Noch vier Jahre Arbeit: Fleher Brücke bleibt Baustelle
VON JAN SCHNETTLER UND WERNER GABRIEL (FOTOS) - zuletzt aktualisiert: 13.08.2009 - 07:46Düsseldorf (RPO). Seit drei Jahren dauern die Arbeiten auf der A46-Autobahnbrücke an. Ein Ende der Verkehrsbehinderungen ist in weiter Ferne. Erst in vier Jahren ist alles komplett fertig – schlechte Nachrichten für Autofahrer, gute für Anwohner.
Die Anwohner der Fleher Brücke, die unter dem Verkehrslärm leiden, dürften diese Nachricht mit Freude zur Kenntnis nehmen: Die Chancen, dass auf Deutschlands höchster Schrägseilbrücke auch in den nächsten Jahren zumindest baustellenbedingt regelmäßig Tempo 80 gilt, stehen nicht schlecht. Denn: Wenn Anfang 2010 die Sanierungsarbeiten an den Tragseilen auf Düsseldorfer Seite beendet sind, erhalten auf Neusser Seite bis zum Sommer noch zwei Seilgruppen neuen Korrosionsschutz.
Danach werden die jeweils drei Fahrstreifen zwar zeitweise wieder in voller Breite zur Verfügung stehen, doch ein Ende der Arbeiten auf der Brücke ist kaum absehbar. In gut einem Jahr wird der Pylon für einen neuen Anstrich eingerüstet, die Fahrbahndecke wird saniert, der Korrosionsschutz des Stahlüberbaus erneuert. "Erst in vier Jahren wird die Brücke komplett fertig sein", sagt Joachim Minten, Abteilungsleiter Bau beim Landsbetrieb Straßenbau NRW.
Die Dauerbaustelle auf der Brücke besteht bereits seit Juni 2006 und hat eine noch deutlich längere Vorgeschichte. Als das Bauwerk zwischen 1976 und 1979 entstand, wurde für die Tragseile ein Korrosionsschutz verwendet, der damals als hochmodern angesehen wurde, sich jedoch schon während des Anstreichens als problematisch erwies: Die Beschichtung blätterte sofort wieder ab. Die Technik wurde zwar überarbeitet, dennoch traten 2003 bei Routinearbeiten "wunderliche Erscheinungen" auf, so Minten: In 100 Meter Höhe hingen aus einem der 96 Seile, die aus jeweils 300 Einzeldrähten bestehen, sieben dieser Drähte lose heraus.
Kyrill warf Arbeiten zurück
Eingehendere Überprüfungen ergaben, dass neun der 96 Seile komplett ausgetauscht werden müssen, was mittlerweile geschehen ist. Derzeit wird zudem der Korrosionsschutz der verbleibenden Seile erneuert. Dazu wird die alte Beschichtung mit Hilfe einer voll umhüllten Spezial-Seilbahn mit so genannter Schmelzkammerschlacke, einem Abfallprodukt aus Hochöfen, abgestrahlt. Anschließend werden die Seile mit drei Schichten Brückenseilfarbe sowie einer roten Deckschicht versehen.
"Die aufgetretenen Probleme waren zu keinem Zeitpunkt gefährlich, aber wenn wir bis zur turnusmäßigen Wartung gewartet hätten, hätte es irgendwann gefährlich werden können", so Minten. Da zudem eine Woche vor dem Orkan Kyrill im Januar 2007 Teile aus der Einrüstung auf die Straße fielen, ist die Baustelle ein Dreivierteljahr im Verzug. "Der neue Korrosionsschutz soll 30 Jahre halten", sagt Hans Piefer, Bauleiter an der Fleher Brücke.
Unterdessen kritisierte Grünen-Verkehrsexperte Norbert Czerwinski gestern den Einsatz der CDU für den Lärmschutz an der Brücke als reines "Wahlkampfgetöse": "Briefe schreiben reicht nicht." Minten übrigens ist einer Tempo-80-Regelung auf der Brücke gegenüber aufgeschlossen. "Der Lärm entsteht jedoch nur durch Laster , die offiziell sowieso nur 80 fahren dürfen, sich aber nie daran halten."
Wenn alles gut geht, ist die Brücke also 2013 frei befahrbar. Doch auch dann wird das Autofahrer-Glück von kurzer Dauer sein: 2015 steht die nächste Hauptuntersuchung an. "Wieder mit Beeinträchtigungen für den Verkehr", so Minten.
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