kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Studenten aus Nahost: Freundschaft unter Feinden

VON STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 10.03.2010 - 07:30

Düsseldorf (RPO). Katharina Arditi (25) kommt aus Israel, Imad Al-Kilani (35) ist Palästinenser. Sie wuchsen mit der Feindschaft ihrer Völker auf. Nun studieren beide an der Uni Düsseldorf. Ihr Studiengang European Studies soll einen Beitrag zum Frieden leisten. Das Experiment scheint zu gelingen.

Imad Al-Kilani und Katharina Arditi im Düsseldorfer Hafen.  Foto: RP
Imad Al-Kilani und Katharina Arditi im Düsseldorfer Hafen. Foto: RP

Es war an einem kalten Oktobertag, als sich neun Palästinenser und zwölf Israelis in Düsseldorf trafen. "Wir wussten nicht einmal, wie wir uns begrüßen sollten", erzählt Katharina Arditi. Sie habe sich so unbeholfen wie ein Kindergartenkind gefühlt. Jeder misstraute der anderen Studenten-Gruppe und wägte Worte sehr genau ab.

Nun, fast ein halbes Jahr später, hat sich für viele Teilnehmer die Welt verändert: Katharina Arditi (25) und der Palästinenser Imad Al-Kilani (35) sind Freunde geworden. Von "Vertrauen" spricht Imad, und Katharina will demnächst sogar seine Familie besuchen.

Lernen auf neutralem Boden

Damit scheint ein Experiment zu gelingen, das im Stillen an der Universität Düsseldorf startete. Die Verantwortlichen schirmten die Teilnehmer lange ab, um sie zu schützen. Unbeobachtet sollten sie aufeinander zugehen können, im Seminar und in der Freizeit.

Gemeinsam streben Katharina und Imad auf neutralem Boden einen Master in "European Studies" an. Der Studiengang ist einzigartig in Europa und wurde vom ehemaligen isrealischen Botschafter Avi Primor, dem palästinensischen Universitäts-Präsidenten Sari Nusseibeh und dem jordanischen Prinz Hassan ins Leben gerufen. Das Ziel ist ein Beitrag zum Frieden in Nahost. "Dabei können wir von der europäischen Integration lernen", erklärt Imad die Hintergründe.

Seit Oktober sind die Studenten nun in Düsseldorf unterwegs. Allein diese Erfahrung verbindet. "Wir teilen gleiche Eindrücke über die Deutschen, das Essen und den kalten Winter", sagt Katharina. "Ich finde die Deutschen sehr berechnend und vermisse manchmal die Spontaneität und Emotionalität zu Hause", sagt Imad, der tief bewegt ist, wenn er über die Konflikte in seiner Heimat spricht und sein Volk in der Verliererrolle sieht.

Imad ist der jüngste Sohn seiner Familie. "Meine Mutter hat Angst, dass mir Europa so gut gefällt und ich nicht zurückkomme, weil das Leben in den besetzten Gebieten schwierig ist", sagt er. Aber er sei jedes Mal zurückgekommen. Mehrmals pro Woche ruft er die Familie an, die seit Generationen in Westbank nahe der Stadt Jenin liebt. "Die Stadt ist berühmt für Landwirtschaft und das Massaker im Jahr 2002", sagt er mit einer hilflosen Traurigkeit.

Beim interkulturellen Verein Mosaik in Düsseldorf hielt Imad kürzlich einen Vortrag über die Geschichte Palästinas. Seine ersten Worte lauteten: "Es gibt in diesem Fall keine objektive Geschichte." Im Publikum saßen seine palästinensischen Kommilitonen – und Katharina. "Ich wollte ihn dort unbedingt unterstützen", sagt sie. Imad sorgte sich ein wenig, dass er die Freundin mit seinen Ansichten verletzen könnte.

Beide haben jedoch längst vereinbart, dass persönliche Befindlichkeiten außen vor bleiben. Sie wollen offen sprechen und sind einen Schritt weiter auf der Brücke zum anderen gegangen als manche Kommilitonen. "Natürlich gibt es immer noch diese zwei Gruppen im Studium", sagt Katharina. Das sei allein schon wegen der Sprache so. Die Palästinenser ziehen sich zurück und sprechen arabisch, die Israelis hebräisch.

Im Sommer kommen auch Jordanier

Bislang steht der Studiengang nur diesen beiden Gruppen frei. Ab dem Sommer werden außerdem Jordanier aufgenommen. Alle Teilnehmer durchlaufen ein zweistufiges System. Katharina hat das erste Jahr an der Universität Herzliya in Israel studiert, Imad an der Al-Quds-Universität in Ost-Jerusalem. Beide Gruppen absolvierten ähnliche Seminare und wurden von denselben Dozenten unterrichtet. Diese reisten immer zwischen dem israelischem und palästinensischem Territorium hin und her.

"Manchmal musste auch eine Videokonferenz reichen", sagt Katharina. Denn kurz nach dem hoffnungsvollen Studienbeginn entbrannte der Krieg im Gaza-Streifen. Das Projekt war in Gefahr, einige Studenten sprangen ab. Letztendlich kamen 21 nach Deutschland und reisten mit gemischten Gefühlen an. "Manche glauben nicht mehr an eine Lösung des Konflikts", sagt Imad. "Vielleicht sind wir naiv, aber wir geben die Hoffnung nicht auf", sagt Katharina.

Beide sprechen viel darüber, was sie tun können, um die Situation zu verändern. Doch reden ist nur die eine Seite, die Realität die andere. "Wir könnten Projekte starten. Ganz sicher ist die gemeinsame Zeit hier ein Anfang", sagt Imad. Alles weitere hänge davon ab, wie sich die Lage entwickle und ob sich das Vertrauen zwischen ihnen festigt.

Katharina will auf jeden Fall demnächst Imads Familie besuchen. Es wird nicht leicht. Zivilisten beider Nationen haben kaum die Möglichkeit, sich im Nahen Osten zu begegnen.

Aber wo ein Wille ist, wird Katharina einen Weg durch die israelischen Kontrollen finden.

Quelle: RP

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Parkfest erst wieder in 2014

Moers

Parkfest erst wieder in 2014

Die CDU fand im Hauptausschuss gestern keine Zustimmung für den Vorschlag, die Traditionsveranstaltung bereits im nächsten Jahr wieder durch ... mehr 

Autos auf die Lange Straße

Viersen

Autos auf die Lange Straße

Durch die Dülkener Fußgängerzone könnten während der Geschäftszeiten bald wieder Autos rollen. Einen entsprechenden Vorschlag macht die Vier ... mehr 

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Trailer "Die Kunst zu lieben"

Mit Stars besetzte französische Ensemble-Beziehungskomödie um eine Gruppe von Männern und Frauen, die auf der Suche nach der ... mehr 

Mehr aktuelle Nachrichten

Düsseldorf

Fortuna sagt Aufstiegsfeier ab

Nach dem umstrittenen Relegationsspiel Fortuna gegen Hertha BSC hat der Düsseldorfer Verein entscheiden, die für Samstag in der Arena geplante Aufstiegsfeier abzusagen. Hertha BSC hat Protest gegen den Spielausgang eingelegt. mehr

 
 
 
 
 

Günnewigs Freizeitcheck (43)

Königlich planschen im Schlossbad Niederrhein

 

Unfall auf Kirmesgelände

Kirmesarbeiter schwer verletzt

 

Fortuna schafft den Aufstieg

Friedlicher Fan-Jubel nach Schock

World Team Cup 2012
Anzeige
$imgtext

Tennis-Elite trifft sich in Düsseldorf

Drei Top-Ten-Spieler am Start: Das Teilnehmerfeld des POWER HORSE WORLD TEAM CUP vom 20. bis 26. Mai im Düsseldorfer Rochusclub verspricht Tennis-Sport auf höchstem Niveau. Mehr Infos zu den Teams und Ticketangeboten finden Sie hier. mehr 

Anzeige:
Düsseldorfer Premium Restaurants


Fotostrecken
Fortuna-Fans singen vor Rathaus-Balkon
Fortuna-Fans singen vor Rathaus-Balkon
Fortuna-Fans singen vor Rathaus-Balkon: Aufstieg Fortuna Düsseldorf mehr 
 
Fortuna-Fans singen vor Rathaus-Balkon
Fortuna-Fans singen vor Rathaus-Balkon
Fortuna-Fans singen vor Rathaus-Balkon: Aufstieg Fortuna Düsseldorf
mehr 
Die Fortunen feiern auf dem Rathaus-Balkon
Die Fortunen feiern auf dem Rathaus-Balkon
Fortunas Fußballer feiern am Mittwochmittag auf ..
mehr 
Aufstiegsspiel: Das sagen die Fortuna-Fans
Aufstiegsspiel: Das sagen die Fortuna-Fans
Aufstiegsspiel: Das sagen die Fortuna-Fans
mehr 
Nach Aufstieg: Fortunas Rasen gleicht einem Schlachtfeld
Nach Aufstieg: Fortunas Rasen gleicht einem Schlachtfeld
Einen Tag nach dem Aufstieg in die Bundesliga ..
mehr 
So feierten Campino und die Spieler den Fortuna-Aufstieg
So feierten Campino und die Spieler den Fortuna-Aufstieg
Sehen Sie hier die Bilder aus der Nachtresidenz.
mehr 
Kniebrücke: Ferrari-Fahrer stirbt bei Unfall
Kniebrücke: Ferrari-Fahrer stirbt bei Unfall
Der Fahrer hatte die Kontrolle über sein Auto verloren.
mehr 
Bundesliga-Relegation 2012, Fortuna - Hertha: Pressestimmen
Bundesliga-Relegation 2012, Fortuna - Hertha: Pressestimmen
Wir haben den Medienwald für Sie durchforstet.
mehr 
Relegation 2012: Jovanovic köpft Fortuna in die Bundesliga
Relegation 2012: Jovanovic köpft Fortuna in die Bundesliga
Ranisav Jovanovic hat Fortuna Düsseldorf mit ..
mehr 
 
Regio-Extra
Ganz lokal

Nachrichten aus den Stadtteilen

Düsseldorf Oberkassel Luftbild rp

Sie möchten wissen, welches neue Café gleich bei Ihnen um die Ecke eröffnet hat? Welche Veranstaltungen es in Ihrem Stadtteil gibt? Dies und mehr lesen Sie auf unseren Stadtteil-Seiten. mehr