Düsseldorf liest ein Buch: Ein Roman als Stadtgespräch
zuletzt aktualisiert: 18.10.2005 - 14:35Düsseldorf (dto). Mittelpunkt der Aktion "Düsseldorf liest ein Buch" ist diesmal der Roman "Die Brücke vom Goldenen Horn" der Türkin Emine Sevgi Özdamar, die von 1983 bis 2000 am Fürstenwall in Düsseldorf lebte und ihrer Lieblingsstadt in ihren Romanen ein Denkmal gesetzt hat. Bereits zum dritten Mal orientiert sich das Literaturbüro an einem Konzept, das eigentlich aus den USA kommt: In den vergangenen Jahren waren Dieter Forte und Günter Grass Thema des literarischen Stadtgesprächs, diesmal haben sich die Organisatoren erstmalig für eine Frau entschieden.
Ihr Werk "Die Brücke vom Goldenen Horn" war „Book of the Year“ und bekam den Förderpreis des Landes. Das Literaturbüro wirbt in Kneipen und mitten in der Stadt bereits auffällig für die Reihe, in der es unter anderem Marathonlesungen, literarische Straßenbahnfahrten, Vorträge und Diskussionen gibt. Mehr als vier Wochen lang laden Kulturinstitute, die Rheinbahn, die Stadtbibliothek zum Gespräch zur Lektüre von Özdamars Roman.
Bei der Auftaktmatinee am 30. Oktober ab 11 Uhr im Heinrich-Heine-Institut wird Özdamar selbst lesen. Auch am 17. November ab 19.30 Uhr im Theatermuseum und zur Abschlussveranstaltung am 27. November ab 11 Uhr im Schauspielhaus ist die Preisträgerin präsent. Die Veranstalter wünschen sich, dass sich die Menschen der Stadt mit dem Roman auseinandersetzen, am besten auch in Kneipen zusammenkommen, um zu lesen und zu diskutieren. Und genau darum geht es auch bei den Staffellesungen an vielen verschiedenen Orten in Düsseldorf.
Zur Lesung in historischer Straßenbahn lädt die Rheinbahn am 11. November von 19 bis 20.30 Uhr. Dabei folgen die Fahrgäste den Spuren des Romans. Constanze Becker – Schauspielerin am Düsseldorfer Schauspielhaus - liest vor, während die Romankulisse an den Fenstern der Bahn vorbeizieht. Der Eintritt kostet fünf Euro. Karten gibt es in den Kundencentern der Rheinbahn.
Özdamar wurde 1946 im anatolischen Malatya geboren, sie kam als 17-Jährige allein nach Deutschland, arbeitete in Berlin in einer Fabrik. Sie besuchte von 1967 bis 1970 die Schauspielschule in Istanbul. Danach kam sie ein zweites Mal nach Deutschland. Stationen in ihrer Karriere als Schauspielerin: Mitte der siebziger Jahre arbeitete sie an der Volksbühne Ost-Berlin, in Paris und Avignon bei dem Brecht-Schüler Benno Besson. Anschließend (1979 - 1985) war sie Ensemblemitglied des Bochumer Schauspielhauses unter Claus Peymann, in dessen Auftrag sie 1982 ihr erstes Theaterstück ("Karagöz in Alamania" / "Schwarzauge in Deutschland") schrieb. Es wurde 1986 unter ihrer Regie am Frankfurter Schauspielhaus aufgeführt.
Seit 1982 ist Emine Sevgi Özdamar freie Schriftstellerin. Neben ihren Theaterauftritten spielte Özdamar auch in etlichen Filmen mit. Bekannt ist sie unter anderem aus "Yasemin" von Hark Bohm oder aus "Happy Birthday, Türke" von Doris Dörrie. Für ihr schriftstellerisches Werk wurde sie mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der Adelbert-von-Chamisso-Preis (1999) und der Kleist-Preis (2004). 2003 war sie Stadtschreiberin in Bergen-Enkheim. Sie lebt heute in Berlin.
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