Wegen Finanzkrise: Firmen sagen Weihnachtsfeiern ab
VON SVEN DURGUNLAR - zuletzt aktualisiert: 28.11.2008 - 07:09Düsseldorf (RPO). Die Finanzkrise erreicht das Weihnachtsgeschäft nach Feierabend: Viele Firmen sagen wegen schlechter Geschäfte ihre betrieblichen Weihnachtsfeiern ab. Fast die Hälfte aller Gastronomen rechnet mit einem Rückgang der Buchungen.
Es ist zum Verzweifeln. In den vergangenen Jahren hatten sie noch alle im Düsseldorfer Restaurant „Bandidos“ gefeiert: Abteilungs-Belegschaften von Henkel, Eon und der Deutschen Bank. Viele große Unternehmen veranstalteten ihre betrieblichen Weihnachtsfeiern in dem Düsseldorfer Restaurant. Doch in diesem Jahr bleiben dort viele Tische leer.
„Es ist eine Katastrophe“, sagt „Bandidos“-Chef Hakki Calli. Der Gastronom rechnet über Weihnachten mit rund 30 Prozent weniger Buchungen. Er ist nicht der einzige Gastwirt, dem zu Weihnachten die Gäste ausbleiben.
Allmählich erreichen die Auswirkungen der Finanzkrise das Weihnachtsgeschäft. Viele Firmen sagen wegen schlechter Geschäfte ihre betrieblichen Weihnachtsfeiern ab. 47 Prozent der Restaurants in Deutschland erwarten weniger Firmen-Weihnachtsfeiern als im vergangenen Jahr. Dies geht aus einer Studie des Marktforschungsinstituts CHD Expert hervor.
„Die Zahl der Gastronomen mit weniger Weihnachtsfeiern im Vergleich zum Vorjahr hat sich nahezu verdoppelt“, sagt Geschäftsführer Thilo Lambracht. Auch die Zahl der Gäste pro Feier verringere sich: 43 Prozent der befragten Gastronomen zählen weniger Teilnehmer je Firmenevent als im Vorjahr.
Denn die wirtschaftliche Situation lässt bei vielen Unternehmen auch an Weihnachten keine rechte Feierlaune aufkommen. Der Düsseldorfer Chemiekonzern Henkel schickte in den vergangenen Tagen seinen Mitarbeitern eine E-Mail mit der Nachricht, dass alle Aktivitäten, die nicht direkt zur Erzielung von Erträgen dienen, gestrichen werden. Dazu zählten insbesondere Weihnachtsfeiern.
Auch die Bayern-LB sagt ihre traditionelle Weihnachtsfeier für ausgeschiedene Mitarbeiter ab. „Wir appellieren an Ihre Solidarität als ehemalige Beschäftigte dieser Bank“, so Bayern-LB-Chef Michael Kemmer in einem Schreiben an die Pensionäre mit der Bitte um Verständnis für die Spar-Maßnahme. Ob die Mitarbeiter des Softwarekonzerns SAP in Deutschland auf ihre Weihnachtsfeiern verzichten müssen, hat das Unternehmen noch nicht entschieden.
Das Nachsehen haben nicht nur die Beschäftigten, die auf die alljährliche Feier verzichten müssen, sondern auch die Gastronomen, die um ihren Jahresumsatz bangen. Denn das Weihnachtsgeschäft ist für viele Gastwirte eine der besten Einnahmequellen im Jahr. Die Belegschaft feiert, der Chef zahlt, der Wirt profitiert. Normalerweise – jedoch nicht in diesem Jahr.
„Selbst diejenigen, die zu Weihnachten sonst immer gebucht haben, kommen jetzt nicht mehr“, sagt Michael Behrens. Der Chef des Neusser Restaurants Okidoki rechnet mit wesentlich weniger Weihnachtsfeiern in seinem Lokal als noch in den vergangenen Jahren. „Das Geld sitzt nicht mehr so locker. Das ist deutlich zu spüren.“ Auch die Hotels bekommen den Druck der Finanzkrise zu spüren. Hotelbetreiber berichten von einem Rückgang an Bankett-Veranstaltungen und sinkenden Übernachtungszahlen.
Einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) zufolge sind bei mehr als einem Drittel der Gastronomen die Umsätze bereits in den vergangenen Monaten weggebrochen. Dirk Hoffmann, Chef im Düsseldorfer Muschelhaus Benders Marie, fürchtet um seinen Umsatz: „Das Geschäft ist schwieriger geworden. Ein Beispiel: Ein kleines Unternehmen wollte bei mir eine Weihnachtsfeier ausrichten. 15 Euro pro Person für Essen und Getränke, mehr wollte der Chef nicht zahlen. Darauf musste ich leider verzichten. Ich habe mich darauf eingestellt, dass die Umsätze noch weiter zurückgehen.“
Der Eindruck, den pompöse Feste nach außen machen, scheint in der Finanzkrise nicht mehr allen Unternehmen recht zu sein. Die Citibank verzichtet auf eine große Feier aller Abteilungen – aus Rücksicht. „Eine aufwändige Feier wäre jetzt ein sehr komisches Signal“, sagt Citigroup-Sprecher Ingo Stader. Stattdessen sollen die Abteilungen einzelne kleine Feiern veranstalten. In den USA hat die Citigroup ebenso wie Merril Lynch und die Deutsche Bank alle Weihnachtsfeiern abgesagt.
Um den Weihnachtsumsatz dennoch zu sichern, versuchen die Gastronomen den Firmen entgegenzukommen. Für Calli eine Herausforderung: „Die Energiekosten sind gestiegen, Miete und die Einkaufspreise auch“, sagt Calli. „Darum kann ich die Preise nicht einfach senken.“ Andere Gastronomen haben sich Alternativen ausgedacht: Sie bieten den Firmen Ausweichtermine für die ausgefallenen Feiern nach dem Jahreswechsel an – wenn es vielleicht nicht mehr ganz so unpassend aussieht.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







