Internetseiten für den Wahlkampf: Europa-Politiker im Netz
VON JAN WIEFELS - zuletzt aktualisiert: 03.06.2009 - 08:00Düsseldorf (RPO). Internetseiten sind aus dem Wahlkampf nicht mehr wegzudenken. Vor der Europawahl am Sonntag nimmt Kommunikationsexperte Christoph Blank die Seiten der Düsseldorfer Kandidaten unter die Lupe. Sein Fazit: Es gibt noch viel Nachholbedarf.
Wahlkämpfe werden längst nicht mehr nur mit Plakaten und Info-Ständen ausgefochten. Spätestens seit der US-Präsidentenwahl im vergangenen Jahr nimmt das Internet beim Werben um Stimmen einen größeren Stellenwert ein. Alle vier Düsseldorfer Kandidaten für die Europawahl am 7. Juni sind im Netz vertreten – mit sehr unterschiedlichen Seiten, meint Christoph Blank, geschäftsführender Gesellschafter von der Agentur Blank Intergroup Communication und Lehrbeauftragter an der Heine-Uni.
Klaus-Heiner Lehne (CDU) Klassisch gestaltet ist die Seite des Europa-Politikers Klaus-Heiner Lehne. Auf der Startseite stehen kompakt die wichtigsten Ziele des Parlamentariers, über die Seitenleiste können Besucher Unterpunkte wie die Biografie des 51-Jährigen und seine Funktionen im Europäischen Parlament anwählen. Begeistern kann die schlichte Internetseite Christoph Blank jedoch nicht: "Die Seite wurde nicht für den Wahlkampf optimiert, nur die Startseite wurde um einige Infos zur EU-Wahl ergänzt."
Petra Kammerevert (SPD) Auffälliger, aber ebenfalls klassisch aufgebaut ist die Internetpräsenz von Petra Kammerevert. Neben Biografie und Fotos wird das Wahlprogramm der SPD vorgestellt. "Positiv ist, dass die Seite an die Plakatkampagne der Partei angeglichen ist", meint Blank. So werde der Wiedererkennungswert gesteigert. "Die Homepage ist zwar informativ, aber wenig interaktiv", lautet das Urteil des 31-Jährigen.
Sven Giegold (Grüne) Keine eigene Kandidatenseite hat der Grüne Sven Giegold: Er teilt sich die Internetpräsenz mit den Bewerbern Gerald Häfner und Barbara Lochbihler. Auf einer knappen Seite beschreibt er seine Ziele und schildert seinen Lebenslauf. Auch wenn die Homepage dem Design der Partei angepasst ist, findet Blank den Auftritt schwach. Wer mehr Informationen haben möchte, wechselt über einen Link zu Giegolds eigener Homepage. Das Design sei altbacken, interessante Angebote wie eigene Konten beim Kurznachrichtendienst Twitter und dem sozialen Netzwerk Facebook gingen darin unter.
Alexander Alvaro (FDP) Die Seite des FDP-Kandidaten Alexander Alvaro gefällt Blank im Vergleich zu den anderen am besten. Auffallend sind die vielen interaktiven Elemente: Auf der Startseite gibt es Videos des Europa-Politikers, daneben prangt eine Europakarte, auf der die aktuellen Aufenthaltsorte Alvaros zu sehen sind. Genau wie bei Sven Giegold versorgt Alvaro Abonnenten mit kurzen Nachrichten über Twitter. Zudem gibt es wechselnde Umfragen zu europäischen Themen. "Es ist alles drauf, was es aktuell gibt", findet Blank. "Insgesamt ist es eine sehr auf den Wahlkampf zugeschnittene Website mit hoher Interaktivität."
Keine der Seiten kann Blank vollends überzeugen. "Gerade zur Europawahl hätten die Kandidaten das Internet besser nutzen können, um das komplexe Thema Europa gut zu veranschaulichen." Außergewöhnliche Wege bei der Aufbereitung gehe keiner der Kandidaten. Dabei böte eine gute Internetseite große Chancen. Vor allem Wechselwähler und junge Leute würden sich über Internetseiten von Politikern informieren.
Wie die Zukunft aussehen kann, weiß Georg Kolb, bei der Agentur Pleon zuständig für neue Internet-Plattformen. Die direkte Kommunikation mit Politikern über das Internet werde zunehmen. Auch ältere Bürger würden zunehmend das Netz für sich entdecken.
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