Rund 100 Eltern - vor allem Mütter mit ihren Kindern - haben sich am Dienstag vor dem Düsseldorfer Rathaus getroffen, um ihren Unmut kund zu tun.
Irina Müller, berufstätige Mutter zweier kleiner Jungs, zeigt einen offenen Brief, den die Eltern einer Kindertagesstätte in Lörick an Oberbürgermeister Dirk Elbers geschrieben haben.
Eltern und Erzieher sind sich darüber einig, wie wichtig die Arbeit mit den Kindern ist.
Katrin Wollenweber ist berufstätig und bringt den vierjährigen Lennox bei Kita-Streiks vormittags zum Notdienst. "Dort will ich ihn allerdings nicht so lange lassen und betreue ihn nachmittags zuhause. Dafür muss ich jetzt teilweise auch nachts noch arbeiten", sagt die selbstständige Architektin.
Die Eltern erhofften sich vor allem Unterstützung durch den Düsseldorfer Oberbürgermeister Dirk Elbers.
Andrea Ölscher hat den Protest vor dem Rathaus organisiert, rund 100 Eltern sind ihrem Aufruf gefolgt. "So geht es einfach nicht mehr weiter, wir sind mit den Nerven am Ende und richtig sauer", sagt die zweifache Mutter, "die Kinder werden rumgeschubst von Oma, zum Notdienst, zum Kindergarten - die wissen gar nicht mehr, was los ist."
Vor dem Rathaus unterschrieben die Eltern einen Brief an Oberbürgermeister Dirk Elbers.
Nese Steinberg ist aktiv im Elternrat einer Kindertagesstätte in Lörick: "Ich habe absolut Verständnis für die Erzieher, aber der Streik wird auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Der Verband der kommunalen Arbeitgeber soll endlich einlenken und den berechtigten Forderungen der Erzieher nachgeben!"
Viele Mütter haben ihre Kinder mit zur Demonstration gebracht. "Wir wissen ja sowieso nicht, wo wir die Kinder hinbringen sollen."
Gitta Kleinberger kam mit Sohn Leonard. Sie steht dem Streik der Erzieher äußerst kritisch gegenüber. "Dieser Streik geht an die Psyche der Kinder und die Belastungsgrenzen der Eltern. Bei einigen steht sogar die wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel." Natürlich habe sie Verständnis für die Erzieher, wünscht sich das aber umgekehrt genauso.
"Wohin mit unseren Kinder?", fragten die Eltern.
Nicole Loum (links) und Verena Wiltzer mit Anne-Marie (18 Monate) und dem sechsjährigen Niklas. "Ich bin zwar gerade in der Elternzeit, aber trotzdem macht mir der Streik zu schaffen", berichtet Verena Wiltzer, "Vor allem meine Tochter leidet unter dem Streik, weil sie gerade mitten in der Eingewöhnungsphase ist."
Viele Eltern kritisieren, dass Konzerne immense Staatshilfen bekommen, während für Kinderbetreuung und -förderung kein Geld da ist.
Hatije Arisoy-Abuliyan ist mit ihrer vierjährigen Tochter Zeynep vor das Rathaus gekommen. "Es ist mir wichtig, dass sie in den Kindergarten geht! Ich mache gerade auch einen Deutsch-Kurs, aber im Kindergarten, lernt meine Tochter die Sprache besser. Außerdem hat sie dort ihre Freunde."
"Es reicht!", war der Tenor der Eltern-Demo.
Um 11:20 kamen auch die rund 500 streikenden Erzieher nach einem Protestzug durch die Innenstadt vor dem Rathaus an.
Eltern und Erzieher forderten die kommunalen Arbeitgeber gemeinsam auf, einzulenken.
Einzelförderung, unbesetzte Stellen auffangen, Elterngespräche, Sprachförderung.. Die Anforderungen an die Erzieher sind seit Einführung des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) stark gestiegen.
Nach Angaben der Polizei haben insgesamt rund 600 Personen an der Demonstration vor dem Rathaus teilgenommen.