Besonderes Engagement: Freiwillig Altgriechisch gepaukt
VON DIRKE KÖPP - zuletzt aktualisiert: 05.06.2009 - 07:50Düsseldorf (RPO). 13 Schüler der Klassen elf bis 13 des Ursulinen-Gymnasiums haben sich drei Jahre lang aus Interesse, nicht Zwang mit der Sprache der Hellenen beschäftigt. Gestern legten sie ihre Prüfung für den Abschluss Graecum ab.
Auch wenn ihre beiden Lehrer es nicht gern zugeben: Einige schlüpfrige Vokabeln haben die Schüler des Ursulinen-Gymnasiums in den Jahren, in denen sie Altgriechisch gelernt haben, natürlich schon mitbekommen. Obwohl natürlich eigentlich Homer, Euripides und andere griechische Klassiker auf dem Lehrplan der Schüler standen.
Freiwillig hatten die 13 Gymnasiasten aus den Klassen elf bis 13 drei Jahre lang das altgriechische Alphabet, Grammatik und Vokabeln gepaukt. Und freiwillig nahmen sie gestern am mündlichen Teil der zentralen Prüfung zum Erwerb des Graecums teil. Den schriftlichen Teil hatten sie schon Anfang Mai hinter sich gebracht.
Die Motivation der Schüler ist unterschiedlich: Während Christina Kiriakou, Griechin, gern ihre eigene Sprache, das ganz andere Neugriechisch, und deren Ursprung verstehen wollte, würde Jan-Felix Stolz später beruflich gern etwas mit Geschichte machen – und da ist das Graecum schon allein fürs Studium hilfreich. Andere setzen auf eine Zusatzqualifikation für spätere Bewerbungen um einen Job oder ein Stipendium.
Dass die Arbeitsgemeinschaft (AG) "Hellas" existiert, ist der Initiative der Altgriechisch-Lehrer Werner Dresken und Jörg Andreas Epping zu verdanken. "An unserer Schule wird kein Altgriechisch-Kursus angeboten, und für uns war es daher anfangs ein Experiment, ob eine AG überhaupt angenommen würde", sagt Dresken. Doch inzwischen absolviert schon der vierte Jahrgang die Prüfung.
Das Übersetzen von der "Odyssee" oder "Herakles" war für die Prüflinge manchmal etwas gewöhnungsbedürftig. Doch mit der Zeit haben sie Unterschiede zwischen den Texten erkannt. "Euripides war leichter zu lesen als Homer", sagt Jan-Felix Stolz. In einem sind sich die Schüler jedoch einig: Der Homer-Text der schriftlichen Prüfung war nichtssagend. "Man konnte sich nicht richtig hineindenken", sagt Johanna Burtscheidt, und Florian Bersch ergänzt: "Dadurch war der Text schwerer zu übersetzen."
Neben den wöchentlichen freiwilligen Unterrichtsstunden gab es im vorigen Herbst als besonderen Ansporn eine Studienreise: Elf Tage verbrachten die 13 und ihre beiden Lehrer in den Ferien an den historischen Stätten in Athen, Delphi, Olympia, Korinth und Mykene. "Das war gut, weil man sich, nachdem man die ganzen Kulturstädte gesehen hatte, besser vorstellen kann, was man im Unterricht liest", sagt Johanna Burtscheidt. Und die Gruppe sei zusammengewachsen, findet Sebastian Kluger. "Wir waren so viel besser auf die Prüfung eingeschworen." Zudem hatten sie noch vor der Abreise gemeinsam einen Reiseführer selbst erstellt.
Trotz aller guten Vorbereitung auf die Prüfung (Dresken: "Die Schüler müssen schon viel zu Hause arbeiten.") setzten die Prüflinge für den Abschlusstest aber nicht nur auf Gelerntes. "Ich habe mir das Griechischwörterbuch unters Kopfkissen gelegt", gibt Abiturientin Jessica Voller grinsend zu. "Ich bin zwar nicht abergläubisch. Aber bei den Abi-Prüfungen hat das auch geholfen."
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