Viel Zuspruch von den Passanten: Mit einer ungewöhnlichen Aktion in der Düsseldorfer Altstadt haben die Erzieher auf ihre Situation aufmerksam gemacht.
Unter dem Motto "Wir wollen keine kleinen Brötchen backen" verteilten die Streikenden am Mittwochmorgen rund 1000 Brötchen und Zeitungen.
Erzieherin Christina Gutsche verteilte kräftig mit. "Die Reaktionen sind überwiegend positiv. Ich kann nur nicht verstehen, wenn gerade Eltern mit kleinen Kindern sich überhaupt nicht für die Problematik interessieren."
Rund 400 Erzieher, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter waren auch am Mittwoch wieder der Streikaufforderung gefolgt und versammelten sich ab 8 Uhr im Kolpinghaus an der Bilker Straße.
Von dort aus brachen dann gegen 10:30 Uhr 100 Erzieher in vier Gruppen auf in die Altstadt, verteilten Zeitungen und Brötchen.
Im Gespräch mit betroffenen Eltern: Die meisten zeigten Verständnis für die Situation der Erzieher und bestärkten sie in ihrem Vorhaben.
Gustav Wilden, Geschäftsführer von Verdi Düsseldorf: "Mit dem Slogan 'Wir wollen keine kleinen Brötchen backen' stehen wir selbstbewusst für unsere Forderungen ein."
"Und wer fördert sie?" Mit einer Extra-Ausgabe der Verdi-Zeitung Publik wollte die Gewerkschaft auf die Arbeitsbedingungen in den Sozialberufen aufmerksam machen.
Ute Lenzerost arbeitet seit 34 Jahren als Erzieherin und findet den direkten Kontakt mit den Passanten besonders wichtig. "Man muss mit Fakten kommen und den Leuten erklären, worum es eigentlich geht. Selbst die Eltern in unserer Einrichtung wissen manchmal nicht, wie sehr wir unter der ständigen Überbelastung leiden."
Die Streikenden trafen sich am Mittwochmorgen im Kolpinghaus an der Bilker Straße.
"Die Gesamtproblematik wird nicht wahrgenommen", sagt Erzieherin Melanie Behr verärgert. "Es geht nicht einfach nur um die kleinen Stühle. Wir haben so viele neue Aufgaben bekommen und das ohne Personal- oder Lohnausgleich. Letztendlich wird das ja auch auf dem Rücken der Kinder ausgetragen."
Ob direkt an Passanten abgegeben, in Briefkästen geworfen oder an Autoscheiben geklemmt: Die Streikenden verteilten die Zeitungen wo immer es ging.
Viele Passanten interessierten sich für die Aktion der Streikenden. Es gab allerdings auch kritische Stimmen.
Auch die Kleinen halfen mit: Die sechsjährige Talia hatte sichtlich Spaß beim Verteilen. Ihre Mutter ist Erzieherin in einem Familienzentrum.
Die kleine Amelie (drei Jahre alt) begleitete ihre Mutter Claudia Lars, Erzieherin in einer städtischen Kindertagesstätte.
Key Poulmansour ist direkt vom Streik betroffen, betreut deshalb auch heute die vierjährige Martha. "Ich habe trotzdem Verständnis für die Erzieher", sagt er, "es gibt nicht wichtigeres als die Arbeit mit Kindern."
Vor allem die Brötchen kamen bei den Passanten gut an.
"Sagt eurer Regierung mal: 'Lieber Kinder fördern als Banken'", gab diese Passantin aus der Schweiz den Erziehern mit auf den Weg.
Erzieherin Kim Seifert denkt im Streik auch an die betroffenen Eltern und Kinder. "Natürlich fällt uns das nicht leicht. Und wir besprechen auch immer im Team, ob wir das den Eltern und ihren Kindern noch zumuten können. Aber wir verlieren ja auch unsere Glaubwürdigkeit, wenn wir jetzt aufhören."
"Fast alle, die wir angesprochen haben, reagierten positiv und hatten Verständnis für unsere Situation", erzählt Erzieherin Christa Zahn. Sie ärgert sich jedoch darüber, dass viele glauben, den Erziehern gehe es nur um mehr Gehalt. "Wir kämpfen vor allem für unsere Gesundheit."
Stellvertretend für alle, die losgezogen waren berichteten anschließend Britta Tessarek (links) und Claudia Jerabeck von ihren Eindrücken. Ihr Fazit: "Gerade Passanten mit Kindern sind deutlich für die Problematik sensibilisiert und sagen, dass der Streik richtig ist."