Die Ehepartner der OB-Kandidaten: Frau Elbers: Mein Mann mag Rosamunde Pilcher
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 28.08.2008 - 08:11Düsseldorf (RPO). Am Sonntag wählen die Düsseldorfer ein neues Stadtoberhaupt. Zwar gibt es sieben Kandidaten, entschieden wird das Rennen letzten Endes zwischen Dirk Elbers (CDU) und Karin Kortmann (SPD, Grüne). Egal, wer von beiden es wird – der jeweilige Ehepartner rückt dann auch ins Rampenlicht. Wir haben Astrid Elbers und Hans Hobelsberger getroffen.
Astrid Elbers, Ehefrau von CDU-Kandidat Dirk Elbers
Wann sie ihrem späteren Mann das erste Mal begegnet ist, weiß Astrid Elbers nicht so genau: „Dirk und ich waren Nachbarskinder, wir wohnten im selben Haus in Lierenfeld.“ Er war knapp sechs Jahre älter. Mehr als ein „Hallo“ im Hausgang hatte man sich viele Jahre lang nicht zu sagen. „Ich war ein braves Kind, das mittlere von drei Geschwistern“, sagte Astrid Elbers.
Irgendwann, sie war so 17, 18 Jahre alt, wurden die Blicke dann doch tiefer, man redete ein paar Sätze mehr miteinander, verabredete sich zum ersten Mal - beim Chinesen. „Tausendmal berührt“, sagt Astrid Elbers. Dann hat’s „Zoom“ gemacht, wie Klaus Lage in den 80ern sang.
Eine echte Jugendliebe mit vielen Gemeinsamkeiten: Beider Familien sind Düsseldorfer in vierter Generation, beide sind leidenschaftliche Tänzer („wir haben alle Abzeichen bis zum Gold-Star“), beide lieben klassische Musik und - sobald es die Zeit zulässt - Sport. Nur beim Fernseh-Geschmack gehen sie getrennte Wege: „Ich mag eher Tatort, er Rosamunde Pilcher.“ Dafür hat er die Fernbedienung in der Hand.
Unterwegs im 20 Jahre alten Polo
Vor mehr als 20 Jahren heirateten sie an einem verregneten Sommertag. Seitdem ist Astrid Elbers stets an seiner Seite: Karneval kostümiert im Partner-Look, bei repräsentativen Terminen vom Bruce-Springsteen-Konzert bis zum Henkel-Renntag, auf Parteitagen, auf Bällen und Schützenfesten. Natürlich auch im OB-Wahlkampf. Immer perfekt gekleidet, ein wenig im Hintergrund, ihm nie die Show stehlend.
Und dennoch für manche Überraschung gut: zum Beispiel, dass sie immer noch ihren roten, 20Jahre alten Polo fährt. „Ich liebe dieses Auto“, sagt sie über das Gefährt, das dieses Jahr wohl zum letzten Mal durch den Tüv kam.
Was sie an dem Nachbarsjungen fasziniert hat? „Seine Art. So ruhig, so gelassen, so unaufgeregt.“ Wie er heute noch sei. Natürlich war es auch seine Größe: Astrid Elbers ist 1,76 Meter, ein kleinerer Mann kam nicht in Frage. Dirk Elbers überragt sie um 20 Zentimeter. Da habe sie ihn immer gut im Blick, auch bei Massenveranstaltungen. „Da ich schüchtern bin, war ich froh, einen Beschützer zu haben.“
In die Rolle des Klischee-Weibchens, das sich dem Mann bedingungslos unterordnet, will sich Astrid Elbers aber nicht drängen lassen. Sie hat ihren eigenen Kopf. Das hat sie bewiesen, als sie vor zehn Jahren beruflich einen neuen Weg einschlug: Damals arbeitete sie als Personalchefin bei einer Henkel-Tochter und hatte viel mit Arbeitsrecht zu tun. Jura, das merkte sie, war ihr Ding. „Ich dachte, jetzt oder nie.“
Per Fernstudium machte sie ihr Abitur nach, hängte ein Jura-Studium dran. Vor zwei Wochen machte sie ihr Zweites Staatsexamen. „Beworben habe ich mich aber noch nicht.“ Denn noch ist Wahlkampf - und Astrid Elbers hat viele Verpflichtungen an der Seite ihres Mannes, der am Sonntag für die CDU Stadtoberhaupt werden will.
Seit rund 20 Jahren ist auch Astrid Elbers Mitglied der CDU. Politisch aktiv sei sie selbst aber nie gewesen: „Einer in der Familie reicht.“ Sie kennt die politischen Pflichten, ahnt, was als Frau eines OB auf sie zukommen könnte. Weshalb sollte man ihren Mann wählen? „Weil er verlässlich ist, zuhören kann, nah bei den Menschen ist - und weil er seine Heimatstadt liebt.“
Hans Hobelsberger, Ehemann von SPD-/Grünen-Kandidatin Karin Kortmann
Politikerinnen sprechen gerne von Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Karin Kortmann, rot-grüne Spitzenkandidatin für die OB-Wahl, kann guten Gewissens sagen, dass sie das vorlebt. Dass das funktioniert, liegt auch an ihrem Mann: Hans Hobelsberger ist emanzipiert. Nach der Geburt von Tochter Judith ist er zu Hause geblieben, bei seinem ein Jahr jüngeren Sohn Philipp ebenfalls. Dann setzte Kortmann aus und er arbeitete.
Insgesamt dreieinhalb Jahre war Hobelsberger im Erziehungsurlaub. Und damit oft genug der Exot auf Spielplätzen. „Ich habe immer schwere Lektüre mitgenommen“, sagt der studierte Theologe. „Damit niemand auf Idee kommt, mit mir über Windeln zu sprechen.“ Er musste nicht viel Lärm darum machen, dass er als Mann zu Hause blieb. „Das ist für mich eine selbstverständliche Leistung, die ich für meine Familie erbringe.“ Schließlich hatte sich Hobelsberger Anfang der 90er Jahre vor allem aus einem Grund in Karin Kortmann verliebt: Weil sie eine starke Frau ist.
Bayerische Gelassenheit
Im Erziehungsurlaub nur Papa zu sein, war ihm zu wenig. Ein Anker war der Sport, heute ist er Vorsitzender des Badminton-Clubs Düsseldorf. Er schrieb in dieser Zeit aber auch an seiner Doktorarbeit für den Lehrstuhl für Pastoraltheologie der Uni Regensburg, wo er zuvor als wissenschaftlicher Assistent gearbeitet hatte. Thema: das gesellschaftliche Engagement Jugendlicher. Sein Fazit: Die Jugend ist nicht so schlecht wie man ihr nachsagt. „Sie engagieren sich stark wie alle anderen Gruppen auch - aber eben nicht für Sachen, die ihnen von den Erwachsenen vorgesetzt werden.“
Wenn er über all das spricht, merkt man: Hobelsberger ist der ruhende Pol der Familie. Das mag an der bayerischen Gelassenheit liegen: aufgewachsen in dem 100-Seelen-Dorf Arbing in der Nähe von Passau als eines von fünf Kindern, zwischen Wald, Wiesen und Bauernhof. Als Ministrant lernte er noch das lateinische Stufengebet, und um das Gymnasium besuchen zu können, kam er ins Internat. Ins Bischöfliche Knabenseminar, die erste Stufe zum Priester. Priester wurde er schließlich nicht. Ebenso wenig wie Schreiner, „mein absoluter Traumberuf, ich liebe Holz“.
Die katholische Kirche ist aber bis heute seine Heimat, beruflich wie privat. Hobelsberger engagiert sich ehrenamtlich in seiner Heimatgemeinde Heilige Dreifaltigkeit, arbeitet in Teilzeit für die Deutsche Bischofskonferenz im Bereich Jugendforschung und Jugendseelsorge. Und zwar in dem Gebäude, wo er vor bald 20 Jahren Kortmann kennen lernte, damals Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend.
„Wir haben uns nicht auf Anhieb verliebt“, sagt Hobelsberger, „aber gingen in strategisch-politischen Fragen aufeinander los.“ Durchsetzungsfähig, charmant, einbeziehend, klare Standpunkte vertretend - das habe ihn damals wie heute an seiner Frau fasziniert. Deshalb hat er sie auch stets in ihrer Karriere unterstützt: Bundestagsabgeordnete, Parlamentarische Staatssekretärin und jetzt OB-Kandidatin. Weshalb Karin Kortmann wählen? „Mit ihr haben die Düsseldorfer jemanden, der ihre Stadt gut repräsentieren kann. Ihre größte Stärke ist, auf Menschen zuzugehen. Sie ist keine Zauderin, duldet keine Zweitklassigkeit und sprudelt vor Ideen.“
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