Oberfinanzdirektion versteigert Autos: Ende eines Dienstwagens
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 08.02.2007 - 08:49Düsseldorf (RPO). An der Färberstraße haben sie ausgedient: Autos vom Förster, Motorräder der Polizei, Transporter des Gefängnises und sogar Kehrmaschinen aus Landeseigentum werden dort jeden Monat von der Oberfinanzdirektion versteigert. Manchmal waren die Vorbesitzer auch Verbrecher.
Von Klaus K. kann man unbesehen Gebrauchtwagen kaufen. Der Mann ist Beamter bei der Oberfinanzdirektion, und wenn er Fahrzeuge aus Landesbeständen versteigert, ist er absolut ehrlich.
„Wenn für ein Fahrzeug Mängel genannt sind, heißt das nicht, dass es sonst mängelfrei ist“, sagt er zum Beispiel. Und ruft einen BMW 318i zum Mindestgebot 100 Euro auf. Die Vorderfront des Autos ist ein verformter Haufen Blech. Auf dem Zettel am Seitenfenster steht korrekt: „Bekannte Unfallschäden: Ja“. Bei „Kilometerstand“ ist ein Strich. Vermutlich, weil vom Motor nicht viel übrig ist. 24 Gebote werden abgegeben - für 1300 Euro wird aus dem Wrack ein Ersatzteillager.
Vor allem Autohändler und -bastler drängen sich in der Wagenhalle der Oberfinanzdirektion an der Färberstraße. Private Interessenten gibt es auch. Wie den Oldtimer-Freund, der eigens wegen des Opel Admiral gekommen ist. In dem goldfarbenen Wagen, Baujahr 1973, hängt eine Miniaturenbibliothek überm Handschuhfach: Wörterbücher für Spanisch, Englisch und Plattdeutsch. Und Goethes Italienische Reise. Als Vorbesitzer ist der WDR verzeichnet. „Ein altes Filmauto“, sagt Auktionator K. Als er bei 3800 Euro dem Oldie-Fan den Zuschlag erteilt, gibt’s sogar Applaus.
Der WDR als Landesbetrieb lässt nicht nur Requisiten hier versteigern: Auch ein ausgedienter Ü-Wagen und ein paar Reportage-Autos sind im Angebot. Ein schwarzer Carrera-Porsche hat nie im Dienste einer Landesbehörde gestanden. Gerade mal 87000 Kilometer ist er in den acht Jahren seit seiner Erstzulassung gefahren. Womöglich war sein letzter Besitzer seit einiger Zeit verhindert: Das Landgericht Aachen hat das Fahrzeug eingezogen. Die 30000Euro, die es bei der Versteigerung erzielt, überweist die OFD ans Justizministerium.
Dorthin geht auch das Geld für einen schwarzen 500er Mercedes, für den nicht einmal Papiere existieren. Zwei junge Männer ersteigern ihn für 13900 Euro. Warum die Staatsanwaltschaft ihn beschlagnahmt hatte, interessiert sie nicht. Bloß, ob man in das Modell auch schicke Xenon-Scheinwerfer einbauen darf.
Knapp 100 Autos ruft Auktionator K. jeden Monat auf. Kombis und Transporter aus Beständen von Forstverwaltung oder Gefängnis sind besonders beliebt, und um jeden Golf III entbrennen Bieterschlachten, die um 3000 Euro enden. Bloß eine Kehrmaschine (von dreien) blieb gestern übrig.
Richtig glücklich ist Erni aus Krefeld. Fünf Mal hat sie bei Versteigerungen Pech gehabt - jetzt hat sie endlich ein Polizei-Motorrad - für 1150 Euro. „Das bleibt grün-weiß und wird Pol-Ente heißen.“
Sogar ein Mini-Motorrad, ein so genanntes Pocket-Bike, bringt Klaus K. an den Mann. Die Polizei Düsseldorf hat’s eingezogen, weil es in Deutschland nicht zugelassen wird. Vielleicht taucht es aus demselben Grund ja demnächst wieder in der Versteigerung auf.
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