"Circus Probst": Zirkus gastiert am Staufenplatz
VON UTE RASCH - zuletzt aktualisiert: 02.02.2012 - 07:19Düsseldorf (RPO). Mira (5) hat blonde Zöpfchen und große Pläne: „Ich will Clown werden!“ Jetzt sitzt sie in der ersten Reihe des „Circus Probst“, damit sie nichts verpasst. Ihr Großvater, der sich als „kritischen Geist“ bezeichnet, interessiert sich eher für den ernsten Hintergrund des Manegenspektakels: „Man hört ja jetzt so viel, dass Tiere im Zirkus verboten werden sollten. Darf man da überhaupt noch guten Gewissens hingehen?“
Nun will er sich selbst ein Bild machen von dieser kleinen Welt vor und hinter dem roten Samtvorhang. Eins vorweg: Das Hinschauen lohnt sich, selbst aus so verschiedenen Blickwinkeln. Die Nacht war eisig, auch am Morgen wirkt die kleine Zeltstadt am Staufenplatz wie erstarrt. Aber die ersten Kartenkäufer trotzen der Kälte und Brigitte Probst (52), die Chefin, startet ihren ersten Rundgang.
Vorbei an den Ziegen, die sich ein Außengehege mit den Lamas und Emus teilen. Dann ins Zelt zu den beiden Watussi-Rindern Rosi und Peter, zu den Kamelen und Dromedaren, „die stammen aus der Mongolei und aus Sibirien, die haben ein dickes Fell.“ Selbst die Zebras, alle im Zirkus geboren, seien abgehärtet. Wenn der Dauerfrost allerdings bleibt, bekommen sie eine Heizung.
Besuchern ihre Gehege und Zelte zu zeigen, gehört bei Probst zum Programm. Auch deshalb: „Der Bundestag hat zwar im Dezember ein Tierverbot für den Zirkus abgeschmettert, aber bei vielen Menschen bleiben Fragezeichen“, meint Brigitte Probst. Deshalb demonstriert das Familienunternehmen, dass bei ihm kein Tier angebunden wird, dass die Pferdeboxen viel Platz bieten, mehr als in manchem Reiterhof üblich.
Und dass immer wieder Nachwuchs geboren wird: Erst ein paar Tage alt ist ein Dromedar-Baby, als Ereignis galt auch die Geburt eines Zebroids (Mutter Zebra, Vater Pony). Der erste Besucher des Düsseldorfer Gastspiels war wie immer der Amtsveterinär, der die Unterbringung der Tiere, ihren Gesundheitszustand, Pflege und Futter überprüft - eine lange Liste, die Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes vorschreibt.
Außerdem können sich Kommunen in einem deutschen Zentralregister erkundigen, ob ein Zirkus in einer anderen Stadt bereits Probleme bereitete. Auf Nachfrage der Rheinischen Post bestätigt Klaus Meyer, Leiter des Amtes für Verbraucherschutz, dass der „Circus Probst“ bei der Überprüfung sehr gut abgeschnitten hätte. „Da gibt es nichts zu beanstanden.“ Könnte sich die Familie ihren Zirkus ohne Tiere überhaupt vorstellen? Die Antwort ist eindeutig: „Wir würden nicht überleben.“
Später in der Manege rücken sie diesen Satz ins Scheinwerferlicht. Wenn Reinhard Probst und seine Tochter Stefanie (25), die als Deutschlands jüngste Tiertrainerin gilt, ihren „rollenden Zoo“ präsentieren. Die Kinder im Publikum bestaunen beides: Stefanies goldenes Abendkleid und die Lamas, die leichtfüßig über hockende Dromedare hopsen. Selbst Miras Großvater meint anerkennend: „Das ist schon was anderes als Fernsehen, wenn Sägemehl fliegt und man die Tiere riechen kann.“
Auch den Gesichtern der Artisten ist aus nächster Nähe anzusehen, dass ihr Können mit Fleiß und Schweiß erkämpft ist. Die temperamentvolle Truppe aus Kuba, mit der der „Circus Probst“ seit zwei Jahren unterwegs ist, bietet ein starkes Repertoire und beweist scheinbar federleicht, dass auch eine Menschenpyramide noch Seilchenspringen kann.
Vielseitig sind sie auch: Die Blondine, die in der Pause Eis verkauft, wird man später wiedersehen, wenn sie ihren Köper in einem Reifen verbiegt. Während das Programm sich dem Finale nähert, sitzt Brigitte Probst im Bürowagen - und rechnet: 1000 Euro Futterkosten pro Woche, 20.000 Liter Heizöl für ein Drei-Wochen-Gastspiel - das muss erst mal erwirtschaftet werden. „Aber der größte Batzen sind die Lohnnebenkosten“, meint die Manegen-Managerin.
Könnte sie sich ein anderes Leben vorstellen? „Niemals! Wenn ich mal ein paar Tage weg bin, krieg' ich Heimweh nach dem Zirkus.“ Inzwischen sind die letzten Takte der Musiker verklungen. Mira (5) hat die Clownesse bewundert (Sonja Probst), urkomisch mit kessem Lockenwickler. Ihr Entschluss steht fest: „Das will ich auch!“ Ihr Großvater verdreht nur still die Augen.
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