Serie "Düsseldorf eine familienfreundliche Stadt?" (6): Streit um die U 3-Betreuungskosten
VON JÖRG JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 17.07.2012 - 12:42Düsseldorf (RP). Wer sein Kind 45 Stunden oder mehr in der Woche betreuen lässt, muss ab August tiefer ins Portemonnaie greifen. Vor allem, wenn er beim Verdienst im Mittelfeld liegt. Günstiger wird es für alle, die mit 25 Stunden wöchentlich klarkommen. Eine Neuregelung, die für Zündstoff sorgt.
"Betreuungsgeld light“ kontra „ausgewogenes Steuerungsinstrument“: Die bereits ab dem 1. August geltenden neuen Elternbeiträge für unter Dreijährige spalten die Düsseldorfer Politik und sorgen bei Eltern für ein unterschiedliches Echo.
Fakten Die neue Satzung sieht vor, dass stärker entlastet wird, wer sein Kind nur 25 Stunden pro Woche in einer Kita oder Tagespflege betreuen lässt. Die Beiträge fallen in diesem Bereich. So zahlt ein Haushalt mit einem gemeinsamen Jahresbruttoeinkommen zwischen 70 000 und 80 000 Euro künftig nur 125 statt der bislang üblichen 260 Euro. Wer sein Kind hingegen 45 Stunden wöchentlich betreuen lassen will, muss tiefer in die Tasche greifen.
Beratung
Übersicht Einen guten Überblick über Anmeldeverfahren und Elternbeiträge im Bereich Kitas und Tagespflege gibt?s unter www.duesseldorf.de/jugendamt/ipunkt/kita-navigator/index.shtml
Beratung Wer sich persönlich beraten lassen will, wählt die Nummer 89-98870 (Servicetelefon i-Punkt-Familie).
Dabei steigen die Beiträge in den niedrigeren Einkommensgruppen proportional stärker als in den höheren. Gut-Verdiener mit 70.000 bis 80.000 Euro Jahreseinkommen müssen mit 380 nur zehn Euro mehr als bislang berappen. Für Gering-Verdiener der Stufe 2 (30 001 bis 40 000 Euro) kommt es dagegen fast zu einer Verdopplung von 65 auf künftig 125 Euro. Aus Sicht von Jugenddezernent Burkhard Hintzsche ein „legitimes Steuerungsinstrument“, das über frei werdende Betreuungskapazitäten dazu beitragen soll, den ab August 2013 greifenden Rechtsanspruch auf einen U3-Platz (rund 2000 Plätze werden voraussichtlich fehlen) zu erfüllen.
Bewertung SPD-Chef Andreas Rimkus geißelt das als einen frauen- und sozialpolitischen Sündenfall. Er nennt die Politik der Stadt „rückwärtsgewandt“, fordert eine möglichst früh einsetzende, möglichst umfassende Ganztagsbetreuung - „am besten beitragsfrei“.
Aus Sicht der CDU und FDP sind die Vorwürfe unberechtigt. „Wir machen die Basisbetreuung mit 25 Stunden günstiger und stellen Einkommen bis 30 000 Euro beitragsfrei. Wer eine Komplett-Lösung haben will, muss wissen, dass dies etwas kostet“, sagen übereinstimmend Sylvia Pantel (CDU) und Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). Vergleich Wie sozial Düsseldorf ist, zeigt nach Hintzsches Einschätzung der direkte Vergleich mit anderen Städten. So müssten Eltern in Essen bereits ab 13 000 Euro für die U3-Betreuung ihres Nachwuchses zahlen und in so unterschiedlichen Kommunen wie Duisburg und München liege die Grenze bei 15.000 Euro.
Elternstimmen Einen schlechten Personalschlüssel in den städtischen Kitas beklagt RP-Leserin Daniela Wessels. Da die Erzieherinnen immer mehr Aufgaben („Bildungsdokumentation“) erledigen müssten, steigt ihrem Eindruck nach auch der Krankenstand. Die Mutter von zwei Kindern freut sich zwar über die in Düsseldorf übliche Beitragsfreiheit ab drei Jahren, hätte aber „nichts gegen einen Pauschalbetrag für mittlere und hohe Einkommen, wenn es denn der Verbesserung des Personalschlüssels in den Kitas zugute käme“.
Dringenden Nachholbedarf bei der Betreuung der Jüngsten sieht Melanie Baus. Als Mutter einer inzwischen dreijährigen Tochter mit Vollzeit-Job ist sie neben der Kita auf eine Anschlussbetreuung angewiesen und fordert deshalb eine Ausweitung der Kita-Betreuungszeiten.
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