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Julia Stoschek ist weltweit in Sachen Kunst unterwegs: Extravagante Sammlerin

VON DAGMAR HAAS-PILWAT - zuletzt aktualisiert: 02.05.2008 - 08:29

Düsseldorf (RPO). Ihr erstes Kunstwerk kaufte Julia Stoschek mit 27 Jahren. Inzwischen ist die 32-Jährige eine gefragte Sammlerin vor allem von Kunst ihrer Generation. So berät sie unter anderen das Museum of Modern Art in New York, wenn es um Ankäufe medialer Kunst geht.

Julia Stoschek.  Foto: RP, Gabriel
Julia Stoschek. Foto: RP, Gabriel

Sie kauft und fördert, unterstützt und sponsert im großen Stil. Weltweit ist Julia Stoschek in Sachen Kunst unterwegs. Sie ist Teil des internationalen Kunstbetriebs: In New York berät sie das Museum of Modern Art (MoMA), wenn es um Ankäufe im Bereich medialer Kunst geht. In Los Angeles, „eine unglaublich brodelnde Kunststadt“, findet sie Spannendes für ihr eigenes Museum. Sie liebt den Kontakt und Austausch mit jungen Künstlern, besucht sie direkt in ihren Ateliers. Die wohl mächtigste deutsche, bereits als neue Peggy Guggenheim gefeierte Nachwuchs-Sammlerin ist gefragt, verhandelt mit Museen über Leihgaben und mit Galerien über neue Objekte - alles im Dienst ihrer Sammlung.

Steil ist ihre Sammler-Karriere, das persönliche Ansehen in der Branche enorm gewachsen. Sie ist 32 Jahre jung, ausgesprochen attraktiv, selbstbewusst, emotional, brennt vor Leidenschaft für die Kunst ihrer Generation, und hat schon ein eigenes Ausstellungshaus der Extraklasse mitten in Düsseldorf-Oberkassel - in einem ehemaligen denkmalgeschützten Fabrikgebäude aus der Gründerzeit.

Julia Stoschek, die vermögende Unternehmertochter, traut sich was, hat keine Furcht vor hochfliegenden, extravaganten Projekten, bewegt sich am liebsten auf der Überholspur -und sie kann es sich leisten. Sie ist Teilhaberin des Autozulieferkonzerns Brose in Coburg. „Ich bin glücklich über diese Freiheit“, sagt sie unaufgeregt-liebenswürdig. Zugleich betont die Schöne mit der akkurat geschnittenen Kleopatra-Frisur, dass die „Julia Stoschek Collection“ Privatsache ist, nichts mit Firma und Familie zu tun hat.

Das erste Kunstwerk kaufte die Betriebswirtin und Liebhaberin von Medien und Videokunst, Fotografie und Installationen, als sie 27 war: ein Bild des spanischen Künstlers Pep Agut. Inzwischen umfasst ihre Sammlung mehr als 400 Objekte, zwei davon zählen zu ihren liebsten.

Das ist einmal das knapp drei Minuten dauernde Video von Paul Chan: Der Amerikaner hat sich bei seiner Animation vom Fruchtkorb inspirieren lassen, wie ihn vor mehr als 400 Jahren Michelangelo Merisi da Caravaggio gemalt hat, der italienische Meister des Frühbarock. Julia Stoschek kann sich daran nicht satt sehen.

Genauso wenig wie an den Spiegel-Kaleidoskopen von Olafur Eliasson. Der in Berlin lebende Däne (zurzeit macht er im New Yorker MoMA Furore mit der Ausstellung „Take your time“) hat auf Wunsch von Julia Stoschek ein Kunstwerk aus Glasprismen eigens für ihr Museum geschaffen. 36 Meter lang ist die Wand, an der Eliasson seine 16 skulpturalen Implantate mit dem sinnigen Titel „When love ist not enough wall“ ins Mauerwerk eingelassen hat. So passgenau, dass sie von der Transparenz der dahinter liegenden Fenster profitieren und den Blick frei geben auf den Horizont und Düsseldorfs Stadtpanorama. Es sind diese Brüche, von denen Julia Stoschek nicht genug bekommen kann. Neues aus einer maroden Ruine schaffen, ein Haus im Haus bauen, das entfacht ihre Leidenschaft

Keine Frage, dass sie auch in ihrem Kunstspeicher wohnt. Lichtdurchflutet, mehr als zehn Meter hoch und 500 Quadratmeter groß ist das Dachgeschoss. Platz genug für ein zwölf Meter langes Sofa. „Wenn ich nicht unterwegs bin, bin ich am liebsten zu Hause“, erzählt sie. In ihrer Wahlheimat Düsseldorf fühlt sie sich heimisch. Hier und „nicht in Berlin, wo es alle hinzieht“, hat sie ihre Nische gefunden. Sie schätzt die rheinische Lust auf Kunst, findet das Leben und die Szene in der Stadt spannend. Hier lebt ihr Partner, der weltberühmte Foto-Künstler Andreas Gursky. „Ich will mich in Düsseldorf verorten“, sagt sie. Man trifft sie im Olio oder im Monkey’s, sie mag das Op de Eck und den Salon des Animateurs. Doch am liebsten ist sie zu Hause und lädt Freunde zum Essen an den Riesen-Tisch ein.

Quelle: RP

 
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