Sport-Info Düsseldorfer Lauftreffs: Rennhamster laufen nicht, um andere zu überholen
zuletzt aktualisiert: 09.03.2004 - 13:15"Hetzen? Nein, das ist nicht unsere Sache. Wir haben keine Lust auf diese Jagd nach Bestzeiten", sagt Lothar Windemuth. Der Bilker hat 1999 gemeinsam mit Freunden die Laufgruppe "die Rennhamster" gegründet. Der Name soll dabei Programm sein: "Wir wollen so lustig und verrückt sein, wie wir uns dieses Fabelwesen vorstellen."
"Wir laufen nicht, um andere zu überholen", sagt der EDV-Mann. "Ich bin beruflich schon der "Ober"-Stresser, da muss ich das nicht auch noch in der Freizeit und beim Sport haben. Bei uns geht es ausschließlich um die Lust an der Bewegung, das Treffen mit Freunden und die Entspannung." Während andere Laufgruppen oft sogar mit finanziellen Anreizen versuchen, einen Star zu bekommen, sind die Rennhamster stolz, keine solche Gallionsfigur in ihren Reihen zu haben. "Wir brauchen keine Aushängeschilder, die in unserem Trikot in jedem Rennen ganz vorne mitlaufen." Eine Ein-Man-Show mache das Gruppengefühl einfach kaputt.
Froh ist Windemuth, dass sich die relaxte Stimmung in der Gruppe herumgesprochen hat. Da komme schon mal jemand, der in Roth eine tolle Zeit gelaufen ist. Und der suche dann bei ihnen Entspannung. "Er will mit uns joggen, ohne ständig auf die Uhr sehen zu müssen." Aber wenn da mal doch "so ein Schneller wie der Fortune Nils Busch" bei ihnen mitlaufen wolle? "Klar, wenn er Spaß daran hat, mit uns durch die Parks zu laufen. Am Wochende können und wollen wir ihn dann nicht daran hindern, bei den Volksläufen um die besten Zeiten und Plätze zu rangeln."
Bei diesem "Anti-Ehrgeiz" ist es nur konsequent, dass Windemuth auch nicht über seine persönliche Bestzeit redet. "Ich war schon mal schneller", sagt der Mitt-Vierziger. "Denn wir funktionieren als Gruppe, und wenn sich da jemand in den Vordergrund spielt, dann geht da alles kaputt."
Die Rennhamster verstehen sich als "virtueller Lauftreff". "Wir werden nicht von der Struktur eines Vereins und dessen Satzung zusammen gehalten. Das wäre uns viel zu starr und eng.Wir wollen frei, flexibel und nicht gebunden sein", sagt Windemuth, der unter "www.rennhamster.de" die Internet-Präsenz der Gruppe aufbaute. "Das ist das Medium, das uns zusammen hält."
Auf der Homepage sind die Erlebnisberichte von den Wochenendläufen versammelt. Übers Netz verabreden die Rennhamster sich auch. Diese Freiheit, die Treffpunkte und Zeiten frei verabreden zu können, genießen die Rennhamster. Bei ihnen gibt es im Gegensatz zu den oft "verbindlichen und unflexiblen Trainingszeiten der Laufgruppen der Vereine" (Windemuth) nur unverbindliche Verabredungen. "Wir versuchen, das Chaos zur Struktur zu machen", sagt Windemuth.
Von FALK JANNING
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