Flugverkehrsperre nach Vulkanausbruch: Geisterstadt Flughafen
VON SANDRA BROUWERS - zuletzt aktualisiert: 19.04.2010 - 13:00Durch den Vulkanausbruch in der vergangenen Woche auf Island ist der deutsche Flugverkehr nahezu komplett lahm gelegt. Auf dem Düsseldorfer Flughafen fliegt seit Tagen kein Flugzeug mehr, sodass viele Passagiere umplanen mussten. Die Geschäfte am Flughafen schließen mangels Kunden.
Gemeinsam mit 70 anderen Menschen auf notdürftigen Liegen im Keller des Flughafens schlafen - ihren Urlaub haben sich Fritz Freese und Waltraud Richlowsky sicherlich anders vorgestellt. Seit Freitagabend sind die beiden Ostfriesen am Düsseldorfer Flughafen "gestrandet". "Wir wollten für zwei Wochen nach Antalya fliegen", erzählt Waltraud Richlowsky. Durch den Vulkanausbruch auf Island und die Asche, die sich über viele Teile Europas verteilt hat, konnte das Flugzeug jedoch nicht starten. Seitdem haust das Paar am Flughafen, ist dabei aber sehr entspannt. "Das muss man alles einmal mitgemacht haben", sagt Fritz Freese und lacht.
Fluggäste ändern Pläne
Alle Flugreisenden der vergangenen Tage musste ihre Pläne ändern. Ein Teil ist auf Bus, Bahn oder Mietwagen umgestiegen, ein anderer Teil hat sich Hotels gesucht und hofft darauf, dass der Flughafen bald wieder seinen Betrieb aufnimmt.
Währenddessen gleicht der Düsseldorfer Flughafen einer Geisterstadt. Wenige verbliebene Passagiere halten sich dort auf. Die einzelnen Menschen, die unterwegs sind, gehören entweder zum Personal oder versuchen noch ihre Flüge umzubuchen. Dazu gehört auch Margitta Freerksema. "Am 30. April heiratet meine Tochter in Wisconsin, USA, und eigentlich wollte ich am kommenden Mittwoch mit meinen Mann dorthin fliegen." Um sicher zu gehen, versuchte sie am Montagvormittag der Flug umzubuchen. "Wenn ich spätestens am 29. April los kann, ist alles in Ordnung", sagt sie gelassen.
Kindergartenkinder enttäuscht
Die Kinder des Heilig-Geist-Kindergarten aus Mönchengladbach konnten am Montagvormittag die fast leere Hallen des Flughafens erleben. "Ich hatte den Kindern gesagt, dass hier noch so viele Menschen warten würden, aber jetzt sind kaum welche hier", sagt Betreuerin Barbara Creuzer. Gemeinsam mit anderen Kindergärtnerinnen und einigen Müttern sollten die Kinder heute bei einer offiziellen Führung den Flughafen kennenlernen. "Es wird wohl die einzige Kindergruppe sein, die extra zum Flughafen fährt und kein Flugzeug starten oder landen sehen wird", so Creuzer.
Auch für die zahlreichen Angestellten am Düsseldorfer Flughafen ist die Situation ungewohnt. "Hier kommt momentan vielleicht alle 15 Minuten mal ein Kunde rein, aber so ruhig wie heute war es noch nie", erzählt Jennifer Neumann, Mitarbeiterin einer Buchhandlung. Im normalen Betrieb sind rund um die Uhr Leute in dem Laden und stöbern durch die verschiedenen Ausgaben.
Viele Läden in den Airport Arkaden haben geschlossen. "Wir hatten für nächste Woche einen Umbau geplant, stattdessen fangen wir jetzt einfach damit an", so Dirk Uhlenbruch, Geschäftsführer einer Restaurantkette am Flughafen. An den Bankschaltern hängen provisorische Schilder mit der Aufschrift "Aus aktuellem Anlass schließen wir heute um 16 Uhr". Normalbetrieb ist anders.
Taxifahrer warten weiter
Die Taxifahrer bleiben optimistisch - trotz absoluter Flaute: "Ich bin seit acht Uhr da und warte", so der Taxifahrer Taci Serce. Kollegen von ihm konnten Ende vergangener Woche teilweise große Umsätze verzeichnen. "Einige Fahrgäste wollte von hier aus direkt nach Italien gebracht werden." Doch Anfang dieser Woche zeigt sich ein komplett anderes Bild. "Ich hatte noch keinen einzigen Fahrgast." Die Taxifahrer verfolgen die aktuellen Entwicklungen in den Medien, warten hoffnungsvoll am Ausgang des Flughafengebäudes.
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