Warnung vor bedenklichen Pegelständen: Furcht vor Hochwasser wächst
VON M. MERKEN UND J. SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 07.01.2011 - 07:16Düsseldorf (RPO). Regen und Tauwetter haben eingesetzt. Das Hochwassermeldezentrum Rhein prognostiziert für Anfang kommender Woche bedenkliche Pegelstände. Gerade der Düsseldorfer Süden, der von Hochwasser besonders stark betroffen wäre, bereitet sich bereits darauf vor.
3,07 Meter betrug der Rheinpegel in Düsseldorf gestern Abend. Kein Anlass zur Sorge, lag er damit doch sogar 31 Zentimeter unter dem Durchschnitt. Tauwetter und Dauerregen, die für die nächsten Tage vorhergesagt sind, dürften den Wasserstand jedoch schnell in bedenkliche Höhen treiben. Das Mainzer Hochwassermeldezentrum Rhein meldete, dass dadurch zu Wochenbeginn die Hochwassermeldehöhe von acht Metern am Pegel Duisburg-Ruhrort überschritten werden könnte. An einem Tag Mitte Dezember kletterte der Pegel binnen 24 Stunden um 2,40 Meter – zehn Zentimeter pro Stunde.
Größenordnungen, die dann doch für Sorgenfalten sorgen. "Bei einem Pegel von acht Metern läuft der Rhein auf die Nikolausstraße", sagt Dieter Mundschenk von der Freiwilligen Feuerwehr Himmelgeist/Itter. Dort klafft auf einer Länge von 800 Metern die größte Lücke in den Düsseldorfer Deichen (siehe Info), neben dem Linksrheinischen sind die beiden Stadtteile am anfälligsten für Hochwasser. "Wir stehen Gewehr bei Fuß", sagt Mundschenk. Kürzlich habe die Wehr bei einer Übung das neue System gegen Hochwasser ausprobiert. Dabei kommen Gitterboxen zum Einsatz, in die Sand gefüllt wird.
Bundeswehrsoldaten im Einsatz
Von einer "gespannten Wartehaltung" unter den Anwohnern und "schlechten Prognosen" spricht Himmelgeists Schützenchef Jost Kronenberg, der zuständige Bezirksvorsteher Heinz-Leo Schuth von "Ruhe vor dem Sturm": "Aber von Panikmache sind die Menschen im Süden dennoch weit entfernt. Die Erfahrung mit Hochwasser bringt es mit sich, dass man das etwas gelassener angeht."
Als eines der ersten Gebäude von den Fluten betroffen wäre der Hof von Landwirtin Heike Bergmeister. Beim Hochwasser von 1995 (Pegelstand 10,32 Meter), als Soldaten der Bundeswehr Sandsäcke in Himmelgeist stapelten, musste sie 60 Kühe vom Hof bringen, um sie vor dem Ertrinken zu retten. Einen Meter unter Wasser stand damals auch die Nikolauskirche. "Wenn richtig viel Wasser kommt, ist die Kirche auch mit Sandsäcken nicht zu sichern, weil die Mauern außen herum nicht hundertprozentig dicht sind", sagt Pfarrer Frank Heidkamp. Sobald es brenzlig wird, werde man von der Wasserwacht informiert: "Dann haben wir noch ein, zwei Tage, um das Nötigste zu veranlassen."
Auch im Gebiet der Urdenbacher Kämpe bereitet man sich vor. "Wenn der Pegel auf neun Meter klettert, sind drei Viertel des Hofes überflutet", sagt Elke Löpke, Leiterin der Biologischen Station im Haus Bürgel. Uwe Plath, der Vorsitzende des Kreisimkerverbandes, hat bereits die beiden Bienenvölker, die er in der Nähe von Haus Bürgel angesiedelt hat, evakuiert und in einem Gartencenter untergebracht: "Wenn das Wasser kommt, haben die Bienen in ihrer Winterstarre keine Chance und ertrinken." Sorgen macht man sich auch beim neu gegründeten Kleingartenverein Sonniger Süden, dessen Anlage sich nahe dem Südfriedhof befindet. "Wenn sich das Wasser einen Weg über die Deiche bahnt, können wir uns auf etwas gefasst machen. Unsere Gärten liegen in einer Kuhle, da würde alles hineinlaufen", sagt Vorsitzender Alfred Heupel.
"7500 gefüllte Sandsäcke für den Ernstfall hat die Stadt aktuell auf Lager", sagt Kristian Lütz vom Stadtentwässerungsbetrieb. Sie lagern größtenteils im Hochwassergerätelager an der Oberhausener Straße. Die Berufsfeuerwehr hat den Rheinpegel stets im Auge, kann in weniger als zehn Stunden auf drohende Hochwasserlagen reagieren. Einsatzfahrzeuge können dann beispielsweise binnen kurzer Zeit so umgerüstet werden, dass sie auch durch tiefes Wasser fahren können.
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