Gesamtschulen: Eltern fordern zu Klagen auf
VON GÖKÇEN STENZEL - zuletzt aktualisiert: 15.12.2009 - 07:27Düsseldorf (RPO). Organisierte Elternvertreter aus Stadt und Land haben Montag weitere Proteste gegen die Verkleinerung von zwei Düsseldorfer Gesamtschulen angekündigt.
Die Schulpflegschaften der betroffenen Schulen sprachen von einer "beispiellosen Missachtung des Elternwillens" in der Landeshauptstadt: "Schon jetzt müssen jedes Jahr 250 Kinder, die gerne auf die Gesamtschule gehen würden, abgelehnt werden", sagt Ute Neuhaus, Vorsitzende der Schulpflegschaft der Heinrich-Heine-Gesamtschule. "Es ist uns völlig unverständlich, warum eine derart nachgefragte Schulform künstlich beschnitten werden soll."
Damit ist der gefürchtete ideologische Streit um die Schulform Gesamtschule voll entbrannt.
Der Schulausschuss hatte im November beschlossen, die Heine-Gesamtschule und die Dieter-Forte-Gesamtschule von heute sechs Eingangsklassen auf jeweils vier zu reduzieren. Die Folge: Weitere 120 Schüler müssten abgelehnt werden. Der Stadtrat muss den Beschluss, der mit CDU/FDP-Mehrheit gefasst wurde, noch bestätigen. Erst danach würde sich die zuständige Bezirksregierung äußern. Eine Sprecherin erklärte auf Anfrage gestern, die Bezirksregierung warte auf die Beschlüsse und ausführlichen Unterlagen der Stadt, um auf deren Grundlage eine Entscheidung zu treffen. Eine grundsätzliche Haltung zur Verkleinerung von Schulen gebe es aber nicht.
"Die Zahlen in Düsseldorf", sagte Werner Kerski von der Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule NRW gestern vor Journalisten, "gäben es eher her, eine fünfte Gesamtschule zu eröffnen." Immer mehr wollten ihrem Kind alle Entwicklungsmöglichkeiten und schulischen Abschlüsse offenhalten, und obwohl die meisten Fünftklässler an Gesamtschulen mit einer Hauptschul-Empfehlung kämen, würden 36 Prozent eines Jahrgangs zum Abitur geführt. Kerski: "Wir empfehlen Eltern, die aufgrund der Schulverkleinerung keinen Platz an einer Gesamtschule bekommen, zu klagen." Die Klagen hätten gute Aussicht auf Erfolg.
CDU und FDP im Schulausschuss argumentieren anders. Ihrer Meinung nach sind die Gesamtschulen verkappte Hauptschulen, weil so gut wie kein Kind mit Gymnasial-Empfehlung zur Gesamtschule geht. "Es ist schlicht gelogen, wenn die Schulleiter den Eltern gegenüber behaupten, dass die schwächeren Kinder von den stärkeren mitgezogen werden", so Sylvia Pantel (CDU). Das zeige die Zusammensetzung der Eingangsklassen. So viele Abiturienten, wie die Gesamtschulen insgesamt hervorbrächten – um 400 jährlich – würden auch vom Abendgymnasium (390) und vom Riehlkolleg (350) im Jahr erreicht.
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