Erfahrungen in einem gewissen Rahmen machen lässt?“, fragt er.
Solche Ansätze lassen natürlich so manche besorgte Eltern aufhorchen. Das sei aber völlig unnötig, beruhigt Deimel. "Hier auf dem Platz hat sich noch niemand ernsthaft verletzt, seit ich hier arbeite.“
Dass Toben und vor allem Bewegung gut für die Entwicklung der Kinder ist, bestätigen auch Kinderärzte. "Die Entwicklung eines Kindes erfolgt auf verschiedenen Ebenen, die miteinander verknüpft sind wie zum Beispiel motorische und geistige Fähigkeiten. Wer schlecht balanciert oder rückwärts läuft, kann möglicherweise auch weniger gut räumlich denken“, erklärt die Renate Quarg von der AOK Rheinland.
Hinzu kommt, dass der Kreislauf an der frischen Luft angekurbelt wird und so das Immunsystem gestärkt wird. Fragt man die Kinder, was an den Abenteuerspielplätzen so toll ist, kriegt man überall dieselbe Antwort: "Weil wir hier spielen und bauen können wie wir es wollen.“
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