Messe, Jonges und Städtetag: Erwin und die vielen Posten
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 26.05.2008 - 08:31Düsseldorf (RPO). Der verstorbene Oberbürgermeister war unermüdlich im Einsatz für die Stadt. Dazu gehörten auch etliche Sitzungen, nicht nur in politischen Gremien wie dem Stadtrat, sondern auch in Aufsichts- und Verwaltungsräten. Hinzu kamen Dutzende Ehrenmitgliedschaften in Sport und Brauchtum.
Ob in den Kondolenzbüchern, in Traueranzeigen oder in Briefen ans Rathaus - immer wieder wird höchster Respekt formuliert für den unermüdlichen Einsatz des verstorbenen Oberbürgermeisters Joachim Erwin für Düsseldorf. Sogar jene, die nicht gut mit ihm konnten, bescheinigen Erwin, trotz seiner schweren Krankheit den Job eines Top-Managers geleistet zu haben. Und das bei einem vergleichsweise geringen Gehalt: 10815 Euro im Monat.
Auslandsreisen, das Leiten von Stadtrat und Verwaltung, das Repräsentieren waren das eine. Viel Arbeit lief jedoch hinter den Kulissen: Erwin war Mitglied in Dutzenden Aufsichts- und Verwaltungsräten, oft als Vorsitzender. Er war darüber hinaus Ehrenmitglied in sämtlichen Vereinen des Sommer- wie Winterbrauchtums, in Stiftungen, Kuratorien und Verbänden. Selbstverständlich auch in seiner Partei, der CDU, in der er als Ehrenvorsitzender zum Vorstand gehörte, und in der Jungen Union.
Derzeit wird in der Verwaltung daran gefeilt, wie die Arbeit in den Aufsichts- und Verwaltungsräten aufgeteilt wird zwischen Stadtdirektor Helmut Rattenhuber und den anderen Dezernenten. Aber auch Dirk Elbers, als Erster Bürgermeister Erwins politischer Vertreter, wird vermutlich einige - und zwar die politischen - Posten besetzen müssen. In manchen Fällen muss das zügig geschehen: Etwa beim Verwaltungsrat der Stadtsparkasse, wo es derzeit nicht nur darum geht, den Skandal um die Kredite an Franjo Pooth aufzuklären, sondern das Geldinstitut auch für die Zukunft wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.
In welchem Gremium Erwin warum saß, ist kompliziert aufzuschlüsseln. Meistens war es qua Amt, aber eben nicht immer. Da die Gemeindeordnung den hauptamtlichen Oberbürgermeister quasi als „Zwitter“ definiert - als Vorsitzenden des Stadtrats mit politischer Funktion, als Chef der Stadtverwaltung mit der Rolle eines Hauptverwaltungsbeamten - gab es für Erwin in der Regel zwei Wege, in Kontrollgremien zu kommen: als Vertreter der Stadt oder als (politisch) Gewählter. Bei Unternehmen, die zu den städtischen Töchtern zählen oder an denen die Stadt beteiligt ist, ist ein Vertreter des Rathauses im Aufsichtsrat Pflicht - so etwa bei der Messe Düsseldorf, dem Flughafen, aber auch bei den Stadtwerken, an denen die Stadt nur noch eine Minderheit hält.
Erwin konnte als Vertreter der Stadt in solche Gremien rücken, aber beispielsweise auch Stadtdirektor Helmut Rattenhuber als seinen Stellvertreter dafür bestellen und sich zusätzlich vom Rat hinein wählen lassen. Wichtig waren Erwin vor allem jene Gremien, in denen er entscheidende Weichen stellen konnte. Es gab auch welche, die ihn nicht besonders interessierten: Im Aufsichtsrat der Rheinbahn etwa war Erwin nicht, sondern nur Rattenhuber.
Die Liste der zahlreichen Aufsichtsratsposten (siehe Artikel unten) enthält jedoch auch Beispiele, die auf Freiwilligkeit beruhten, allen voran der Aufsichtsrat der Fortuna. Der war erst 2002 gegründet worden, Joachim Erwin war von Beginn an nicht nur Mitglied (erst zuletzt am 30. April war er wiedergewählt worden), sondern auch Vorsitzender des Gremiums, was er in wenigen Wochen mit Sicherheit erneut geworden wäre. Sein Amt brachte nicht automatisch mit sich, dass Erwin auch Vorsitzender der meisten Kontrollgremien. In der Regel wählen die Mitglieder den Kopf des Aufsichtsrats aus ihrer Mitte.
Darüber hinaus gab es auch Posten, auf die Erwin zwar wegen seines Amts, aber in dieser Funktion auch wegen seiner Persönlichkeit gewählt wurde. Das Beispiel, worauf Erwin stets besonders stolz war, dass er zweimal zum stellvertretender Präsidenten des Deutschen Städtetags gewählt wurde - womit Erwin Stellvertreter seines Münchner Amtskollegen Christian Ude (SPD) war.
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