Leidenschaftliche Diskussion zum Wahlprogramm: FDP: Was Schüler kleiden soll
zuletzt aktualisiert: 16.08.2004 - 17:41Düsseldorf (RP). Normalerweise arbeiten Liberale ein Wahlprogramm sehr sachlich ab. Doch diesmal brachten sie es auf dem Parteitag doch zu beachtlicher Leidenschaft. Eine entscheidende Frage: Sollen Schulkinder einheitlich Kleidung tragen, um dem Markenwahn zu entgehen und Eltern wirtschaftlich zu entlasten?
Neid und Mobbing
Die Partei findet: Ja. Schulen sollen das aber selbst entscheiden können. Die Klamotten-Frage bedeute einen „gigantischen Druck“ auf Familien, fördere Neid, Mobbing, also auch Gewalt. Die Position der künftigen Ratsfrau Marie-Agnes Zimmermann fand am Ende eine (wenn auch knappe) Mehrheit über die Position „Einheitliche Kleidung bedeutet einen massiven Eingriff in die Freiheit und Bevormundung“. Marie-Agnes Zimmermann betonte: „Viele Eltern werden uns dankbar sein.“ Es gehe um Bildungsqualität und nicht ums Outfit, ergänzte Monika Lehmhaus, die FDP-Stimme des Stadtwestens.
Einige Liberale verfügen über Eigenerfahrungen. Ein Beispiel: Der gerade gewählte Europa-Parlamentarier Alexander Alvaro musste drei Jahre lang Schulkleidung tragen und hatte nach eigenen Angaben nie ein Problem damit. Er befürchtet jedoch, dass es mit Einführung einer „Schuluniform“ Klagen geben wird.
Mit ihrem Programm (die RP berichtete bereits) wollen die Liberalen bei der Kommunalwahl im kommenden September acht Sitze im Düsseldorfer Stadtparlament erobern (heute: vier). Die Europa-Wahl hat ihnen Hoffnung gemacht. Bei der Kommunalwahl 1999 hatten sie 9500 Stimmen einsammeln können, bei der EU-Wahl waren es 16 700. Persönlich rechnet sich Oberbürgermeister-Kandidat Martin Zeitz (Slogan: „Es wird Zeitz“) gute Chancen gegen Amtsträger Joachim Erwin (CDU) aus.
Die Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Gisela Piltz gab sich bereits siegesgewiss und selbstbewusst. „Erwin wird aus der Kurve fliegen“, meinte sie.
Auch gegen CDU
Die Liberalen treten nicht nur gegen die SPD („Hock und die SPD - das ist zweierlei“) und gegen die Grünen („Erbengemeinschaft der SPD“) an, sondern auch gegen die CDU. Sie lasse sich von Erwin bevormunden, hieß es. Nur deshalb könne Erwin eine Bevormundungspolitik machen - und dies ohne Respekt vor Minderheiten.
VON LUDOLF SCHULTE
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