Initiative „Sicher-Stark“: Gesundes Misstrauen schützt vor Gewalt
VON GESA EVERS - zuletzt aktualisiert: 22.11.2007 - 09:02Düsseldorf (RPO). Zu Beginn des Gesprächs wirken die Fragen des fremden Autofahrers harmlos. Durch die offene Beifahrertür spricht er zwei kleine Mädchen auf dem Bürgersteig an. „Ich suche die Berger Straße. Könnt ihr mir vielleicht weiterhelfen?“ Die Beiden schweigen, und plötzlich interessieren den Mann noch ganz andere Dinge. „Wo ist denn Euer Spielplatz? Und wo wohnt Ihr?“ Die Mädchen fassen Vertrauen.
„Feuer“ schreien statt „Hilfe“
Schnitt. Der Mann setzt die Sonnenbrille ab und steigt aus dem Wagen. Er ist ehemaliger Polizist und hat den Kindern in einem Rollenspiel demonstriert, wie leicht sie in die Fänge eines potentiellen Gewalttäters geraten können. „Alle Fragen, die nichts mit der Suche nach dem Weg zu tun haben, dürft ihr nicht beantworten“, erklärt Ralf Schmitz den Erst- und Zweitklässlern der Katholischen Grundschule Färberstraße. Schmitz gehört der sozialen Initiative „Sicher-Stark“ an, die seit mehr als zehn Jahren Verhaltenskurse an deutschen Grundschulen durchführt. „Wir setzen vor allem auf Rollenspiele, weil sie einprägsame sind. Die Kinder sollen lernen, selbstbewusst aufzutreten und Gefahren rechtzeitig zu erkennen“, sagt er. So ist es in der nachgestellten Szene nicht nur wichtig, Antworten auf persönliche Fragen zu verweigern, sondern auch, einen räumlichen Sicherheitsabstand zu halten. „Wer sich hinter die geöffnete Tür stellt, hat ein prima Schutzschild“, betont der frühere Personenschützer.
„Auch eine Frau kann ein Lockvogel sein“, warnt Schlegel. „Geht also nie mit Fremden mit, auch wenn sie noch so nett sind.“ Weil sie und ihr Kollege die Kinder aktiv miteinbeziehen , scheinen ihre Botschaften anzukommen. „Wir hätten lieber weglaufen sollen“, sagt die sechsjährige Lavinia zu ihrer Freundin Victoria, mit der sie an der Autotür stand. Und noch etwas haben die Grundschulkinder verinnerlicht: Wenn sie in Gefahr geraten, schreien sie in Zukunft nicht „Hilfe“, sondern „Feuer“. „Es hat sich gezeigt, dass die Menschen dann eher reagieren“, sagt Schlegel.
Infos unter Telefon 0180 55501333 oder unter www.sicher-stark.de
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