Raucherclubs: Gäste fühlen sich ausgesperrt
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 08.07.2008Düsseldorf (RPO). Täglich gründen sich in Düsseldorf neue Raucherclubs. Was für Wirte die Hintertür im Nichtraucherschutzgesetz ist, sperrt manche Gäste aus. Denn im Clublokal dürfen nur Mitglieder bedient werden. Das kontrolliert der OSD.
Gunter Kihm ist sauer. Nach einer Radtour durch Benrath hatte der gebürtige Saarländer Lust auf ein Bier und blitzte in drei seiner Lieblingskneipen ab. Die sind seit vorigen Dienstag Raucherclubs – Service nur für Mitglieder. Auch bei Uwe Elfes im Böhmerwald blieb Kihm durstig. Einen Mitgliedsantrag wollte er nämlich nicht ausfüllen: „Ich gehe doch nicht in einen Verein, bloß um ein Bier zu trinken.“
Persönliche Daten wie Name, Adresse und Geburtstag, die auf dem vom Hotel- und Gaststättenverband vorgegebenen Formular abgefragt werden, will Kihm auch nicht jedem Wirt auf die Nase binden. Auch Uwe Elfes findet diese Angabe überflüssig. Er hat auch ohne die schon genug Arbeit mit dem Führen der Mitgliederliste. Der Wirt ist schließlich auch, gemeinsam mit einem Kellner seit der Club-Vorstand. „Was soll ich machen? Ich habe viele Raucher unter meinen Stammgästen, eine bauliche Trennung ist nicht möglich.“
Außerdem, sagt der Wirt, reißt das Gesetz „Stammtische und Freunde auseinander.“ Im Club „Mensch – Kultur – Kneipe“ sind sie nun wieder vereint, 150 Raucher und „sehr viele Nichtraucher“. Gunter Kihm darf Elfes trotzdem kein Bier verkaufen – weil er nicht zum Verein gehört. „Sowie ein Clubmitglied in die Kneipe kommt, haben wir hier eine Tagung“, sagt er augenzwinkernd, um sofort wieder sehr ernsthaft zu bedauern: „Ich kann wirklich nicht anders. So will es das Gesetz.“
Tatsächlich, bestätigt Michael Zimmermann, Vize-Chef des Ordnungsamts: „Zu Zeiten, in denen der Raucherclub zusammentritt, dürfen nur Mitglieder bewirtet werden.“
Die Kontrolleure bringe die Club-Idee, die eigens für die kleinen Gaststätten geschaffen wurde, „in Situationen, die schwer zu kontrollieren sind.“ So müssen die Wirte Mitgliedslisten führen und auf Verlangen dem OSD vorzeigen. Doch die Liste kann stündlich variieren. Wer etwa bloß zu Besuch in Düsseldorf ist, tritt in Lokal XY dem Raucherclub bei und taucht nach einem Abend nie mehr dort auf. Schließlich sind die meisten Club-Mitgliedschaften kostenlos.
Problem Nummer Zwei: Ein ordentliches Club-Mitglied könnte auch mal einen Gast mitbringen, das ist ausdrücklich erlaubt. „Aber es gibt keine Definition, wer so ein Gast ist“, so Zimmermann. „Beispielsweise Lebensgefährte oder Ehefrau“ heißt es im Gesetz. Sind also auch gute Bekannte erlaubt? Und wenn ja, fragt Zimmermann: „Wer soll das nachprüfen?“
Rainer Spenke vom Hotel- und Gaststättenverband Nordrhein, dem täglich bis zu sechs neue Club-Gründungen gemeldet werden, empfiehlt den Wirten: „Es sollten nicht am Ende zwei Vereinsmitglieder mit 30 ,Gästen’ da sitzen.“ Auch er findet die Regelungen kompliziert und schade, dass Gunter Kihm kein Bier mehr in seinen Eckkneipen kriegt. „Wir haben das auch so nicht gewollt. Gleichwohl ist der Raucherclub keine Umgehung des Gesetzes, sondern für viele Wirte die einzige Möglichkeit, ihre Existenz zu sichern.“
Ein Special mit vielen Berichten zum Rauchverbot finden Sie hier.
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