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"Das andalusische Mirakel" im Theater an der Kö: Ganz und gar nicht steif

VON REGINA GOLDLÜCKE - zuletzt aktualisiert: 13.04.2007 - 10:23

Düsseldorf (RPO). Noch bis Anfang Mai spielt Jochen Busse im Theater an der Kö „Das andalusische Mirakel“. Dabei hängt er nicht nur minutenlang kopfüber an einer Stange, sondern verwandelt er sich auch urplötzlich in eine junge Frau.

Mit Jochen Busse als Hubertus Heppelmann spielen im Theater an der Kö: Florian Kogan als Benny, Kerstin Radt als Nelli, Francisco Rodriguez als Juan und Monica Kaufmann als Edelgard (v.l)  Foto: RP/Foto: Werner Gabriel
Mit Jochen Busse als Hubertus Heppelmann spielen im Theater an der Kö: Florian Kogan als Benny, Kerstin Radt als Nelli, Francisco Rodriguez als Juan und Monica Kaufmann als Edelgard (v.l) Foto: RP/Foto: Werner Gabriel

Auf der Bühne verblüfft Jochen Busse gern mit akrobatischen Einlagen. Kaum ein Stück, in dem er nicht in komplizierten Yoga-Stellungen verharrt. Auch in „Das andalusische Mirakel“ hängt er minutenlang kopfüber an einer Stange. Zwar mit beängstigend roter Gesichtsfarbe, aber einer erstaunlichen Gelenkigkeit. Dass dabei jedes Mal ein Raunen durchs „Theater an der Kö“ geht, schmeichelt und gefällt ihm. „Vor allem, weil ich ja auf den ersten Blick den Eindruck einer gewissen Steifigkeit vermittle“, sagt er zufrieden.

Der 66-jährige Komödiant wirkt schlanker und drahtiger als vor ein paar Jahren. Nach einer Ayurveda-Kur in Sri Lanka hatte er ab- und nicht mehr zugenommen. „Eine herrliche Küche“, schwärmt er, „man kann essen bis zum Umfallen. Zum Glück bin ich nicht abhängig von Fleisch.“ In seiner Düsseldorfer Theaterwohnung steht er gern am Herd und kocht. Über den Tisch hat er eine hübsche Decke gebreitet, mit neuem Geschirr und frischen Blumen entspricht das stilvolle Arrangement Busses ästhetischem Empfinden. Reist er ab, bleibt wie immer alles zurück, was er brauchte, um sich unterwegs wohl zu fühlen. Loslassen fällt ihm leicht, Besitz bedeutet ihm wenig.

Mit der gleichen Selbstverständlichkeit gab Jochen Busse kürzlich seine riesige Kölner Traumwohnung auf und zog zurück nach München. Vertrautes Terrain. Bei der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, dem über Jahrzehnte beliebtesten Kabarett der Nation, hatte er - noch zu Zeiten des legendären Sammy Drechsel - zum ersten Mal das Gefühl, es geschafft zu haben mit seiner Karriere. Die Leute hätten damals vom „Busse-Ton“ gesprochen, berichtet er. Man kannte und schätzte den spitzzüngigen Kabarettisten.

So richtig berühmt machten ihn erst seine regelmäßigen Ausflüge ins Fernsehen - erst mit „Nur für Busse“, danach über Jahre mit „7 Tage, 7 Köpfe“. Die wachsende Popularität brachte ihm den Nachteil ein, in der Comedy-Schublade zu stecken. Vergangenheit, die einen ironischen Kommentar verdient: „Ich bin dem Sender dankbar für die Serie. Sie hat mich von ihm unabhängig gemacht.“ Unverrückbar blieb die Erwartungshaltung seines Publikums. „Weil ich die Leute bei meinen Auftritten zum Lachen bringe, denken sie, ich müsse auch in der Öffentlichkeit Witze erzählen. Für sie bin ich ein guter Bekannter, der immer lustig ist.“

Wie er darauf reagiert? „Ich spüre den Anspruch, aber ich bediene ihn nicht.“ Tatsächlich muss es dem Publikum schwer fallen, den tiefgründigen Privatmann von dem kreischend komischen Kobold auf der Bühne zu trennen. Besonders in „Das andalusische Mirakel“ gibt Jochen Busse dem Affen ordentlich Zucker, schrammt haarscharf an Albernheiten vorbei, die man anderen Schauspielern nicht abnähme. Dass er selbst als junge Frau, in die er sich urplötzlich und mit Grandezza verwandelt, nicht peinlich wirkt, ist hohe Kunst und entspricht seinem Credo: „Intelligenter Klamauk muss ernsthaft sein.“

Dem Düsseldorfer Publikum, das im „Theater an der Kö“ Abend für Abend durch ein grandioses Busse-Solo zum interaktiven Mitspielen angeregt wird, zollt er höchstes Lob: „Sehr offen, sehr schnell, ohne jeden Vorbehalt.“ Die Rheinländer sind dem gebürtigen Sauerländer ohnehin sympathisch. „Eine gute Mischung aus Kumpeligkeit und dem Bewusstsein, wir sind was besseres. Das mag ich gern.“

Seine Kindheit in Iserlohn hinterließ Narben. Er war 14, als die begüterte Fabrikantenfamilie ihr Vermögen verlor. Krampfhaft ignorierten Vater und Mutter die Pleite, um ihren gesellschaftlichen Status nicht zu verlieren. „Eine Lebenslüge“, sagt Jochen Busse. „Mein Bruder und ich sollten Vorzeigekinder sein. Nie haben sie sich vor uns gestellt. Das kratzte schwer an meinem Selbstbewusstsein.“

Daraus zog der Junge die Erkenntnis, „dass kaum ein Mensch so ist, wie er sich gibt. Die meisten verstellen sich. Darin liegt eine gewisse Komik. Vermutlich war es genau das, was mich zu meinem Beruf brachte.“

Jochen Busse spielt in Düsseldorf „Das andalusische Mirakel“, eine Farce von Dietmar Jacobs und Lars Albaum, Regie: Horst Johannig. Es spielen: Jochen Busse, Kerstin Radt, Monica Kaufmann, Francisco Rodriguez, Florian Kogan. Bis zum 6. Mai im Theater an der Kö. Tickets unter Telefon: 322333.

Quelle: RP

 
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