Sie gehe aus wirtschaftlichen Gründen weg aus Freiburg: Freiburger Intendantin Amélie Niermeyer will nach Düsseldorf wechseln
zuletzt aktualisiert: 21.12.2003 - 11:52Düsseldorf (dto). Der Wechsel scheint perfekt - Amélie Niermeyer, eine der umworbensten jungen Theaterintendantinnen, will von Freiburg nach Düsseldorf wechseln, vorausgesetzt, die Städte Freiburg und Düsseldorf einigen sich. Der Aufsichtsrat des Düsseldorfer Schauspielhauses hatte sich am Samstag einstimmig für die 38-Jährige entschieden. Niermeyer soll zur Spielzeit 2006 Nachfolgerin der Düsseldorfer Generalintendantin Anna Badora (52) werden. Die Stadt Freiburg hatte zuvor verärgert auf den geplanten Wechsel reagiert und auf den bis 2007 laufenden Vertrag Niermeyers verwiesen.
Der Freiburger Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach hatte von einem "nicht besonders freundlichen Umgang von Theatern untereinander" gesprochen. Niermeyer stehe in Freiburg bis 2007 unter Vertrag. "Wir können sie nicht ohne weiteres aus diesem Vertrag entlassen. Ein Aufhebungsvertrag kann nur einvernehmlich geschlossen werden."
Niermeyer verwies am Samstag jedoch auf eine Klausel in ihrem Vertrag. "Meine Arbeit in Freiburg ist stark geprägt von der wirtschaftlichen Situation. In meinem Vertrag habe ich aber eine Klausel, die mir erlaubt früher aus dem Vertrag zu kommen, wenn meine Arbeit von den Kürzungen zu stark beeinträchtigt wird." Sie habe die Stadt Freiburg schon früh darüber informiert, dass sie auf der Suche nach etwas anderem sei. Außerdem habe sie sogar aus Rücksicht auf das Freiburger Haus Angebote aus Stuttgart und Bochum abgesagt, weil sie dort bereits 2005 hätte anfangen müssen.
Der nordrhein-westfälische Kulturminister und Bühnen- Aufsichtsratsvorsitzende Michael Vesper (Grüne) erklärte am Samstag, die Entscheidung für Niemeyer habe nichts mit einem Herabsetzten der Arbeit von Badora zu tun. Mit Niermeyer wolle er aber auch das junge Publikum in die Theater holen. "Das ist eine große Chance für das Land und Düsseldorf", so Vesper. "Niermeyer verkörpert ein junges, ambitioniertes Theater wie kaum eine andere". Es sei sicher, dass sie dem Schauspiel in der Landeshauptstadt "ein unverwechselbares Profil geben wird".
Oberbürgermeister Joachim Erwin zeigte sich hocherfreit über die Abstimmung im Aufsichtsrat am Samstag. "Wir glauben, dass wir mit Amélie Niermeyer eine neue Handschrift ins Theater bringen." Das ist auch ein Anliegen der 38-Jährigen. "Der Spielplan soll sich thematisch orientieren, Schwerpunkte bilden", so Niermeyer. "Ich möchte unterschiedliche Handschriften im Theater haben, junge, freche und gewagte Handschriften". Mit einigen Schauspielern und Regisseuren aus dem bestehenden Ensemble wird sie weiterarbeiten, aber sie kündigte ebenfalls an, mit neuen Mitarbeitern für frischen Wind zu sorgen.
Niermeyer ist mit ihren Inszenierungen von Gegenwartsstücken und Klassikern wie Shakespeare oder Kleist bundesweit gefeiert worden. In ihrem ersten Freiburger Amtsjahr machte sie sich als Kämpferin gegen eine allzu rigorose Sparpolitik im Kulturbereich einen Namen. Sie sorgte unter anderem mit der Inszenierung von Theodor Fontanes "Effi Briest" und der Regie des spartenübergreifenden Stückes "Surrogate Cities" von Heiner Goebbels für Aufmerksamkeit. Die Mutter eines fünfjährigen Sohnes steht im Breisgau rund 400 Mitarbeitern vor und verantwortet ein Budget von knapp 24 Millionen Euro. "Meine Zukunft in Freiburg wird davon abhängen, ob das derzeitige künstlerische Niveau gehalten werden kann", hatte sie betont.
Wie die wirtschaftliche Situation im Kulturbereich Düsseldorfs in zwei Jahren aussieht, steht noch in den Sternen. Oberbürgermeister Joachim Erwin versprach jedoch am Samstag, dass er keine Kürzungen vorsehe, "eher noch in der kommenden Legislaturperiode etwas drauflegen wolle".
Von BIRGIT KRANZUSCH
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