Bestechung und Insolvenzverschleppung: Franjo Pooth kurz vor Anklage
zuletzt aktualisiert: 16.02.2009 - 08:22Düsseldorf (RPO). Nach der Verurteilung in einem Zivilverfahren wird gegen Franjo Pooth in wenigen Tagen wohl Anklage wegen Bestechung und Insolvenzverschleppung erhoben. Auch zwei Ex-Sparkassenmanager müssen sich verantworten.
Die Ermittlungen der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft gegen Franjo Pooth und dessen insolvente Firma "Maxfield" stehen kurz vor dem Abschluss. Schon in wenigen Tagen könnte gegen den Mann von Verona Pooth Anklage wegen Insolvenzverschleppung und Bestechung erhoben werden. Im Oktober vergangenen Jahres wurde der Unternehmer in einem Zivilverfahren bereits zur Rückzahlung von rund 1,8 Millionen Euro an die Commerzbank verurteilt.
Zuständig für die Ermittlungen ist Staatsanwalt Jochen Götte. "Wir gehen davon aus, dass wir bald eine Abschlussentscheidung präsentieren können", sagte Götte. "Auch die Ermittlungen gegen die Beschuldigten auf seiten der Stadtsparkasse Düsseldorf stehen vor dem Abschluss. Hier könnte es sein, dass in drei bis vier Wochen Anklage erhoben wird."
Gegen Franjo Pooths Ehefrau Verona wurde dagegen nicht ermittelt. Die früheren Sparkassen-Spitzenmanager Heinz-Martin Humme und Karl-Heinz Stiegemann sollen Pooth und Maxfield weitere millionenschwere Kredite bewilligt haben, obwohl sich die Firma angeblich längst in einer erheblichen finanziellen Schieflage befand. Es steht zudem der Vorwurf im Raum, dass Franjo Pooth großzügige Geschenke wie Fernseher oder eine Hifi-Anlage verteilt hat. Gegen Humme wird wegen Untreue, gegen Stiegemann wegen Untreue und Bestechlichkeit ermittelt. Die Stadtsparkasse fordert zudem Kredite in Höhe von neun Millionen Euro zurück.
Bevor es zur Anklageerhebung sowohl gegen Pooth als auch gegen die beiden Ex-Sparkassen-Vorstandsmitglieder kommt, eröffnet das Düsseldorfer Landgericht am Dienstag allerdings zunächst den Prozess gegen einen Trittbrettfahrer der Pooth-Affäre, der sich wegen Betrugs und Erpressung verantworten muss. "Der 56jährige Mann aus Aachen soll sich als eine Art Retter in der Not aufgespielt haben", sagt Landgerichts-Sprecherin Christina Schuster. Nach Bekanntwerden der Millionenpleite der MP3-Player-Firma Maxfield habe er sich gemeldet und behauptet, er vertrete solvente Investoren aus den USA, die der Pooth-Firma unter die Arme greifen wollten. Laut Anklage ließ er sich zunächst Maxfield-Unterlagen aushändigen, dann verlangte er angeblich ein Vermittlungshonorar von 250 000 Euro. Als Pooth nicht zahlte, soll der Mann an die Stadtsparkasse Düsseldorf herangetreten sein. "Er soll 150 000 Euro Schweigegeld gefordert haben", erläuterte Schuster, "sonst wollte er Unterlagen über die angeblich korrupten Verstrickungen der Sparkassen-Vorstandsmitglieder öffentlich machen."
Der Erpresser soll gedroht haben, DVDs mit Aufnahmen von angeblichen Bordell-Besuchen von Franjo Pooth und den Sparkassen-Verantwortlichen der Presse zuzuspielen. Pooths Anwalt stellte klar, dass es weder solche Besuche und demnach auch keine Aufnahmen solcher Besuche gegeben habe. Die Behauptungen des Erpressers seien frei erfunden. Die Sparkasse zahlte nicht, sondern wandte sich an die Polizei. Für den Angeklagten aus Aachen geht es vor Gericht nicht nur um eine mehrjährige Haftstrafe – als vielfach vorbestraftem Wiederholungstäter droht ihm Sicherungsverwahrung. Auch Pooth soll als Zeuge aussagen. Unklar ist, inwieweit er sich auf sein Aussageverweigerungsrecht berufen darf.
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