Solidarität mit den Erzieherinnen: Eltern haben Verständnis für Streik
VON GESA EVERS UND JAN DREBES - zuletzt aktualisiert: 20.02.2008 - 08:17Düsseldorf (RPO). Obwohl die Arbeitsniederlegungen manche berufstätigen Eltern in Zeitnot brachten, zeigten sich viele solidarisch mit den Erzieherinnen. Für ihren Einsatz, so der Tenor, erhielten sie zu wenig Geld. Allerdings beteiligte sich laut Stadt die Hälfte der 106 kommunalen Kitas nicht an der Aktion.
Kai Hofmann hatte einen hektischen Vormittag. Der Leiter einer Elektrofirma hastete erst ins Büro, um wenige Stunden später wieder ins Auto zu steigen, weil er seine Töchter von der Kita Stürzelberger Straße in Lörick abholen musste. Grund war der Warnstreik der Gewerkschaft Verdi. Bis 13 Uhr, so die Bitte der Einrichtung an die Eltern, sollten sie ihre Sprösslinge einsammeln. „Für mich bedeutet das natürlich ein ziemliches Hin-und Her-Hetzen“, gab der Familienvater zu. Seine Frau konnte nicht einspringen, sie ist selbst berufstätig. Also musste er selbst Lia (5) und Linn (3) mit ins Büro nehmen. „Mal sehen, wie ich sie den ganzen Nachmittag beschäftige“, sagte er.
Obwohl er persönlich erheblich davon betroffen war, zeigte Hofmann Verständnis für den Streik. „Ich kann das nachvollziehen. Die Mitarbeiterinnen der Kitas werden wirklich nicht gut bezahlt“, findet er - und war sich darin mit den meisten Eltern einig. „Ich kenne die Gehaltstabellen. Was Erzieherinnen an Gehalt bekommen, deckt sich nicht mit dem, was sie täglich leisten“, sagte Brigitta Beyer, Juristin und Mutter von drei Kindern. Dass sie Zeit hatte, ihren Nachwuchs abzuholen, war allerdings reiner Zufall. „Zum Glück konnte ich es heute einrichten. Die verpassten Stunden muss ich aber selbstverständlich nacharbeiten.“ Immerhin hatten Verdi und auch die Kitas die Eltern eine Woche vorher über ihre Streikpläne informiert. Auch der Koch Volker Hildebrecht konnte seinen Herd im Haus Lörick verlassen, um Tochter Julia(5) abzuholen, und auch er findet es grundsätzlich richtig, dass die Kita-Mitarbeiterinnen und ihre wenigen männlichen Kollegen für mehr Gehalt auf die Straße gehen. Aber: „Irgendwer muss das ja auch bezahlen. Da sind wieder wir Steuerzahler dran“, gab er zu bedenken.
Überwiegend fühlen sich die Streikteilnehmer von den Eltern aber unterstützt. „Die meisten haben gesagt: Kämpfen Sie für ihr Recht“, erzählt Susanne Lohsen stolz, Leiterin der Kita Stürzelberger Straße. Das Angebot der Arbeitnehmer, vorerst für zwei Jahre fünf Prozent mehr Lohn zu bekommen, sei einfach nicht hinnehmbar. Jürgen Mertin von Verdi Düsseldorf, der acht Prozent fordert, weiß auch, warum: „Die Arbeitszeit soll gleichzeitig auf 40 Wochenstunden erhöht werden. Außerdem ist ein Teil dieser Erhöhung für Bonuszahlungen bestimmt. Wie will man die bei Erzieherinnen festlegen?“ Am Ende hätten die Betroffenen kaum mehr in der Tasche. Sybille Berg, seit 25Jahren Erzieherin, ist frustriert. „Ich arbeite inzwischen Teilzeit. Doch selbst mit einer vollen Stelle wären wir auf das Gehalt meines Mannes angewiesen, um das Studium unserer Tochter zu bezahlen.“ „Eine Mogelpackung“, findet auch Antje Kahnt, die ihre Tochter Greta mittags von der Kita Klosterstraße abholte. „Für das Geld möchte ich den Job nicht machen müssen.“
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