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Düsseldorf: Gewalt gegen Schaffner nimmt zu

VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 01.04.2010 - 06:09

Düsseldorf (RPO). Die Attacke eines vorbestraften Gewalttäters ohne Fahrschein auf eine Kontrolleurin der Deutschen Bahn beschäftigt nicht nur die Justiz. Die Verkehrsgewerkschaften fordern mehr Personal in Bussen und Bahnen.

 Foto: RP, Andreas Bretz
Foto: RP, Andreas Bretz

Außerdem müsse Konfliktbewältigung zur Ausbildung gehören. Das Amtsgericht Düsseldorf hat gestern Nachmittag Haftbefehl gegen den 29-jährigen Schläger erlassen, der am Dienstag eine Zugbegleiterin angegriffen und verletzt hatte. Gefährliche Körperverletzung wird dem Mann nicht zum ersten Mal vorgeworfen: Unter seinen zahlreichen Vorstrafen finden sich gleich mehrere wegen Gewaltdelikten. Zwei Strafen waren noch zur Bewährung offen – die wird er wohl auch verbüßen müssen.

Zeugen wählten Notruf

Er hatte kein Ticket für den ICE aus Berlin, schloss sich deshalb mit seiner Freundin in der WC-Kabine ein, als er die Kontrolleurin sah. Die hatte das Pärchen auch bemerkt, klopfte ein paar Mal an die Tür, kurz bevor der Zug am Flughafenbahnhof stoppte. Der betrunkene 29-Jährige (später wurden bei ihm 2,68 Promille Atemalkohol gemessen) stürzte aus der Kabine, spuckte die junge Frau an, schlug sie nieder, schleifte sie an den Haaren durch den Zug, schleuderte sie gegen Wände, trat ihr in den Unterleib.

„Zeugen haben zumindest den Notruf gewählt“, sagt Armin Roggon, Sprecher der Bundespolizei, die den Mann festnahm, als er am Flughafenbahnhof aus dem ICE rannte. Geholfen hat der Zugbegleiterin niemand. „Sicher haben viele Leute noch den Mann im Kopf, der in München getötet wurde, als er eingriff“, meint Roggon. „Und die Gewalt dieses Täters war so heftig, dass sich niemand wagte, einzuschreiten.“ Zumal der nächste Halt unmittelbar bevorstand.

Bahnsprecher Gerd Felser sprach gestern von einem „äußerst ungewöhnlichen“ Einzelfall. Übergriffe auf Bahnpersonal würden selten aus Fernzügen gemeldet. Und auch in den Regionalzügen sei die Zahl der angezeigten Taten rückläufig. „Aber von unseren Zugführern höre ich oft, dass das Klima gewaltbereiter und aggressiver geworden ist.“ Mit diesem Klima umzugehen und brenzlige Situationen zu entschärfen, sei Aufgabe der Mitarbeiter . „Die sind dafür auch ausgebildet und können das“, sagt Felser. Auch wenn man sich nicht auf einen einen ausrastenden, angetrunkenen Gewohnheitsschläger vorbereiten könne, wie er der 26-jährigen Kontrolleurin begegnet ist.

Frau geht es besser

Der jungen Frau geht es inzwischen besser, sie hat nach ambulanter Versorgung das Krankenhaus verlassen können und nach Hessen zurückkehren können, wo sie wohnt. Die Bahn biete ihr wie jedem anderen die Betreuung durch den psychologischen Dienst an, doch vor allem, sagt Felser, habe sie „ein Team und Vorgesetzte, die sich kümmern.“

Viel zu wenig, sagt Gerda Seibert von der Gewerkschaft der Lokomotivführer, die auch die Interessen der Zugbegleiter vertritt. „Während die Angebote für Lok-Führer, insbesondere nach Suizid-Fällen auf der Strecke sehr gut sind, gibt es für die Zugbegleiter zu wenig Angebote.“ Sie verlangt mehr Deeskalationstrainings für die Mitarbeiter und das schon in der Ausbildung. „Sie sollten darauf vorbereitet sein, es nicht nur mit netten Menschen zu tun zu haben.“

Vor allem aber gebe es zu wenig Zugbegleiter. „Wenn die Leute in jedem Zug kontrolliert würden, würden sie womöglich nicht mehr so aggressiv auf Kontrollen reagieren“, sagt Seibert. Im Regionalverkehr seien viele Züge ganz ohne Begleitpersonal unterwegs. Das sei Ländersache, betonten gestern die Verkehrsgewerkschaften Transnet und GDBA in einer gemeinsamen Erklärung und forderten die Landesregierungen auf, „bei Ausschreibungen von Verkehrsleistungen auf zusätzliche Zugbegleiter und Sicherheitskräfte“ nicht länger aus Kostengründen zu verzichten.


Quelle: RP

 
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