Düsseldorf: Flehe: Kaum Chancen für Tempo 80
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 07.07.2009 - 08:00Düsseldorf (RPO). Zwei Monate vor der Kommunalwahl hat die Düsseldorfer CDU ein Thema entdeckt, das ihr große Sympathien in Flehe beschert – und wenig Gegenliebe von Parteifreund Lutz Lienenkämper. Der neue NRW-Verkehrsminister hat dem Versuch, bei ihm ein altes Anliegen doch noch durchzudrücken, eine klare Absage erteilt.
Nach RP-Informationen hat Lienenkämper dem Düsseldorfer Landtagsabgeordneten Olaf Lehne in einem Brief erklärt, dass ein Limit von 80 Stundenkilometern auf der Fleher Brücke nicht durchsetzbar sei. Eben dies hatte die CDU gefordert, um die Lärmbelastung zu reduzieren.
Grenzwert unterschritten
Nach Lienenkämpers Absage wird die Brücke auch 30 Jahre nach ihrer Freigabe für Ärger bei den Anwohnern sorgen. Die Fleher Bürger-Interessengemeinschaft (FB-I) fordert seit vielen Jahren Maßnahmen von Lärmschutzwall bis Tempolimit, um weniger von der A 46 zu hören – bisher ohne Erfolg. Der verstorbene OB Joachim Erwin hatte sich bei der Bezirksregierung dafür stark gemacht, dass Tempo 100 auf der Brücke eingeführt wird – und war ebenfalls gescheitert.
Die Begründung ist in all den Jahren dieselbe, die nun Lienenkämper in seinen Brief an Lehne geschrieben hat: Das Land ergreift Lärmschutz-Maßnahmen, wenn der Krach die Grenzwerte von 70 Dezibel am Tag und 60 in der Nacht überschreitet. Straßen NRW hat die Werte wiederholt erhoben und dabei stets Ergebnisse unter dem zulässigen Höchstwert ermittelt, zuletzt 65 bis 66 Dezibel am Tag sowie 56 bis 58 in der Nacht.
Die Bezirksregierung ergänzt die Argumentation. "Nach unseren Messungen sind tagsüber zwölf Prozent der Fahrzeuge auf der Fleher Brücke Lkw und nachts 16 Prozent. Bei Werten über zehn Prozent gelten Lkw als bestimmend für den Lärmpegel. Da diese höchstens Tempo 80 fahren, würde sich am wahrgenommenen Krach auch bei einem Tempolimit nichts ändern", sagt Wolfgang Netzer, Verkehrsingenieur bei der Bezirksregierung.
Unterhalb des Grenzwertes wird es schwierig, ein Tempolimit gerichtlich durchzubringen. Sollte ein Autofahrer – der zum Beispiel mit mehr als 80 km/h auf der Fleher Brücke geblitzt wird – klagen und auf Gleichbehandlung pochen, fehlten dem Verkehrsministerium die Argumente. Begrenzungen auf 80 oder 100 km/h sind an besonderen Gefahrenpunkten (etwa Ausfahrt Bilk) oder in Tunneln zu rechtfertigen, nicht aber auf der Fleher Brücke, wenn dort am Jahresende die Bauarbeiten beendet sind.
Letzte Hoffnung
Andere Maßnahmen (Lärmschutzwand, neue Fahrbahnübergänge) haben Bund und Land aus Kostengründen ebenfalls abgelehnt, so dass der CDU nur noch eine Möglichkeit bleibt, doch noch Sympathien in Flehe zu gewinnen. "Wir empfehlen, auf der Brücke den neuen Düsseldorfer Flüsterasphalt einzusetzen, dessen Wirkung zum Beispiel auf dem Kennedydamm enorm ist", sagt CDU-Fraktionschef Friedrich G. Conzen.
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