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Komödie mit Kalle Pohl: So lustig kann erben sein

VON REGINA GOLDLÜCKE - zuletzt aktualisiert: 16.07.2010 - 07:29

Düsseldorf (RPO). In der Komödie an der Steinstraße hatte das Stück "Denn sie wissen nicht, was sie erben" Premiere. In den Hauptrollen begeisterten der Kölner Komiker Kalle Pohl und der "Lindenstraßen"-Star Andrea Spatzek.

Kein Grund zur Trauer: Szene mit Kalle Pohl, Momme Mommsen und Andreas Spatzek.  Foto: RP, Andreas Bretz
Kein Grund zur Trauer: Szene mit Kalle Pohl, Momme Mommsen und Andreas Spatzek. Foto: RP, Andreas Bretz

Von Anfang an hat er ein leichtes Spiel. Es reicht, dass Kalle Pohl im gestreiften Schlafanzug über den Boden krabbelt und Tantes Gebiss aufklaubt – schon fliegen ihm die Herzen in der "Komödie" zu. Auch Andrea Spatzek, Star aus der "Lindenstraße", wird mit Auftrittsapplaus bedacht. Die Uraufführung "Denn sie wissen nicht, was sie erben" beginnt flott und lustig.

Pohl kalauert munter vor sich hin. Jeder Satz ein Treffer, manchen Gag hat er selbst beigesteuert. Er war es auch, der seinen Freund Erich Virch, bisher bekannt als Autor für Kabarett- und Liedertexte, ausdrücklich zu dessen Boulevard-Erstling ermuntert hat. Mit dem eindeutigen Gesuch: "Setz dich auf den Hintern und schreib mir ein knackiges Stück!" So kam die Auftrags-Produktion der "Komödie" zustande. Und tatsächlich, auf der Düsseldorfer Bühne ist der beliebte Kölner Komödiant ganz in seinem Element.

Info

Bis 26. August zu sehen 

Nächste Vorstellungen Heute 20 Uhr, morgen 17 und 20 Uhr, Sonntag 18 Uhr, Dienstag und Mittwoch jeweils 20 Uhr

Kartenpreise Zwischen 14 und 31 Euro

Laufzeit Bis 26. August

Karten-Hotline Telefon 133707

Adresse Steinstraße 23

www.komoedie-steinstrasse.de

Das Geschehen setzt nächtens ein. Tante Witha, unter deren komfortablem Dach das Ehepaar Buschmeier lebt, rutscht von der Leiter und wird mit Blaulicht in die Klinik eingeliefert. Der Sturz der Nervensäge könnte ihr jähes Ende bedeuten, schwant den Verwandten.

Kein Grund zur Trauer, denn man würde sie ja beerben. Steuerberater Dietrich Buschmeier (Kalle Pohl) träumt bereits von einem stattlichen Segelboot, seine Frau Edith (Andrea Spatzek) von einer Töpferwerkstatt auf Mallorca. Doch dann löst der zufällige Fund des Testaments blankes Entsetzen aus. Das Vermächtnis zwingt das aufgescheuchte Paar zum Handeln und löst einen aberwitzigen Reigen an Verwicklungen aus. Auf der Klaviatur der Absurditäten vermögen der drollige Kalle Pohl und die uneitle Andrea Spatzek souverän zu spielen.

Sobald der Gatte überschäumt, weist sie ihn abgeklärt in die Schranken, beide überzeugen in jeder Szene. Richtig Spaß macht es, wenn er über männliche und weibliche Tugenden und Fertigkeiten schwadroniert und sich mit ihr ein spitzzüngiges Wortgefecht liefert.

Die anderen Figuren fallen dagegen stark ab. Nicht die Schauspieler sind dafür verantwortlich zu machen, sondern der Autor, der sie mit schriller Überzeichnung zu eindimensionalen Karikaturen verkommen lässt. Vetter Eugen (Momme Mommsen) ist ein grinsender Tor, die lispelnde Nachbarin Doris (Ruth Willems) muss auf doof und sexy machen. Die strenge "barmherzige Schwester" verlangt Michaela Klarwein zu viel der Klamotte ab, die sie dennoch tapfer durchzieht. Silvana Sansoni tritt als Tante Witha mit Silberlöckchen-Perücke und Brille als Kopie der krähenden Sophia aus "Golden Girls" auf. Dass Kalle noch lustvoll eins draufsetzt und im Tanten-Kostüm den bizarren Schlussakkord einleitet, ist dann wieder herzlich komisch.

Niemand erwartet von einem Schwank präzise Logik. Das ist bei "Denn sie wissen nicht, was sie erben" nicht anders. Es darf auch ruhig mal derbe gelästert werden – etwa über die Schwerhörigkeit der betagten Tante oder unschöne Befindlichkeiten im Alter. Ob es dagegen gefällt, dass die Urne mit der Asche des verblichenen Nachbarn buchstäblich zum Spielball wird, ist Geschmackssache.

Auch wenn man dem von Dominik Paetzholdt temporeich inszenierten Stück manche Ungereimtheit verzeiht – auf den penetrant wiederholten Zumwinkel-Gag, der eine Verbindung zum Post-Steuersünder vorgaukelt, hätte man besser verzichtet. Weil aber der bestens aufgelegte und beliebte Kalle Pohl Dreh- und Angelpunkt der Bühnen-Turbulenzen ist und alle anderen mitreißt, kennt die Begeisterung beim Großteil des Premieren-Publikums keine Grenzen. Es fühlt sich prächtig unterhalten, quietscht vor Vergnügen und spendet dem Ensemble stehend Applaus.

Quelle: RP

 
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