Münchner Modell: Graffiti-Sprayer müssen putzen
VON MICHAEL BROCKERHOFF - zuletzt aktualisiert: 18.06.2009 - 07:20Düsseldorf (RPO). Die Verwaltung bereitet ein Projekt nach Münchner Vorbild vor: Sprayer sollen verschmutzte Wände selbst reinigen und damit den Schaden wiedergutmachen. Diese Erfahrung könne auf Jugendliche abschreckend wirken.
Die Graffiti-Szene in Düsseldorf ist nach wie vor in Bewegung. Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres "hat die Staatsanwaltschaft 40 Ermittlungsverfahren eingeleitet", berichtete Beigeordneter Werner Leonhardt im Ordnungs- und Verkehrsausschuss. Möglicherweise werden die jungen Sprayer ihre Tat auf eine besondere Weise wiedergutmachen. Denn die Stadtverwaltung will erreichen, dass die Jugendlichen statt herkömmlicher strafrechtlicher Konsequenzen selbst die verschmierten Wände reinigen müssen.
Hintergrund sind die guten Erfahrungen, die die Stadt München mit einem solchen Modell macht. Die Zahl der Schmierereien geht zurück, weil die Jugendlichen spüren, wie anstrengend und zeitraubend das Reinigen ist.
Münchner Modell
Ziel Jugendliche sollen beim Entfernen der Schäden spüren, wie groß der Schaden ist.
Vorteil Wenn Jugendliche selbst reinigen, brauchen sie nicht für die Sanierung zahlen und müssen keine Schulden machen.
Die Wiedergutmachung wird von einem Verein in Abstimmung mit den Behörden organisiert.
"Noch in diesem Jahr können die Voraussetzungen für dieses Vorgehen geschaffen werden", erklärte Leonhardt dem Ausschuss in einer Zwischenbilanz. Denn der Rat hatte die Verwaltung beauftragt, das Münchner Modell auf Düsseldorf zu übertragen und hatte für die Umsetzung bereits 100 000 Euro im Etat zur Verfügung gestellt. Bei ersten Abstimmungsgesprächen haben sich Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendamt und Ordnungsdezernat für dieses Modell der Wiedergutmachung und des Ausgleichs zwischen Täter und Opfer ausgesprochen, weil es offensichtlich Wirkung zeigt. " Je nach Situation kann es als Strafe sinnvoll sein, dass die Jugendlichen den angerichteten Schaden beheben müssen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Johannes Mocken, auf Anfrage unserer Zeitung.
Trägerverein gefunden
Wichtige Voraussetzungen für das Projekt sind in Düsseldorf inzwischen erfüllt. "Der Jugendring wird als Trägerverein die Koordination übernehmen und Ansprechpartner der Behörden sein", verkündete Leonhardt im Ausschuss. Andererseits müsse sich die Politik darauf einstellen, dass die Stadt mehr als die 100 000 Euro zahlen muss. Denn ohne Personal und Sachleistungen – Räume für das Lagern der Reinigungswerkzeuge, Geld für Material und ein Auto – könne das Projekt nicht starten. Leonhardt rechnet damit, dass in etwa drei Jahren das Projekt in Düsseldorf etabliert sei. In München habe das sieben Jahre gedauert.
Die Fortschritte beim Kampf gegen Graffiti begrüßten alle Fraktionen. "Das Projekt wirkt vorbeugend, weil Jugendliche vom Sprayen abgehalten werden", brachte CDU-Ratsherr Andreas Hartnigk die Meinung auf den Punkt.
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