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Finanzkrise: Firmen entlassen Zeitarbeiter

VON UWE REIMANN - zuletzt aktualisiert: 13.12.2008 - 11:01

Düsseldorf (RPO). Sie sind die ersten Opfer der Wirtschaftskrise: Leiharbeiter und befristete Arbeitskräfte müssen in vielen Firmen gehen. Daimler Benz, Vallourec & Mannesmann und andere sichern ihre Stammbelegschaft. Mit der Agentur für Arbeit gibt es Lösungen, um Geldsperren zu vermeiden.

 Foto: RP, Andreas Bretz
Foto: RP, Andreas Bretz

Seit 20 Jahren ist Natalia Hoffmann-Demsing mit ihrem Personaldienstleistungsunternehmen in Düsseldorf aktiv. Aber an eine solche Wirtschaftskrise kann sie sich nur schwer erinnern. „Es ist eine einmalige Situation. Im September war die Nachfrage nach Arbeitskräften noch steigend, dann der totale Abfall“, sagt sie. Seit die Finanzkrise auf die reale Wirtschaft durchschlägt, sortieren die Firmen ihre Belegschaften. Die ersten Opfer: Leiharbeiter und viele unbefristete Arbeitskräfte mussten gehen oder müssen es demnächst.

Der Trend ist schon in der Agentur für Arbeit an der Grafenberger Allee angekommen. Fast jede zweite gemeldete freie Stelle im November ist eine bei Zeitarbeitsunternehmen. Zudem haben in den vergangenen Tagen allein zehn Arbeitszeitfirmen bei der Agentur nach den Möglichkeiten für Kurzarbeit nachgefragt, sagt Peter Wege, Sprecher der Arbeitsagentur Düsseldorf. Sie erkundigten sich nach den Bedingungen, weil die Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht vermitteln können und auch Rücklauf aus den Unternehmen haben.

Randstad hat in Düsseldorf rund 140 Arbeitskräfte angestellt. Immer weniger von ihnen finden neue Jobs bei den Unternehmen „Ja, wir haben Abmeldungen aus den Firmen. Wie viele es genau sind, kann aber erst im neuen Jahr errechnet werden“, sagt Randstad-Sprecherin Petra Timm.

Der Blick auf das nächste Jahr ist ohnehin bei vielen Unternehmen mit Sorgenfalten belegt. „Die Verunsicherung ist sehr groß und alle warten ab“, sagt Joker-Geschäftsführerin Natalia Hoffmann-Demsing. Die Einstellungsbereitschaft im ersten Quartal 2009 nimmt deutlich ab, prophezeit der Dienstleister Manpower in einer Arbeitsmarktumfrage. Dabei rechnen die Experten im Westen Deutschlands mit einem negativen Arbeitsmarkt – in München, Berlin und Frankfurt/Main sieht Manpower weniger Arbeitsplatzverluste.

Jetzt und nicht erst 2009 haben einige Unternehmen bereits gehandelt. Der Stahlkonzern Vallourec & Mannesmann hat vor allem seine Stammbelegschaft in Rath und Reisholz im Blick. Etlichen Leiharbeitern und auch Mitarbeitern mit befristeten Arbeitsverträgen ist – soweit möglich – gekündigt worden, sagt Vallourec-Sprecherin Juliane Neubüser. „In wirtschaftlichen Hochzeiten hatten wir Arbeitsplätze geschaffen, um Konjunktur-Spitzen auszugleichen“, sagt sie. Jetzt, in schlechteren Zeiten, sei es anders. Bislang waren rund 2300 Mitarbeiter in beiden Werken beschäftigt. Nun verlässt sich das Unternehmen auf seine Stammbelegschaft.

Das tut auch Daimler Benz in Derendorf. Auf rund 7500 Mitarbeiter ist der Stamm in den wirtschaftliche starken Jahren angewachsen. Der gut verkäufliche Sprinter hat’s möglich gemacht. Noch Ende September, ein paar Tage vor dem Ausbruch der Finanzkrise, habe man rund 500 auslaufende Arbeitszeitverträge verlängert, sagt ein Sprecher des Sprinterwerks. Als die Finanzkrise ein paar Tage später offenbar wurde, zog das Unternehmen die Reißleine. „Wir haben sozialverträglich zur Zufriedenheit beider Seiten die allermeisten Verträge mit sofortiger Wirkung aufgelöst“, sagt ein Daimler-Sprecher. Die Folge: Im nächsten Jahr will das Sprinterwerk mit knapp 7000 Mitarbeitern auskommen.

Empfindliche Folgen hätte das ganze Procedere für die entlassenen Daimler-Arbeitskräfte haben können. Bei dem Verfahren hätte ihnen die zeitweise Sperre von Arbeitslosengeld gedroht, wenn es keine flexible Lösung gegeben hätte. Nach RP-Informationen hat es eine Übereinkunft zwischen Daimler und Agentur für Arbeit gegeben, dass die freigesetzten Mitarbeiter keine Geld-Sperre zu befürchten haben. Ansonsten hätte wohl kaum einer seinen Job für das nächste Jahr freiwillig aufgegeben.

Lesen Sie mehr zur Finanzkrise in unserem Special.

Quelle: RP

 
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