Amoklauf in Winnenden: Entsetzen nach Unglück
VON GÖKCEN STENZEL UND ANNA HARTNACK - zuletzt aktualisiert: 11.03.2009 - 19:26Mit Fassungslosigkeit und Angst haben Schüler und Lehrer auf die Bluttat von Winnenden reagiert. Sicherheitsdienste an Düsseldorfer Schulen hält Schuldezernent Hintzsche für nutzlos: „Wir setzen auf Vorsorge.”
Fassungslosigkeit und Entsetzen nach dem Amoklauf von Winnenden: Nachdem ein 17-Jähriger Mittwoch in dem Ort bei Stuttgart 15 Menschen und sich selbst tötete, haben in Düsseldorf Schüler und Lehrer Befürchtungen geäußert. „Da bekommt man schon Angst”, sagt Petra Steudel, Leiterin der Realschule Golzheim und Sprecherin der Realschul-Leiter. „Wir wissen nicht, was in den Köpfen vorgeht, und gerade Lehrer verkünden ja nicht immer nur Angenehmes.”
Steudel kann sich vorstellen, dass über „Zugangskontrollen in Schulen neu nachgedacht werden muss”, wie sie sagt; Videoüberwachung hält sie für untauglich. Die Rektorin und ihr Kollegium werden jetzt zunächst an einer der Schulungen teilnehmen, die der Schulpsychologische Dienst gemeinsam mit der Polizei anbietet. Düsseldorf hat mit 17 Schulpsychologen weit mehr Experten auf dem Gebiet als üblich: Landesweit kommen 10.800 Schüler auf einen Psychologen, in der Stadt sind es 1480. Eine Stelle ist eigens eingerichtet worden, um Schulen bei der Bildung von Krisen-Teams zu unterstützen und zu erklären, woran ein potenzieller Gewalttäter erkennbar sein kann. „Wir setzen auf Aufklärung und Vorsorge”, so Schuldezernent Burkhard Hintzsche. „An den Schulungen haben bisher 300 Lehrer teilgenommen, das zeigt den hohen Informationsbedarf.” Wach- und Sicherheitsdienste an Schulen hält Hintzsche für relativ nutzlos.
Notfallpläne, Anweisungen
Einer der 300 Schulungs-Teilnehmer ist Stefan Göbel, Konrektor des Riehl-Weiterbildungskollegs. Vor zwei Wochen hatten er und seine Kollegen die Schulung, bei der Experten der Polizei in die Schule kommen. „Wir haben Notfallpläne und Handlungsanweisungen an die Hand bekommen, fühlen uns gerüstet”, so Göbel. „Ein so tragisches Ereignis gibt dem Ganzen natürlich eine schreckliche Aktualität.”
Kai Inboden von der Landesschülervertretung hält den Düsseldorfer Weg der Vorsorge für richtig und denkt, dass Sicherheitstrakte in Schulen „nur noch mehr Angst machen”, wie er sagt. Das sieht Florian Falk aus dem Jugendrat zwar ähnlich, er befürchtet dennoch, dass die Schulen zu Hochsicherheitstrakten hochgerüstet werden könnten: „Ich hoffe, dass das nicht passiert, aber die Angst, die jetzt umgeht, ist verständlich.”
Der Jugendrat wird in seiner Sitzung Donnerstagabend über die Bluttat sprechen. Angst und die drängende Frage nach dem Warum bestimmte auch viele Debatten unter Schülern, die die Nachricht gestern in den Schulen erreichte. Anna-Lena (11) besucht die Realschule Benrath. „Ich habe schon Angst, dass das auch bei uns passiert”, sagt die Schülerin. „Es erschreckt mich.” Vor allem deshalb, weil es keine Warnung gab.
Ältere Schüler sind weniger verunsichert, fragen nach Gründen wie Bianca Sinstedten, die das Erzbischöfliche Schulkolleg Neuss besucht. Hai Nguyen (18) sieht das ähnlich. „Ich glaube nicht, dass an meiner Schule solche Leute sind.”
Lesen Sie hier mehr zum Amoklauf von Winnenden.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




