An Namen erinnern: Gedenken an Holocaust-Opfer
VON JENNIFER KOCH - zuletzt aktualisiert: 11.04.2010 - 16:30Düsseldorf (RPO). Namen spielen in der jüdischen Erinnerungskultur eine wichtige Rolle. „Das Aussprechen des Namens ist ein Bestandteil des Erinnerns”, sagt Rabbiner Julien-Chaim Soussan. Zum jährlichen Holocaust-Gedenktag, den die Düsseldorfer jüdische Gemeinde am Sonntag beging, wurden deshalb bei einer Zeremonie am Burgplatz die Namen der aus Düsseldorf deportierten und ermordeten Juden vorgelesen.
„Durch die Taten der Nationalsozialisten haben diese Menschen keine Gräber, keine Grabsteine”, so Soussan. „Wir können ihnen dieses Gedenken nicht geben, aber wir können an ihre Namen erinnern.” An der Lesung beteiligten sich zahlreiche Schüler der Religionsschule der Jüdischen Gemeinde. Die zwölfjährige Liia las ebenso wie ihr Bruder Mark (17) eine Seite mit Namen vor. „Auch aus unserer Familie wurden während der Herrschaft der Nationalsozialisten viele Menschen ermordet”, sagt Liia, ihr Bruder ergänzt: „Uns ist es wichtig, an das, was passiert ist, zu erinnern.”
Viele Opfe ohne Namensliste vergessen
Vertreter aus Politik und Kirche unterstützen die Lesung. Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann vertrat die Stadt, außerdem lasen Stadtdechant Rolf Steinhäuser und Kulturdezernent Hans Georg Lohe Namen vor. Auch die Polizei schickte Vertreter. Hermann Spix ist im Geschichtsverein Geschichte am Jürgensplatz” aktiv, er vertrat Polizeihistoriker Klaus Döneke, der wegen einer Krankheit dieses Mal nicht teilnehmen konnte.
Wolfgang Lorenz ist Leiter der Polizeiwache Oberkassel und bemühte sich in den vergangenen Jahren für die Erinnerung an Werner Pfingst, dessen Familie in Sobibor ermordet wurde, der aber selbst in die USA emigrieren konnte, als Mitglied der US-Armee nach Oberkassel zurückkehrte und sich trotz seiner Erfahrungen während der Besatzung für die Menschen einsetzte.
Mehr als 2000 Personen jüdischen Glaubens wurden während des Holocaust aus Düsseldorf deportiert oder ermordet. „Wir möchten die Opfer nicht allein auf diese Zahl reduzieren”, sagt Soussan. „Denn die Täter beraubten die Opfer bereits ihrer Namen, indem sie ihnen Nummern auf die Unterarme tätowierten”, so Soussan.
Viele der Opfer wären ohne die Arbeit der Mahn- und Gedenkstätte, deren Mitarbeiter die Namenslisten pflegen, wohl vergessen. Denn während der Herrschaft der Nationalsozialisten wurden auch aus Düsseldorf ganze Familien ausgelöscht. Die vorgelesenen Namen, bei denen oft derselbe Nachname mehrfach vorkam, erinnerten auch daran.
Die Jüdische Gemeinde orientiert sich mit dem Gedenken an dem Jahrestag des Aufstandes im Warschauer Ghetto. Dieser begann im Jahr 1943 am 19. April.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







