Verkaufsoffener Sonntag: Einkaufsslalom am Bauzaun
VON ALEXANDRA VAN DER VELDEN UND WERNER GABRIEL (FOTOS) - zuletzt aktualisiert: 03.11.2008 - 07:26Düsseldorf (RPO). Der verkaufsoffene Sonntag lockte bei trockenem Wetter Tausende in die Innenstadt. Händler schwärmen von einem Traumtag für den Handel. Und das, obwohl Einkaufen in Zeiten der Mega-Baustellen eine besondere Herausforderung ist. Denn nicht alle Baustellen-Pfade führen zum Ziel.
Es ist ein bisschen wie bei „Verstehen Sie Spaß“, was sich da im Fünf-Minuten-Takt in Kö-Nähe abspielt: Menschenmassen schieben sich über die Ampel und laufen die Theodor-Körner-Straße entlang in Richtung Altstadt. In kleinen Herden traben sie vorbei am „Breidenbacher Hof“ und passieren einen hohen Bauzaun der Wehrhahn-Linie, der die Sicht versperrt. Sie laufen, und laufen – bremsen plötzlich ab, stoppen, fluchen oder lachen, kehren um und gehen wieder zurück in die andere Richtung. „Dumm gelaufen“, sagt Claudia Pauen aus Korschenbroich lachend zu ihrem Mann. „Das ist ja wohl eine Sackgasse.“
Der Weg am Bauzaun vorbei führt die Passanten geradewegs in eine Filiale der Kette „Marco Polo“. Doch das sorgt dort nicht etwa für gute Umsätze. Im Gegenteil: Die Verkäuferinnen haben schon seit Wochen mit verärgerten Menschen zu kämpfen, die sich in die Falle gelockt fühlen. „Manche sind richtig sauer und schimpfen, obwohl wir doch gar nichts dafür können. Andere laufen hier im Laden herum, auf der Suche nach einem Durchgang“, beschreibt Filialleiter Hamdi Iljazi die kuriose Situation. Einkaufen in Düsseldorf – in Zeiten der Mega-Baustellen eine Herausforderung für Kunden und Händler.
Hinter dem Zaun versteckt
Die Mitarbeiter der Bonita-Filiale an der Flinger Straße stellen sich der Herausforderung. An den Bauzaun vor ihrer Tür haben sie ein Schild befestigt. Darauf steht: Auch während der Kanalbauarbeiten sind wir weiter für Sie da! „Bis Freitag waren wir völlig hinter dem Zaun versteckt“, erzählt Verkäuferin Doris Lammert. „Dann haben wir bei der Stadt angerufen, und es wurde ein Zaunelement entfernt.“ Ein kleiner Sieg, der gestern am verkaufsoffenen Sonntag zu guten Umsatzzahlen in dem kleinen Laden beitrug.
Überhaupt schwärmen Sprecher des Einzelhandels von fantastischen Umsätzen. „Unser Haus war auf allen Etagen voll“, sagt Günther Knie, Geschäftsführer des Kaufhofs an der Kö. Nicht nur die ersten Weihnachtsgeschenke seien über die Theke gegangen, sondern auch die Lebensmittelabteilung habe gut verkauft. „Das verdanken wir natürlich dem Feiertag.“ Dirk Henckel von „Saturn“ registrierte so viele Kunden wie sonst an einem Samstag in der Vorweihnachtszeit: „Ein Riesenerfolg.“
Auf der Kreuzung Heinrich-Heine-Allee stehen die Passanten mitten auf der Straße, denn der viel zu schmale Baustellen-Überweg ist dem Ansturm der Kaufwütigen nicht gewachsen. Gegen 15.30 Uhr muss die Polizei in diesem Bereich kurzfristig alles dicht machen und die Autos in Richtung Rhein ableiten, so voll ist die Stadt. Durch die Fußgängerzone Schadowstraße laufen die Kunden um etliche orangene Bauzäune herum Slalom.
Helene Rudel hat den Zäunen einen nützlichen Aspekt abgewonnen und ihre Einkaufstüte drangehängt, während sie eine Pause einlegt. „Mit dem Kinderwagen ist es besonders nervig, die Baustellen zu umfahren“, erzählt die Mutter, während Töchterchen Lina-Maria im Wagen schlummert. An der Kreuzung Schadow- / Gustaf-Gründgens-Platz ist es besonders unübersichtlich. „Ich habe das Geschäft ,Weingarten‘ von Weitem gesehen, wusste aber nicht, wie ich hinkommen sollte“, erzählt Dirk Terbeck, der zum Einkaufen extra aus Oberhausen gekommen ist.
„Strauss“ an der Schadowstraße ist nur noch über eine kleine Brücke zu erreichen, die über eine Grube führt. Baumaschinen stehen vor der Tür, doch das schreckt die Kunden nicht: Die Kassen-Schlange reicht trotzdem bis zur Eingangstür. Wer wirklich einkaufen möchte, lässt sich eben durch nichts abschrecken.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





