"Große Kunstausstellung NRW Düsseldorf": Leistungsschau im Kunstpalast
VON BERTRAM MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 11.02.2011 - 08:11Düsseldorf (RPO). Die "Große Kunstausstellung NRW Düsseldorf" im Museum Kunstpalast umfasst Malerei, Skulptur, Fotografie, Grafik und Elektronisches von insgesamt 190 Künstlerinnen und Künstlern – eine alljährliche Verkaufsschau, die sichtlich in die Jahre gekommen ist.
Spricht man die Veranstalter der "Großen Kunstausstellung NRW Düsseldorf" darauf an, dass dies mittlerweile ein Angebot vor allem an die Generation 50 plus, wenn nicht 60 plus sei, hört man Beschwichtigendes: Der Anteil junger Künstler in der Schau sei stetig gestiegen und auch diesmal beachtlich – besser jedenfalls als noch vor einem Jahrzehnt.
Dreht man dann eine Runde durch die Ausstellung, ist man fast gerührt: Obwohl die Jury mittlerweile von Jahr zu Jahr wechselt, trifft man auf dieselben Namen wie eh und je. Selbstverständlich hat auch der eine oder andere Neuling Eingang gefunden, doch insgesamt wirkt die Große Düsseldorfer wie eine geschlossene Gesellschaft.
Früher verstanden es die Hauptorganisatoren sogar, sich selbst immer wieder mit Werken in der Ausstellung zu platzieren – nach dem Motto: Wer so viel ehrenamtliche Arbeit leistet, soll dafür auch belohnt werden. Heute lässt sich das Gleichmaß der Schau vielleicht damit erklären, dass sich immer wieder dieselben bewerben.
Die „Große Düsseldorfer“ wird am Samstag, 12. Februar, um 18 Uhr im Schumann-Saal des Museums Kunstpalast am Ehrenhof eröffnet.
Dauer bis 6. März, Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr
Eintritt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro
Katalog 18 Euro
Oliver Keymis, Vizepräsident des NRW-Landtags, wird zur Eröffnung den Kunstpreis der Künstler an Horst Egon Kalinowski und den Förderpreis an Clemens Botho Goldbach überreichen.
Geboten wird viel: Werke von 190 Künstlerinnen und Künstlern auf drei Stockwerken, ein wenig sortiert nach Gattungen. Zum Ritual – rührend auch dies – gehört, dass der inzwischen 76-jährige Düsseldorfer Künstler und ehemalige Akademieprofessor Konrad Klapheck mit zwei Arbeiten vertreten ist. Unweit davon ein weiterer Dauergast: die Zeichnerin Astrid Feuser mit ihren Comicfiguren, diesmal zum Düsseldorfer Karneval.
Im ersten Obergeschoss hängt Günther Zins' "Merkwürdiger Körper" aus Edelstahl – sehr ästhetisch – just an dem Wandplatz, an dem ein anderer merkwürdiger Körper desselben Künstlers schon in einer früheren Ausstellung hing. Immer wieder gern gesehen auch Hermann Josef Kuhnas Farbtupfer-Malerei, diesmal unter den Titeln "mongol inspiration" und "Korallenrasen". Im zweiten Obergeschoss reiht sich beziehungslos Gemälde an Gemälde.
Im obersten Geschoss ehrt die "Große Düsseldorfer" einen Altmeister: den 87-jährigen Horst Egon Kalinowski, in diesem Jahr Träger des "Kunstpreises der Künstler". Der Kalinowski-Raum immerhin ist ein schöner Abschluss des Rundgangs. Es riecht nach Leder, dem Lieblingsmaterial dieses Bildhauers, Leder wächst unter seinen Händen wundersam mit anderen Materialien zusammen. Auf einer großen Leinwand vereinen sich ein Fell und ein dicker Ledergürtel; in einem Objekt setzt sich ein Ledersäckchen in einer Schnecke aus einer Baumscheibe fort. Und ein paar von einem Lederband zusammengehaltene Holzplanken formieren sich zu einem urtümlichen "Koffer der Titanic". Kalinowski, gebürtiger Düsseldorfer, ist auch in Paris zu Hause, ein großer Verwandler von Fundstücken, an dem ebenso das französische Kunstpublikum Gefallen findet.
Auf demselben Stockwerk wie Kalinowski führt Gerhard Hahn sein "Ganglion" vor, ein zeppelinartiges, durchsichtiges Gebilde, dessen Kabel im Inneren bläulich schimmern. Alle Werke der Ausstellung sind verkäuflich, teilweise schon verkauft. Zum Beispiel die beiden Porträts von Gerhard Richter, die der Fotograf Benjamin Katz 1984 und 1995 schuf.
Die Preise reichen von 300 Euro (für einen kleinen, ungegenständlichen Holzschnitt des Niederländers Cees Andriessen) bis zu jenen 19 800 Euro, die der in Düsseldorf lebende Klaus U. Hilsbecher für "Murjonas" verlangt, eine elfteilige gläserne Decken-Installation, oder gar zu jener "Autobiografischen Datenbank" aus 72 Teilen, welche die in Berlin lebende Andrea Übelacker für 28 800 Euro anbietet. Schon mit einigen hundert Euro allerdings lässt sich Grafik erwerben, die Freude macht.
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