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Top Klinik Ärzte (15): Experte für die Becken-OP

VON DIRKE KÖPP - zuletzt aktualisiert: 03.01.2009 - 10:28

Düsseldorf (RPO). Düsseldorf hat viele ausgewiesene Medizin-Koryphäen. Die Rheinische Post stellt einige von ihnen in einer Serie vor. Heute: Björn Lampe, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Florence-Nightingale-Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie.

Das Spezialgebiet von Björn Lampe, Chefarzt der Gynäkologie am Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie, sind Tumorerkrankungen der Genitalien, auch organübergreifende, sowie Rekonstruktionen des Beckenbodens.  Foto: RP, Hans-Jürgen Bauer
Das Spezialgebiet von Björn Lampe, Chefarzt der Gynäkologie am Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie, sind Tumorerkrankungen der Genitalien, auch organübergreifende, sowie Rekonstruktionen des Beckenbodens. Foto: RP, Hans-Jürgen Bauer

Eigentlich ist Björn Lampe eher frankophil, verbringt seinen Urlaub gern in Frankreich, mag die französische Sprache und Kultur. In einem aber hat der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Florence-Nightingale-Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie eine deutliche Schwäche für die USA: Dort gibt es – anders als in Deutschland – die medizinische Spezialisierung zum Beckenchirurgen. Die in Nordamerika „Pelvic Surgeons“ genannten Beckenchirurgen sind auf Genitalkrebs spezialisiert, können Tumore vom Oberbauch bis zu den Genitalien umfassend behandeln.

Mitglied der „Pelvic Surgeons“

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Auch Lampe ist seit vielen Jahren Experte in gynäkologischer Onkologie. Im Jahr 2006 wurde er zum Mitglied der renommierten Vereinigung der „Pelvic Surgeons“, der Beckenchirurgen ernannt, die weltweit nur 150 Mitglieder hat. „Es ist schade, dass es das Konzept der Beckenchirurgen in Deutschland nicht gibt“, bedauert der 52-Jährige, der seit genau zwei Jahren die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Florence-Nightingale-Krankenhaus leitet.

Als er nach Kaiserswerth kam, baute er seine neue Abteilung daher in Ansätzen nach dem amerikanischen Konzept auf: Zwei seiner Oberärzte sind Doppelfachärzte. Manfred Hilscher ist Gynäkologe und Urologe, Michael Forner ist Gynäkologe und Chirurg. Dieses Konzept ist nach Klinik-Angaben bundesweit einzigartig. „Das ist echte Interdisziplinarität – auch innerhalb einer Abteilung“, findet Chefarzt Björn Lampe. Insgesamt wurden in seiner Abteilung 2007 etwa 120 Primärkarzinome operiert, also Tumore, die erstmals auftreten, und mehr als 200 Patientinnen mit Unterleibskrebs behandelt. Allein der Chefarzt operiert im Jahr mehr als 100 Erstkarzinome.

Kürzlich wurde die Frauenklinik des Florence-Nightingale-Krankenhauses der Kaiserswerther Diakonie zudem als eine von zehn Kliniken bundesweit als „Gynäkologisches Krebszentrum“ von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert. Darüber hinaus ist sie von der Europäischen Gesellschaft für gynäkologische Onkologie zertifiziert, die noch höhere Anforderungen an die Kliniken stellt.

Bevor Lampe nach Düsseldorf kam, arbeitete er viele Jahre an der Frauenklinik der Uni München, war danach Leitender Arzt der Gynäkologie am Klinikum Leverkusen. Seine Spezialgebiete sind Tumorerkrankungen der Genitalien – vor allem organübergreifende – sowie Rekonstruktionen des Beckenbodens. Wenn ein Tumor bereits bis in die Blase gestreut oder diese zerfressen hat, können Lampe und sein Team das Organ aus Darmgewebe neu formen. Dabei ist es möglich, die rekonstruierte Blase an den Blinddarm anzuschließen. So muss die Patientin keinen ständigen Blasenkatheter mit künstlichem Ausgang tragen, sondern kann Urin bei Bedarf mit einem Wegwerf-Katheter ableiten. Ebenso sind Scheidenrekonstruktionen möglich.

Diese Operationen dauern viele Stunden und werden außer am Florence-Nightingale-Krankenhaus in dieser Form nur an wenigen Zentren bundesweit angeboten. „Man muss sehr genau abwägen, wer diese Operationen verkraften kann“, gibt Lampe zu bedenken. „Der Eingriff muss sinnvoll sein und die Prognose der Patientin verbessern.“ Sein Ziel: Schmerzen nehmen und Lebensqualität zurückgeben. Im Vorhinein führt er viele Gespräche mit den Kranken und ihren Angehörigen. „Es gibt etliche Fragen zu beantworten“, betont Lampe. „Hilft eine solche Operation der Patientin? Übersteht sie sie? Wie ist die Prognose?“ Für den Mediziner stehen am Ende der Operation zwei große Ziele. „Die Patientin soll tumorfrei sein, und sie soll sich wieder als Frau fühlen können.“

Quelle: RP

 
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