Ganze Straßenzüge verschmiert: Graffiti-Schneise in Stockum
VON GÖKÇEN STENZEL - zuletzt aktualisiert: 01.08.2008Düsseldorf (RPO). Zwischen Stockum und Unterrath sind ganze Häuserzeilen und Straßenzüge verschmiert. Offenbar hinterlässt eine Jugendbande auf dem Heimweg ihre unschöne „Fährte“. Betroffene Anwohner machen Druck auf die Polizei.
Anwohner des Vogelviertels in Stockum sind erbost. Am Montag sind ihre Autos, ihre Wohnmobile und Hauswände mit hartnäckigen Graffiti verschmiert worden – wieder einmal. Gerade erst hatten sie die letzten mit viel Geld und Mühe beseitigt. Im Gegensatz zu anderen Tatorten sind die Täter von Stockum jedoch bekannt – auch der Polizei. Ein Anwohner, der nicht länger tatenlos zusehen will und sich jetzt mit anderen zusammengetan hat, sagt: „Es kann nicht sein, dass die Polizei hilflos ist – und wir mit ihr.“
Denn bei den privaten Hausbesitzern macht sich langsam Ohnmacht breit, wie der Verein Haus und Grund feststellt. Die meisten Graffitischäden werden schon nicht mehr angezeigt, 461 Anzeigen hat die Düsseldorfer Polizei 2007 wegen dieser Sachbeschädigungen geschrieben, für dieses Jahr geht sie von weiter steigenden Zahlen aus.
Durch das Vogelviertel – so benannt nach den Straßennamen – verläuft inzwischen eine regelrechte Graffiti-Schneise. Sie beginnt am Sandweg mit roten und schwarzen Schmierereien, verläuft über den Falken- hinauf zum Kröner- und Ammerweg bis nach Unterrath zur Kalkumer Straße. Hauswände, Mauern, Stromkästen und Papiercontainer – alle sind sie verunziert mit der „Unterschrift“ der Bande.
Strafen sind „übersichtlich“
Es ist offenes Geheimnis, wie die teilweise mannshohen „Tags“ an die Wände kommen: Die Bande trifft spätabends mit der letzten Bahn am Freiligrathplatz ein und geht durch das Viertel heim nach Unterrath. Der Weg wird markiert, den Schaden haben die Anwohner. Einige, die Anzeige gestellt hatten, berichten auch von Drohanrufen.
Der Polizei ist der Kopf der Bande bekannt, ein Jugendlicher mit programmierter krimineller Karriere, ein Intensivtäter, heißt es. Bis vor kurzem saß er im Jugendarrest Gerresheim, wurde entlassen – und beschmierte sofort Wände. „Bei Sachbeschädigung sind die Jugendstrafen übersichtlich und schrecken die Jungs nicht“, sagt Polizeisprecherin Susanna Deeken-Heusgen, die aber rät, wegen der Drohanrufe unbedingt Anzeige zu erstattet: „Das hat eine andere Qualität.“
Eine Chance gegen die Schmierer hätten die Ermittler ohnehin nur, wenn sie die Jugendlichen beim Sprayen ertappen – und genug Beamte verfügbar sind. „Wir haben einmal die Polizei gerufen“, sagt eine Anwohnerin, „als die Täter noch im Viertel unterwegs waren.“ Die Polizisten kamen zu spät, die Bande war längst über alle Berge. Laut Deeken-Heusgen will sich der Bezirksbeamte heute bei den Bürgern melden, auch der Einsatztrupp (ET) Jugend soll auf den Fall Vogelviertel angesetzt werden.
Klaus Menn vom Ordnungsamt der Stadt empfiehlt dem Kriminalpräventiven Rat des Stadtteils, sich zusammen mit Polizei, Jugendamt und OSD ein „wirklich wirksames Konzept“ einfallen zu lassen.
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