Übung in Reisholz: Feuerwehr probt den Ernstfall
VON BERND SCHUKNECHT - zuletzt aktualisiert: 10.05.2010 - 08:58Düsseldorf (RPO). Schwerverletzte, Hilfeschreie, zerstörte Züge am Samstagabend am Reisholzer Güterbahnhof: In einem Szenario übten die Düsseldorfer Einsatzkräfte mit mehr als 60 Einsatzfahrzeugen den Ernstfall. 300 Personen nahmen an der Großübung teil.
Bahnreisenden, die am späten Freitagabend den Reisholzer Güterbahnhof passierten, präsentierte sich ein Bild wie aus einem Katastrophenfilm. Im gleißenden Licht von Flutlichtmasten sind zwei kollidierte Züge, ein Güterzug und ein Personenzug, erkennbar. Schwerverletzte liegen auf den Gleisen, rufen verzweifelt nach Hilfe, unter Schock stehende Menschen irren orientierungslos umher.
Dazwischen Lampen von Rettungskräften. Zum Glück ist der Unfall nicht tatsächlich passiert, sondern zählt zum Szenario einer Großübung der Feuerwehr, die einen Eisenbahnunfall unter erschwerten Bedingungen simuliert. Rund 300 Helfer der Feuerwehr, auch die freiwillige ist darunter, sowie der unterschiedlichen Rettungsdienste mit mehr als 60 Einsatzfahrzeugen sind an der Großübung beteiligt.
"Freiwilliges Opfer"
Ziel der Übung ist die schnelle und effiziente Rettung von rund 180 Verletzten. Einen von ihnen spielt Fabian Franken, der mit reichlich künstlichem Blut verschmiert, "schwer verletzt" im kalten Nieselregen auf den Gleisen liegt. Der 18-jährige Schüler aus Mönchengladbach ist Mitglied beim Roten Kreuz und ist heute als "freiwilliges Unfallofer" im Einsatz.
Rings um ihn herum gellen verzweifelte Hilferufe von anderen Freiwilligen, von denen viele offensichtlich über theatralisches Talent verfügen. "Vom Notrufeingang bis zum Eintreffen der ersten Rettungskräfte sind eine knappe Viertelstunde vergangen", schätzt Heinz Engels, Pressesprecher der Feuerwehr. Die eintreffenden Retter gehen die Notfalllage mit routinierter Ruhe an, die Sachlage wird analysiert, weitere Rettungskräfte geordert, eintreffende Rettungskräfte in die Maßnahmen eingebunden.
Die Rettungsmaßnahmen finden unter erschwerten Bedingungen statt, denn wegen der Gleise im Bahnhofsbereich können die Rettungswagen nicht direkt an die Unfallstelle heranfahren, sondern warten entlang der Oerschbachstraße. Die Großübung dient dazu, insbesondere Einsatzpläne im Hinblick auf ihre praktische Effizienz zu überprüfen sowie die Zusammenarbeit mit anderen Rettungseinheiten zu üben.
Um möglichst realistische Rettungsbedingungen zu erhalten, haben die "Verletzen" Pappkarten mit Rubbelbildern dabei. Jedes sukzessiv frei gerubbelte Bild zeigt eine neue Situation, auf die sich die Retter flexibel einstellen müssen. So musste sich das Einsatzteam der psychosozialen Unterstützung (PSU) um 50 unverletzt gebliebene Reisende kümmern, die schwer unter Schock stehen.
Auskunftstelle für Angehörige
Andere unverletzt Gebliebene stören die diversen Rettungsmaßnahmen. Erstmalig wird auch eine Personenauskunftsstelle eingerichtet, bei der bei tatsächlichen Unglücksfällen Angehörige nachfragen können, ob Verwandte sich unter den Unglücksopfern befinden.
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