Mordfall Bismarckstraße: Geständnis: Makler "in Rage" getötet
zuletzt aktualisiert: 13.09.2009 - 10:08Düsseldorf (RPO). In "unkontrollierter Raserei" hat ein Karate-Lehrer (23) aus Solingen im Oktober 2008 einen Immobilienmakler (69) in dessen Büro an der Bismarckstraße mit zwei Scheren erstochen. Das Opfer habe ihn wüst beleidigt und habe dadurch eine "massive Gewaltexplosion" bei ihm ausgelöst. Dieses Geständnis ließ der Angeklagte Freitag, am sechsten Prozesstag vor dem Schwurgericht, von seinem Anwalt verlesen.
Danach war der 23-Jährige vom Ablauf seiner Tat so befangen, dass er Nachfragen der Richter nicht mehr beantworten – sondern erst mit einem Gefängnis-Psychologen reden wolle. So blieb dem Gericht nur diese Erkenntnis: Sollte das Geständnis Bestand haben, dann wäre seiner mitangeklagte Ex-Freundin (23) eine Beteiligung an dem Tod des Maklers nicht nachzuweisen.
Die Frau hatte in früheren Aussage beteuert, sie habe das Büro nach einem Streit mit dem Makler verlassen. Ihr Freund sei danach allein zu dem Makler gegangen. Was dann passierte, wisse sie nicht und habe sie nicht ahnen können. Erst bei der Rückkehr ihres Freundes habe sie Blut an dessen Schuhen bemerkt, sei "in Panik" geraten. Diese Schilderung hat der Angeklagte nun bestätigt. Die junge Frau, die früher für den Makler gearbeitet hatte, sei von dem 69-Jährigen vergewaltigt und sexuell missbraucht worden. Trotzdem habe sie Ende 2008 eine erneute Tätigkeit bei ihrem Peiniger angestrebt. Das habe dem Kampfsportler nicht gefallen.
Als die Frau am Tatabend "niedergeschlagen und hilflos" von ihrem Streit mit dem Makler zurückgekehrt sei – da habe sich der Freund spontan entschlossen, mit dem 69-Jährigen zu "reden". Der Senior habe aber zwei Scheren zur Verteidigung ergriffen, habe den Angeklagten als sexuellen "Versager" beschimpft. Nach einem Handgemenge sei der 23-Jährige "in Raserei verfallen", habe unkontrolliert zugeschlagen, zugetreten und gestochen. Erst hinterher, wieder bei der Freundin, habe er "realisiert, dass er etwas Schreckliches angerichtet hat".
Ob die Bluttat so abgelaufen ist, will das Gericht mit Zeugen und Gutachtern überprüfen. Immerhin war eine DNA-Spur der Frau am Hosenbein und am Schuhabsatz des Opfers gefunden worden. Die Frau behauptet, sie habe dem Makler nur die Hand gegeben – und der 69-Jährige habe ihre DNA dann eigenständig auf seine Hose und Schuhe übertragen.
Der Prozess wird fortgesetzt.
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