Ausstellung im Meilenwerk: Elbers zeigt sein Führerschein-Foto
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 20.04.2009 - 07:46Düsseldorf (RPO). Eine Ausstellung im Meilenwerk widmet sich der Historie des Führerscheins, der am 3. Mai vor 100 Jahren deutschlandweit eingeführt worden ist. NRW-Minister Lutz Lienenkämper und OB Dirk Elbers ließen am Rande der Eröffnung auf ihre Fahrlizenz blicken.
Frauen und Fahrzeuge – das löste bei Männern offenbar schon immer Vorurteile und große Sorgen aus: "Aufgrund meiner fünfzigjährigen Praxis erkläre ich die seit zwei Jahren aufkommende Radfahrmanie der Damen schlechthin für Massenselbstmord", warnte 1896 ein gewisser Dr. med. Warmwickler.
Damals brauchte es eine so genannte Velociped-Karte, bevor man aufs Zweirad steigen durfte. Sie war quasi Vorläufer des Führerscheins, der wurde offiziell erst am 3. Mai 1909 eingeführt wurde. Eine originale Radfahrkarte ist auch zu sehen in der Ausstellung "100 Jahre Führerschein", die am Wochenende im "Oldtimer-Kaufhaus" Meilenwerk (Harffstraße 110 a) eröffnet wurde und bis Ende Mai läuft.
Nur mit Zustimmung des Gatten
Ein kaiserliches Gesetz ersetzte 1909 die Varianten-Vielfalt bei Ausweisen in den Königreichen und Herzogtümern des Deutschen Reichs, die teils gegenseitig nicht einmal anerkannt wurden.
Frauen jedoch erhielten zwar bereits 1919 das Wahlrecht, durften aber bis 1958 nur die Führerschein-Prüfung machen, wenn zuvor ihr Ehemann zustimmte. "Das waren noch Zeiten, oder? Da konnte man noch ruhig fahren", witzelte OB Dirk Elbers bei der Eröffnung der Schau mit der Bitte an seine Frau Astrid, mal eben wegzuhören. Elbers hat seinen Führerschein am 28. Dezember 1977 gemacht, kurz nach seinem 18. Geburtstag. Seine größte Schwäche? "Das Linksabbiegen."
Auch der neue NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper erlaubte einen Blick auf seine Fahrlizenz, ausgestellt 1987 in Neuss. "An meine Fahrschulzeit erinnere ich mich mit großer Freude", so der 39-Jährige. Gerne setzte er sich deshalb in den Oldtimer von Helmut "Kasi" Kasimirowicz, einen Dixi aus dem Jahr 1928, an dessen Seite ein Aufkleber "Fahrschule" prangt.
Die Theorie-Prüfung per Computer, bei der die Besucher der Schau ihr Verkehrs-Wissen testen können, traute sich der Minister aber nicht noch einmal zu. Führerscheinanwärter scheitern daran mehr als an der Praxis, weiß Gerd Mylius vom Tüv Rheinland: "27,8 Prozent fallen bei der Theorie durch, 24 Prozent bei der praktischen Prüfung."
Ali Noell, Erfinder der Sendung "Der 7. Sinn", die fast vier Jahrzehnte den Deutschen richtiges Verhalten im Verkehr vermittelte, hat beobachtet, dass damals wie heute Unter-25-Jährige die meisten Unfälle verursachen: "Diese Gruppe stellt ein Drittel aller Führerschein-Inhaber, verursacht aber zwei Drittel aller Unfälle." Lienenkämper hält deshalb das Projekt "Führerschein ab 17", bei dem Jugendliche ein Jahr lang im Beisein einer erwachsenen Begleitperson Fahrerfahrung sammeln, für richtig.
Chauffeur- und Autolenkscheine, Droschkenfahrscheine, Lizenzen aus den unterschiedlichen Besatzungszonen nach dem Zweiten Weltkrieg und aus der DDR, Parkuhren, Fahrschul-Inventar sind in der Schau der Sachverständigenorganisation FSP (Partner Tüv Rheinland) und des Fahrlehrerverbands Rheinland zu sehen. Sie basiert auf der Sammlung des Technik-Archivs Hahn aus Korschenbroich, aber auch private Sammler stellten Exponate zur Verfügung. Dabei entstand eine Reise durch die politische und gesellschaftliche Historie Deutschlands.
Skurrilitäten inklusive: So erfährt der Besucher, dass der Chauffeur des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., Karl Krieger, nie in Besitz eines "echten" Führerscheins war – er hatte schlicht verpasst, seine "Lenkbefähigung" von 1903 fristgerecht gegen den Einheitsführerschein zu tauschen.
Oder ein Führerschein aus der sowjetischen Besatzungszone, den der Mönchengladbacher Hans Grünwald, Sammler von DDR-Utensilien, beigetragen hat. Dessen Inhaber wird als Polizeibeamter "im Dienste der Gemeinde Hellerau" ausgewiesen "und ist zu Arbeiten nicht heranzuziehen. Sein Fahrrad ist ihm zu belassen".
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