Serie "Faszination Fliegen" - Teil 2: Eine Frau schleppt die Riesenjets ab
VON THORSTEN BREITKOPF - zuletzt aktualisiert: 29.03.2012 - 09:30Düsseldorf (RPO). Anke Rieck ist Düsseldorfs jüngste Schlepperfahrerin. Mit ihrem 400 PS starken Spezialfahrzeug bringt sie Flugzeuge auf dem Düsseldorfer Flughafen in ihre Startpositionen. Ist der Jet am Haken, muss der Flugkapitän das Kommando über seinen Flieger an die 25-Jährige abgeben.
Moderne Passagierjets sind fast so schnell wie der Schall, sie schaffen es in 10.000 Meter Höhe und bewegen hunderte Menschen sicher durch die Luft. Doch am Boden angekommen offenbart sich ein eklatantes Problem: Die Düsenflieger können nicht rückwärtsfahren. Das erledigen die Schlepperfahrer.
Düsseldorfs jüngste Schlepperfahrerin ist Anke Rieck. Seit ihrem 21. Lebensjahr bewegt sie die Flugzeuge bei der Lufthansatechnik-Tochter Leos in Düsseldorf. Die heute 25-Jährige studiert Betriebswirtschaft. Um das Studium zu finanzieren, hat sie diesen außergewöhnlichen Teilzeit-Job angenommen.
„Früher hab ich gekellnert. Dann brachten mich Freunde auf die Idee, in der Luftfahrt anzufangen, weil ich so viel reise und mich das Fliegen fasziniert“, sagt Rieck. Stewardess hatte ihr vorgeschwebt. Doch das war mit dem Studium nicht vereinbar. Sechs Monate dauerte die Ausbildung zur Schlepperfahrerin. Heute schiebt die langhaarige blonde Frau riesige Jets über den Düsseldorfer Flughafen.
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Der Tag von Anke Rieck beginnt noch vor sechs in der Frühe. Bei Dienstbeginn erhält sie ein kleines elektronisches Gerät, das an ein Smartphone erinnert. „Wir nennen es Tamagotchi“, sagt Rieck. Dort wird über den Disponenten angezeigt, wo Anke Rieck mit ihrem Schlepper hinfahren muss, welchen Flieger sie wann in welche Position bringen soll.
15 Schlepper sind so ständig parallel auf dem Flugfeld im Einsatz. Ihre Hauptaufgabe ist, die Jets diverser Airlines vom Terminal in die Startposition zu bringen. Push-Back nennen das die Fachleute. 15 Tonnen wiegen die kleinsten Flugzeugschlepper, bis zu 60 Tonnen wiegen die größeren.
Mit gemächlichen fünf Kilometern pro Stunde schieben Rieck und ihr 400-PS-Schlepper die Riesenjets rückwärts in die Startposition. Während die Jets geschoben werden, startet der Pilot schon mal das Triebwerk, im Leerlauf natürlich. Solange die Flieger am Haken des Schleppers sind, ist Anke Rieck die Herrin des Jets. „Ein kleiner Metallstift, der Steering-Pin, verhindert, dass die Hydraulik des Bugrades aus dem Cockpit gesteuert werden kann“, erklärt die Schlepperfahrerin.
Während des Rangiervorgangs muss Rieck äußerst präzise arbeiten. Der Jet muss in einem Rutsch an der richtigen Position sein. Verzögerungen lässt die enge zeitliche Taktung des Flughafens nicht zu. Nach einigen Minuten ist der Job erledigt. Anke Rieck koppelt die Schleppstange wieder vom Bugrad des Fliegers. Den Steering-Pin, der mit einer roten Stoffschlaufe mit der Aufschrift „Remove before Flight“ gekennzeichnet ist, entfernt sie wieder.
Kurz vor dem Start hält sie den Pin f für den Piloten erkennbar in der Hand und gibt mit dem Daumen das Zeichen, dass der Push-Back abgeschlossen ist. Wenige Minuten später ist der Flieger in der Luft und Anke Rieck hat den nächsten Jet am Haken - gearbeitet wird im Zehn-Minuten-Takt.







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