Düsseldorf: Feldzug gegen Vorurteile: „Schlau“ in der Schule
zuletzt aktualisiert: 29.07.2008Düsseldorf (RPO). Es ist nicht selbstverständlich, dass die Mitarbeiter des Projekts „Schlau“ ihre Tätigkeit nervlich unbeschadet überstehen. „Schlau“ steht für „Schwul-lesbische Aufklärung in Schulen“, und von der nervlichen Belastung spricht Helmut Kiolbassa. Er ist Bereichleiter Prävention bei der Aidshilfe, bei der „Schlau“ angesiedelt ist. „Manches von dem, was die Schüler sagen, verletzt die ,Schlauen’ ganz schön.“
Die „Schlauen“ sind selbst homosexuell, das gehört zum Konzept: Die Schwulen und Lesben konfrontieren die Schüler mit ihren Persönlichkeiten, und sie sind meist die ersten Homosexuellen, die die Jugendlichen kennen lernen. Dennoch sitzen deren Vorurteile tief, „schwule Sau“ gehört noch zu den harmloseren Schimpfwörtern.
Genau deshalb gibt es „Schlau“: Gewalt – körperliche und verbale – gegen Homo- und Bisexuelle soll reduziert, Verständnis und Kenntnis vergrößert werden. Dafür hat der Kriminalpräventive Rat der Stadt das Projekt vor Jahren auf den Weg gebracht; inzwischen gehört es zur Aidshilfe und bekommt mehr Geld: 10 000 Euro jährlich können „Schlau“-Leiter Stefan Pischke und sein ehrenamtliches Team ausgeben. Allein in den Jahren 2004 bis 2006, deren Auswertung jetzt vorliegt, war „Schlau“ in 14 Schulen und hat 900 Schüler erreicht. Die Referenten gehen in die Klassen sieben bis zehn, meist sind es Förder-, Haupt- und Gesamtschulen. „Grundsätzlich“, sagt Pischke, „gilt: Je niedriger das Bildungsniveau, desto hartnäckiger sind die Vorurteile.“
Muslimischer Hintergrund
Einmal sei ihm mulmig geworden: „Als mir ein Jugendlicher sagte, dass er die Schwulen sowieso alle umbringen wolle.“ Mit Schimpfwörtern können die Schlau-Mitarbeiter aber umgehen, sie greifen es auf, wenn jemand „Schwule eklig“ findet. „Seid ihr wirklich lesbisch?“, heißt es dann schon mal von den Schülern, „ihr seid doch ganz normal!“
Größere Probleme mit der Akzeptanz haben offenbar religiös geprägte Jugendliche. Bei Koranschülern habe er vor „hohen Schranken“ gestanden, so Pischke. „Ihr lebt in Sünde“ – von dieser Meinung waren die Schüler nicht abzubringen, auch wenn sie eine Diskussion zuließen. Ein Mitglied des Kriminalpräventiven Rates findet deutlichere Worte: „Probleme hat das Schlau-Projekt vor allem bei Jungen mit muslimischem Hintergrund.“
Kontakt für Schulen: Tel. 77 09 5-40
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