Sparkasse: Gesucht: Ersatz für Humme
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 23.02.2008Düsseldorf (RPO). Freitagmittag, ziemlich präzise 12 Uhr mittags, high noon also, im eleganten Sitzungssaal der Stadtsparkasse, 19. Stock. Die Mitglieder des Hauptausschusses, am Abend zuvor eilig zusammen getrommelt, beraten nur einen Tagesordnungspunkt: Wie soll es weitergehen mit dem Vorstandsvorsitzenden Heinz-Martin Humme, der am späten Donnerstagabend erklärt hat, die von ihm verlangte eidesstattliche Erklärung nicht abgeben zu wollen. Schnell kommt man zu einer einstimmigen Lösung: Humme wird suspendiert.
Und so endet die Arbeit des 56-jährigen Bankers bei der Stadtsparkasse gestern mit einer dürren Meldung: „Aufgrund eines einstimmigen Beschlusses des Hauptausschusses der Stadtsparkasse Düsseldorf ist der Vorsitzende des Vorstandes, Heinz-Martin Humme, ab sofort bis auf Weiteres von seinen Dienstpflichten entbunden worden.“ Die Vorstandsmitglieder Peter Fröhlich und Bernd Eversmann sollen den Vorstand kommissarisch leiten.
Gibt es die Chance, dass Humme wiederkommt?
Kaum. Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass alle Vorwürfe haltlos sind, ist eine weitere Zusammenarbeit zwischen Erwin und Humme schwer vorstellbar. Für die Stadt wird es allerdings sehr schwierig, wenn er wirklich unschuldig ist.
Wieso lehnt es Humme ab, die eidesstattliche Versicherung zu geben?
Vermutlich hat ihm sein Anwalt dazu geraten. Gibt er die Versicherung ab und die Ermittlungen gegen ihn kommen zu einem anderen Ergebnis, könnte er sich damit wegen einer falschen Aussage an Eides statt strafbar gemacht haben (§ 156 StGB).
Wieso wird gegen Humme wegen Untreue ermittelt?
Im Strafrecht handelt einer „untreu“, wenn er ihm anvertrautes Vermögen unter bestimmten Voraussetzungen schädigt. Das könnte der Fall gewesen sein, als die Sparkasse an Franjo Pooth einen Kredit gab, dabei aber nicht ausreichend gründlich kontrollierte.
Ist der Verdacht der Bestechlichkeit gegen Humme aus der Welt?
Staatsanwalt Johannes Mocken sagt, man prüfe erst die Aussage Hummes, den besagten Fernseher bekommen, aber nur ein paar Tage behalten zu haben. Dann werde entschieden, ob man ermittelt.
Wie könnte eine endgültige Trennung von Humme ablaufen?
Der Verwaltungsrat der Sparkasse wird spätestens am Mittwoch tagen und beraten. Angesichts der verhärteten Fronten wird man vermutlich beschließen, den Vertrag zu lösen. Damit wäre das Ganze dann, unabhängig von strafrechtlichen Aspekten, ein arbeitsrechtliches Problem. Kenner solcher Szenarien glauben, dass man Humme eine Abfindung in Höhe der Gehälter zahlen würde, die er bis zum Ende seines Vertrages in ca. drei Jahren erhalten hätte. Angeblich verdient er 350 000 Euro pro Jahr.
Wie muss ein neuer Vorstand sein?
Erwünscht wäre ein kompetenter und seriöser Fachmann, der realistische Vorstellungen hätte, wie man die Sparkasse fit für die Zukunft macht. Es geht um mögliche neue Partner und um den Konflikt mit der WestLB, die den Sparkassen zu einem erheblichen Teil gehört, und für die sie immer wieder riesige Beträge zum Ausgleich dort gemachter Fehler zahlen müssen.
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