Unzählige Überstunden: Grippe macht Gesundheitsamt krank
VON STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 13.08.2009 - 07:23Düsseldorf (RPO). Seit die ersten Fälle von Schweinegrippe in Düsseldorf aufgetreten sind, klagen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes unter der Last der Überstunden. Immer mehr melden sich krank. Der Personalrat fordert Verstärkung für die Ausnahme-Situation.
Für den Personalrats-Vorsitzenden Robert Wollborn ist das Maß voll. "Die Arbeitsbelastung nimmt eine Dimension an, die zu krankheitsbedingten Ausfällen führt", klagt der Vertreter der städtischen Angestellten. Gemeint ist das Düsseldorfer Gesundheitsamt, das mit immer neuen Maßnahmen dafür kämpft, das Schweinegrippe-Virus einzudämmen. "Die Leute pfeifen aus dem letzten Loch", sagt Wollborn. Er werde nun den Dienststellenleiter einschalten und Verstärkung für das Amt fordern, erklärte er der Rheinischen Post.
Nach Auskunft mehrerer Mitarbeiter hat sich der Krankenstand im Gesundheitsamt seit einigen Wochen spürbar erhöht. Offizielle Zahlen liegen noch nicht vor, doch über die normale Quote von fünf bis sechs Prozent Erkrankten in der Verwaltung sei das Gesundheitsamt derzeit hinaus, bestätigt Wollborn. "Die Schweinegrippe bringt uns in eine nie dagewesene Situation. Da muss personell aufgestockt werden", fordert der Personalratschef. Die Situation bereite ihm schon seit einigen Wochen Sorgen.
Fest steht, dass das Gesundheitsamt seit mehr als drei Monaten eine Ausnahme-Situation zu meistern hat. Ende April schickte Amtsleiter Heiko Schneitler die ersten Ärzte zum Flughafen, um Reisende aus Mexiko, Kanada und den USA abzufangen. Gleich vier Mediziner empfingen die Ankommenden, prüften sie auf Fiebersymptome und Husten. Bundesweit schrieb der Amtsleiter mit diesem Einsatz positive Schlagzeilen, weil er sich intensiver kümmerte als andere. Als das Land schließlich die regulären Kontrollen stoppte, war er nicht erfreut. "Nun muss ich Leute in Bereitschaft halten. Das bedeutet eine höhere Arbeitslast als ein gezielter Schichtdienst", sagte er damals.
Doch das zusätzliche Arbeitspensum betrifft nicht nur den Flughafen. Schneitlers Mitarbeiter betreuen täglich von 8 bis 19 Uhr eine Hotline. Sie bildeten die Ärzte fort, versorgten die Schulen mit Informationen zum Thema "Infektionsschutz im Alltag".
Im Juni verbuchte Schneitler einen weiteren Erfolg, als er nach den ersten Schweinegrippe-Fällen an der Japanischen Schule Massenuntersuchung und Quarantäne verordnete, so dass sich die übrigen Schüler nicht mehr infizieren konnten.
Damals titulierte das Magazin "Spiegel" den Amtsleiter anerkennend als "Seuchenwart vom Rhein". Und der 62-Jährige erklärte seine Haltung: Um die Bürger zu schützen, müsse "eben auch mal am Samstagabend was getan werden und nicht erst am Montag". Schneitler selbst geht mit gutem Beispiel voran. An manchen Tagen soll der Internist, der seit 1985 für das Düsseldorfer Gesundheitsamt tätig ist, schon um fünf Uhr morgens sein Büro betreten.
Einen deutlich erhöhten Einsatz erwartet er auch von den derzeit 277 Mitarbeitern des Gesundheitsamts. Vor allem am Flughafen und im alten Krankenhaus Benrath muss das ärztliche Personal dabei mit Überstunden und Nachteinsätzen strapaziert worden sein. "Die missliche Situation ist allein der Schweinegrippe geschuldet", lässt Schneitler über die Pressestelle der Stadt erklären.
Er steht mit dem Problem nicht alleine da. "Unsere Virologen sind an der äußersten Belastungsgrenze", sagt Irmela Müller-Stöver, Oberärztin der Uniklinik – und gesteht ein: "Bei Schwerkranken ist die Diagnostik unabdingbar. Bei allen anderen müssen wir uns die Frage stellen, ob die vielen Tests Sinn machen." Die Uniklinik rückt davon inzwischen ab und testet nur noch konkrete Verdachtsfälle, bei denen der Patient deutliche Symptome aufweist.
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