Gastvorlesung an der Heine-Uni: Fischer diskutiert mit den Studenten
VON ANANDA MILZ - zuletzt aktualisiert: 22.06.2010 - 19:47Düsseldorf (RPO). Als Gastprofessor der Heine-Uni sprach er bereits mehrmals im Audimax vor rund 1000 Zuhörern zum Thema Europa. Am Dienstag suchte Joschka Fischer Kontakt zu Politikstudenten in einem kleinen Seminar.
Als Visionär, der an ein großes, starkes Europa appelliert, hatte sich Joschka Fischer in seinen ersten beiden Vorlesungen als Gastprofessor an der Heinrich-Heine-Universität gezeigt. Nicht zuletzt hatte ihn die Finanzkrise der EU dazu veranlasst, seine vorgesehenen Themen kurzerhand umzuwerfen und als Botschafter Europas vor mehr als 1000 Zuhörern im Audimax ans Katheder zu treten.
Am Dienstag, vor seiner dritten und letzten Vorlesung - diesmal nicht zur aktuellen Lage, sondern über die Rolle Europas und zu seiner Nachbarschaft - mischte sich der ehemalige Vizekanzler unter das studentische Volk und saß mit rund 20 Politikstudenten in einem kleinen Seminarraum. Dort gab es Fischer quasi zum Anfassen, worüber sich etwa Jona Siebold (26) und Michael Dürr (26) sehr freuten: "Es ist hoch spannend mit einem bedeutenden Mann aus der politischen Praxis zu diskutieren."
Mehr Demokratie für die EU
Trotzdem solle alles "stinknormal ablaufen", betonte Politologe und Seminarleiter Ulrich von Alemann. In der Sache ging es jedoch wieder um Europa: Das Thema der 90-minütigen Veranstaltung lautete "Die Rolle der nationalen Parlamente in der Europäischen Union". "Stinknormal" bedeutete kurzes Referat - diesmal von Anne Gödde, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Politikwissenschaftlichen Institut, zum Thema Subsidiaritätsprinzip der EU -, dann Diskussionsrunde auf Grundlage eines gemeinsam vorbereiteten Textes.
Das Subsidiaritätsprinzip besagt, dass die nationalen Parlamente Einspruch bei Gesetzesentwürfen der EU einlegen und sogar vor dem Europäischen Gerichtshof klagen können. Doch nach Auffassung der Referentin und vieler Studenten sei der Einfluss der jeweiligen Parlamente auf die EU sowie der Stellenwert Europas generell zu gering.
Gemeinsam mit ihrem Gast suchten Alemann und seine Studenten nach Wegen für mehr Demokratie in der EU. Doch die liegen laut Fischer nicht in noch mehr institutionellem Regelwerk. "Wir brauchen jetzt wahre Europäer an der Spitze der Regierungen, die Europa nach vorne bringen", betonte er zuletzt - jetzt wieder ganz Visionär.
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