Einsatzkräfte kritisieren "unsoziales Verhalten": Fliegerbombe mit großer Verspätung entschärft
VON MAIKE SCHULTE - zuletzt aktualisiert: 08.06.2005 - 13:40Düsseldorf (dto). Mit fast einer Stunde Verspätung haben Experten des Kampfmittelräumdienstes am Mittwoch um 12.16 Uhr im Zooviertel eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Rund 200 Mitarbeiter von Ordnungs- und Servicedienst (OSD), Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen waren im Einsatz. Mindestens sechs Mal wurde die Entschärfung durch Personen gestört, die nicht wie vorgeschrieben ihre Häuser verlassen hatten, oder sich unzulässigerweise im Freien aufhielten. "Das unsoziale Verhalten kostet nicht nur den Sprengmeister Nerven, sondern verursacht auch immense Kosten", kritisierte Feuerwehrsprecher Heinz Engels.
Der Sprengkörper war in der vergangenen Woche bei Bauarbeiten gefunden worden. Da in der Umgebung zahlreiche Menschen leben und mehrere wichtige Straßen betroffen waren, erwiesen sich die Evakuierungen als aufwändig. Im Umkreis von 250 Metern mussten rund 5.500 Menschen nach Angaben der Stadtverwaltung ihre Wohnungen und Arbeitsplätze bis 10 Uhr verlassen. In einem Radius von 500 Metern durften sich weitere 7.000 Anwohner nicht im Freien aufhalten. Sie waren am Vortag durch Handzettel und Lautsprecherdurchsagen über die anstehende Entschärfung informiert werden.
Knapp 60 häuptsächlich ältere Menschen nutzten den Betreuungsservice in der Schulsporthalle an der Graf-Recke-Straße 96, darunter auch eine so skurrile Besucherin wie Gerda Bernhardis. Sie schob einen Kinderwagen auf den Schulhof. Insassen: drei Meerschweinchen mit Namen Charlotte, Rapunzel und Sissi. Für die Kinder des Martin-Wensing-Kindergartens bedeutete die Entschärfung vor allem eine willkommene Abwechslung. Sie besichtigten die Feuerwache an der Münsterstraße, probierten Feuerwehrhelme auf und warfen einen Blick in das Innenleben eines Löschzugs.
Die britische Bombe war nach Angaben von Sprengmeister Jost Leisten auf einen Baumstamm oder Astwerk geprallt, dadurch voller Holzsplitter. Außerdem war der Zünder deformiert. Die eigentliche Entschärfung verlief dennoch unproblematisch. Nach einer halben Stunde konnte der Zünder aus der Bombe per Fensteuerung herausgeschraubt werden. Seine Bestandteile wurden anschließend durch eine kontrollierte Sprengung unschädlich gemacht.
Die umfangreichen Straßensperrungen wurden im Anschluss an die Entschärfung aufgehoben, es kam zu zahlreichen Staus. Die Zugstrecke Düsseldorf-Duisburg war ab 11 Uhr für eine halbe Stunde unterbrochen worden. Fernzüge wurden umgeleitet, S-Bahnen in den Hauptbahnhöfen Düsseldorf und Duisburg angehalten.
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