Kinderbetreuung: Eltern warten auf Rechnungen
VON JENNIFER KOCH - zuletzt aktualisiert: 10.09.2010 - 07:43Düsseldorf (RPO). Für die Betreuung in einer Kindertagespflege müssen Eltern an das Jugendamt Beiträge zahlen. Doch die Bescheide lassen auf sich warten. Für viele Eltern ist das ärgerlich: Sie befürchten hohe Nachzahlungen.
Seit sechs Monaten wird die Tochter von Anja Corsten von einer Tagesmutter betreut. Vermittelt wurde dieser Betreuungsplatz vom Jugendamt, und eigentlich müsste dieses auch den Elternbeitrag, der dafür gezahlt werden muss, einfordern. Aber seit Anfang des Jahres wartet die Mutter auf eine Rechnung oder einen Bescheid. "Wir haben bisher überhaupt noch keine Information bekommen", erklärt Corsten, "auch nicht darüber, welche Unterlagen wir für die Berechnung überhaupt einsenden müssen."
Jugendamtsleiter Johannes Horn sieht dies als einen Einzelfall, der zudem auf eine sehr erfreuliche Entwicklung hinweist: "Wir hatten in der Vergangenheit immer 500 bis 600 Anträge zu bearbeiten, mittlerweile sind es rund 1200", erklärt Horn. Der Grund: Es gibt immer mehr Betreuungsplätze für unter Dreijährige in der Stadt.
Auf die höheren Anforderungen habe die Stadt bereits reagiert. "Wir haben das Personal zur Bearbeitung der Fälle aufgestockt, mittlerweile kümmern sich drei Mitarbeiter darum, bisher hatten wir dafür nur eine bis anderthalb Stellen." Engpässe seien daher in den vergangenen Monaten entstanden, würden aber bereits abgearbeitet. "Die Eltern müssten in den nächsten Wochen die Bescheide bekommen."
Dann muss Anja Corsten allerdings auf einen Schlag eine hohe Summe zahlen. Rund 450 Euro müssten für die bisherige Betreuung anfallen. Tochter Marlene wird zwölf Stunden pro Woche betreut, Corsten müsste daher monatlich 75 Euro zahlen – das weiß sie nur, weil sie sich selbst im Internet über die üblichen Elternbeiträge informiert hat. Einen Kontakt zur Stadt gab es nicht. "Die einzige Person, die sich bisher bei uns gemeldet hat, war die Tagesmutter selbst."
Bei einer anderen Mutter sind es sogar bereits mehrere tausend Euro, die für den Betreuungsplatz ihres Kindes ausstehen. "Ich müsste für 35 Stunden Betreuung pro Woche im Monat 375 Euro bezahlen", sagt sie. Um sicher zu gehen, dass das Geld zur Verfügung steht, wenn es irgendwann eingefordert wird, hat die Frau extra ein Tagegeld-Konto bei ihrer Bank eingerichtet.
Christopher Weber, dessen Sohn ebenfalls seit Monaten von einer Tagesmutter betreut wird, ist in einer ähnlichen Situation. "Wir warten darauf, dass die Beiträge abgebucht werden. Das heißt, wir müssen jeden Monate 150 Euro auf dem Girokonto vorhalten", beschwert sich der Vater, der das Verhalten der Stadt nicht verstehen kann. "Einerseits entgehen der Stadt und damit allen Steuerzahlern Zinsgewinne, und zum anderen wird es für den individuellen Gebührenzahlern schwieriger, seine finanzielle Situation zu überblicken."
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