Bauernhof als Ausflugsziel: Wo Kinder Landluft schnuppern können
VON SEBASTIAN QUILLMANN - zuletzt aktualisiert: 15.07.2009 - 11:57Viele Kinder kennen das Wirtschaften auf einem Bauernhof und die Arbeit mit Tieren und Pflanzen nicht mehr. Wir stellen vier Höfe aus der Region vor und geben Tipps, worauf Eltern und Lehrer achten sollten, die einen Ausflug oder Urlaub auf einem Hof planen.
Wenn Eltern oder Lehrer einen Bauernhofaufenthalt planen, sollten sie sich zunächst die Frage stellen „Was will ich den Kindern überhaupt zeigen“, erläutert Hans-Joachim Meyer zum Felde. Der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof empfiehlt: „Wenn man die Grundlagen der Landwirtschaft vermitteln will, sollte man einen wirtschaftlich aktiven Hof suchen.“
Wolle man hingegen zunächst einmal den Kontakt zu Tieren und Pflanzen herstellen, „sind Betriebe zu empfehlen, die sich darauf spezialisiert haben und damit ihr Geld verdienen – etwa Schulbauernhöfe.“
Kinder sollen mit anpacken dürfen
Auch für die Ferien auf dem Bauernhof mit der Familie empfiehlt der Experte, den Hof sorgsam auszuwählen. „Am schönsten ist es, wenn die Kinder auf einem aktiven Hof mitarbeiten können, etwa beim Füttern oder Melken helfen.“ Dem gegenüber gebe es Betriebe, „die vermitteln, sie seien ein aktiver Hof, obwohl dort seit Jahren keine Landwirtschaft mehr stattfindet“, sagt Meyer zum Felde.
Eltern und Lehrer sollten daher Zeit in die Auswahl des Hofs investieren, rät er. Viele Lern- und Ausflugsbauernhöfe haben ausführliche Internet-Seiten, auf denen sie sich und ihr Angebot darstellen. „Außerdem kann man dort immer anrufen, um sich ein Bild zu machen und um Fragen zu stellen“, so Meyer zum Felde.
Gut Hixholz
Auf den Seiten des Vereins finden sich zahlreiche Höfe, die sich der Arbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof angeschlossen haben. Einer davon ist das Gut Hixholz in Velbert. Der Hof ist ein Familienbetrieb mit Milchviehhaltung, Kartoffel- und Getreideanbau. Bäuerin Claudia Greshake ist Biologin und ausgebildete Erlebnispädagogin.
Gut Hixholz bietet verschiedene Tages- und Halbtagesprogramme für Kindergruppen an. Am gefragtesten ist das Programm „Tiere erleben“, sagt Claudia Greshake. „Füttern, streicheln, auf die Weide zu den Tieren gehen – wir gucken nicht nur, wir machen auch was“, sagt die Bäuerin. „Wir haben häufig Klassen, die hier die Geburt eines Kälbchens miterleben“.
Kurse, die aus mehreren Terminen bestehen, ermöglichen Kindern einen tieferen Einblick in die Landwirtschaft. Sie können zum Beispiel das Wachstum der Kartoffeln mitverfolgen „vom Pflanzen über die Blüte bis zur Ernte“.
Der Reubaho
Auch der Reubaho in Geldern ist ein aktiver Familienbetrieb mit Ackerbau und Rinderhaltung. Bäuerin Miriam Reummen ist Sozialpädagogin. Die Angebote auf ihrem Hof sind zwar auf Gruppen und Schulklassen zugeschnitten und grundsätzlich ohne Übernachtungen gedacht, aber die Kooperation mit einem nahegelegenen Heu-Hotel ist möglich.
Jahreskurse ermöglichen es Kindern, den Bauernhof im Jahreslauf kennenzulernen. Bei zehn dreistündigen Terminen lernen sie so die Zusammenhänge des landwirtschaftlichen Arbeitens. Ein mögliches Thema ist „Wissen, wo unser Essen herkommt.“ Die Kinder können Weizen und Kartoffeln von der Aussaat bis zur Ernte begleiten.
Für Tagesausflügler veranstaltet der Reubaho seine Bauernhoftage am ersten Samstag eines Monats. Vieles ist möglich, ob Tiere füttern, Pony-Reiten, Trecker fahren oder selbst bei der Kartoffelernte mit anpacken. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Der Poenenhof
Klassische Ferien auf dem Bauernhof bietet der Poenenhof in Uedem. Auch Margret und Günter Derksen verdienen ihr Geld nach wie vor mit der Landwirtschaft. Der Betrieb hat über 90 Kühe und zahlreiche Kälber. Mit sechs Ferienwohnungen und einem Heu-Hotel richtet sich das Angebot des Hofs sowohl an Familien als auch an größere Ausflugsgruppen.
„Die Kinder dürfen zu den Tieren, auch in den wirtschaftlichen Anlagen. Hier ist alles offen“, sagt Bauer Günter Derksen. Nicht nur Streicheln sei erlaubt, auch beim Füttern und Melken dürfen die Kinder zuschauen und mithelfen.
Ansonsten ist viel Bewegung angesagt: Toben im Heu, Fußball- und Volleyball-Spielen, Sackhüpfen, Klettern, Trampolin-Springen und Klettern. In der Umgebung des Hofs gibt es viele Ausflugsziele, die zu Radtouren oder Wanderungen einladen.
Der Berderhof
Der Berderhof in Willich ist ebenfalls ein aktiv bewirtschafteter Hof. „Wir bauen Rüben und Weizen an, haben Rinderhaltung – und ein paar Hühner, aber die nur für den Spaß“, sagt Bäuerin Cornelia Heyes. Sie ist Sozial- und Erlebnispädagogin und außerdem Fitnesstrainerin. Heyes verknüpft das Lernen auf dem Bauernhof mit Spiel und Bewegung.
So springen die Kinder vor dem Hoftor hin und her, wenn sie beim Spiel „Eins, zwei oder drei“ entscheiden müssen, für welche Antwort sie sich auf welchem Feld aufstellen wollen. Wie viele Zitzen hat eine Kuh? Gibt ein Bulle Milch? Solche Fragen werden im Spiel beantwortet.
In Spielen und Rätslen lernen die Kinder den Hof, die Maschinen und die Tiere kennen. Es gibt sowohl Programme für Gruppen als auch solche, zu denen Eltern ihre Kinder einzeln anmelden können. Auch für Ausflügler ist der Hof offen. „Familien können immer vorbeikommen und die Tiere anschauen – allerdings ohne Programm“, sagt Cornelia Heyes.
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